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Flüchtlingskrise spaltet Europa

Die EU ist mit dem Flüchtlingszustrom überfordert. Allein im August wurden 156.000 Migranten registriert. Eine Einigung über die Umverteilung von

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Flüchtlingskrise spaltet Europa

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Die EU ist mit dem Flüchtlingszustrom überfordert. Allein im August wurden 156.000 Migranten registriert. Eine Einigung über die Umverteilung von 160.000 Menschen gibt es nicht, doch wäre sie wirklich von Nutzen?

Die Krise spaltet die EU: Einige Staaten weigern sich, Flüchtlinge aufzunehmen. Das Schengen-Abkommen gilt nur noch eingeschränkt: Ungarn will auch einen Sicherheitszaun an der gemeinsamen Grenze mit Rumänien errichten, in Bayern werden die Grenzen kontrolliert, in Österreich gibt es ab diesem Mittwoch Kontrollen.

Es ist die schlimmste Flüchtlingskrise der vergangenen Jahrzehnte: Seit Anfang des Jahres suchten mehr als 500.000 Menschen Zuflucht in Europa. Die EU hingegen konnte sich bisher nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen. Ungarn hat Strafen für illegale Einwanderung beschlossen.

Über die derzeitige Krise sprachen wir mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres.

euronews:
“In Ungarn gilt ab diesem Dienstag der illegale Grenzübertritt als Straftat und ein Sicherheitszaun trennt das Land von Serbien. Der illegale Grenzübertritt kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Verletzen diese Maßnahmen nicht internationale Vereinbarungen?”

Antonio Guterres:
“Ich denke, dass es für Ungarn besser wäre, gemeinsam mit Griechenland und Italien zu einem System zu gehören, das Einreisemöglichkeiten bietet und die Menschen wirksam aufnehmen kann. Das heißt, den Menschen sollte geholfen werden, sie sollten würdig behandelt werden, notwendig sind Gesundheitstests und die Registrierung. Auf dieser Grundlage sollten jene, die des Schutzes bedürfen, untergebracht und in andere europäische Staaten umverteilt werden. Anstatt Einzelmaßnahmen zu ergreifen und sich auf den Schutz seiner Außengrenzen zu beschränken, könnte Ungarn als Teil dieses Systems profitieren.”

euronews:
“Als früherer Regierungschef verstehen Sie, dass sich manche Wähler fragen, warum nicht den eigenen Bürgern geholfen wird, anstatt viele Flüchtlinge aufzunehmen?”

Antonio Guterres:
“Einwanderung sollte in geregelten, geordneten Bahnen stattfinden, ohne Schlepper, die Dramen verschulden. Europa braucht aus demographischen Gründen Einwanderung. Wenn wir über Flüchtlinge sprechen, geht es jedoch nicht um eine Option sondern um eine gesetzliche Pflicht. Die Staaten haben freilich das Recht zu einer eigenen Migrationspolitik, sie können sagen, dass sie keine weiteren Migranten wollen. Wenn jedoch das Haus einer Familie aus Syrien zerstört worden ist, wenn Familienmitglieder ums Leben gekommen sind und die am Leben Verbliebenen nach Europa flüchten, hat Europa die Pflicht, sie aufzunehmen und zu beschützen.

Wir sprechen von mehr als 400.000 Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa gelangt sind. Die Europäische Union zählt 508 Millionen Menschen. Bei einem Drittel der Einwohner des Libanons handelt es sich um syrische und palästinensische Flüchtlinge. Handelt Europa gemeinsam, arbeiten die Mitgliedsstaaten zusammen, teilt man sich die Verantwortung, bekommt man die Krise sehr gut in den Griff. Setzen wir jedoch das derzeitige Chaos und die Verwirrung fort, ist das eine Tragödie nicht nur für die Betroffenen sondern auch für die Europäische Union.”