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Privatgarten für alle: Musikliebhaber William Christie feiert die Barockmusik

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Privatgarten für alle: Musikliebhaber William Christie feiert die Barockmusik

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Er hat Lully und Charpentier aus der Versenkung geholt: der Amerikaner William Christie. Sein Privatgarten ist Austragungsort eines besonderen Festivals.

Ein Garten in Nordwestfrankreich: Zwischen akkurat gestutzten Hecken, auf dem Wasser und vor allem unter freiem Himmel verschwimmen die Grenzen zwischen Künstlern und Publikum. Im Garten von William Christie – so heißt ein ungewöhnliches Musikereignis für Freunde klassischer Musik.

Meinung

Wir hatten Teil am wichtigsten musikalischen Abenteuer im ausgehenden 20. Jahrhundert

Christie, gebürtiger Amerikaner, hat den Franzosen ihre eigene Barockmusik nahegebracht. Künstler wie Lully, Charpentier und Campra verdanken dem Dirigenten und Cembalisten ihre heutige Popularität. “Ich bin jemand, der hier herkam, um alles aus der europäischen Kultur herauszuholen”, sagt Christie. “Ich habe sie schon mein ganzes Leben verehrt. Dieser Garten ist sozusagen eine Verbeugung, eine Geste des Dankes für das, was ich seit langer Zeit gelernt habe.”

Fest für alle Musikfreunde

Gemeinsam mit seinem weltbekannten Ensemble “Les Arts Florissants” hat William Christie junge Künstler aus seiner eigenen Akademie auf seinen Landsitz eingeladen. Außerdem angereist sind talentierte Musiker aus der angesehenen New Yorker Julliard School. Mit seinem treuen Wegbegleiter Paul Agnew spielten sie bei den Promenades, das sind kleine Nachmittagskonzerte an verschiedenen Orten im Garten, die sich an alle Musikfreunde richten, unabhängig von deren Geldbeutel: Nur ein paar Euro Eintritt kostet das Event, weit weniger als andere Konzerte dieser Klasse. Am Abend folgte dann eine opulente Musikaufführung, die beinahe Operncharakter in Christies Garten entfaltete.

Christie möchte die Musik allen nahebringen, er will Begeisterung vermitteln, wie er sie selbst seit Jahrzehnten verspürt: “Als junger Mensch habe ich schnell gelernt, dass ich mich auf die Musik verlassen kann”, erzählt er. “Sie muntert auf und sie kann Trost spenden. Das gleiche gilt für einen Garten. Ich kann darin herumwandeln, zur Ruhe kommen, Freude finden – und Menschen begegnen. Denn wie bei der Musik ist man auch in einem Garten nie allein.”

Beim Festival in seinem eigenen Privatpark trifft das ganz besonders zu. Aber auch sonst hat Christie immer Musikliebhaber um sich geschart, er hat Musikschaffende gefördert und freut sich heute über das Erreichte. Für sich, vor allem aber für andere. Er sieht heute, wie seine Schüler Bekanntheit in der Musikszene erlangen. Das Alter, sagt er, spiele keine Rolle im Umgang mit diesen Menschen. Für ihn sei das eher ein Weg, jung zu bleiben.

“Wir, die Arts Florissants, haben jetzt 30 Jahre lang zusammengearbeitet”, so der heute 70-Jährige. “Wir haben einer Musik Leben eingehaucht, die kein Leben hatte. Wir haben auch das Bewusstsein für andere Musikepochen geschärft. Wir hatten Teil am wichtigsten musikalischen Abenteuer im ausgehenden 20. Jahrhundert.”

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Offizielle Webseite des Musikfestivals

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