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VW-Diesel-Skandal: Auch Europas Autobranche und Politiker atmen dicke Luft

Im VW-Diesel-Skandal bleibt der Konkurrenz jegliche Schadenfreude im Hals stecken. Auch Politiker geraten unter Druck. Der Auto Club Europa (ACE)

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VW-Diesel-Skandal: Auch Europas Autobranche und Politiker atmen dicke Luft

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Im VW-Diesel-Skandal bleibt der Konkurrenz jegliche Schadenfreude im Hals stecken. Auch Politiker geraten unter Druck.

Meinung

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Hersteller auch hierzulande spezielle Software nur für Abgastests einsetzen, um die Klimabilanz zu beschönigen

Der Auto Club Europa (ACE) sieht in der Affäre nur eine Facette eines größeren Problems. “Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Hersteller auch hierzulande spezielle Software nur für die Abgastests einsetzen, um die Klimabilanz zu beschönigen”, sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal.

Besonders Europas Automobilhersteller haben in den vergangenen 15 Jahren Dutzende Milliarden Euro in der Dieseltechnologie investiert.
Während weltweit etwa jedes fünfte Auto einen Dieselantrieb hat (2014), machen Dieselfahrzeuge mehr als die Hälfte der europäischen Autoverkäufe aus (53%).
Ganz vorne mit dabei; BMW und Daimler, mit 81 und 71 Prozent Dieselanteil. In den USA verbreitet dagegen nicht mal jedes 30te Auto den typischen Sound (2,75%).

Und – seit rund einem Jahr wusste die deutsche Bundesregierung, dass Diesel-Pkw weitaus mehr Stickstoffoxid ausstoßen, als die Hersteller angeben. Das geht nach Medienberichten (“Welt” ) aus einer Antwort der Regierung auf einen Mahnbrief der EU-Kommission hervor. Die EU-Kommission hatte die Bundesregierung ermahnt, endlich gegen die zu hohe Stickoxidbelastung der Luft in 29 deutschen Städten und Regionen vorzugehen. Darunter waren Berlin, Hamburg, Stuttgart und München.

Demnach sind die tatsächlichen Stickoxidemissionen für Dieselfahrzeuge pro Kilometer “im Bereich von 500 Milligramm” anstatt bei 80 Milligramm, wie es die Euro-6-Norm für Diesel-Pkw vorschreibt. Das ist sechsmal höher als erlaubt.

Verteidigungslinie der Bundesregierung: “Hauptgrund” für die schlechte Luftqualität sei, dass “die derzeit in Verkehr kommenden Diesel–Pkw im realen Betrieb viel zu hohe Stickstoffoxidemissionen aufweisen”.

Die Dieselautos erfüllen damit gerade einmal die Euro-3-Norm – und dürften keine grüne Plakette bekommen, mit der sie in Umweltzonen fahren dürfen.

Spiegel 13/10/2014: “Dieselautos stoßen laut einer Studie des Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation, Washington, San Franscisco, Berlin) siebenmal mehr Stickoxide aus als offiziell angegeben.”

su mit dpa, Reuters