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Juan Diego Flórez wagt sich als Orpheus in die Unterwelt

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Juan Diego Flórez wagt sich als Orpheus in die Unterwelt

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Er singt im Royal Opera House in London auf Französisch von seiner Liebe. Juan Diego Flórez lässt Gluck's Orpheus und Euridike wiederauferstehen.

Orpheus und Euridike von Gluck im Royal Opera House in London. Es singt Juan Diego Flórez. Die Pariser Fassung von 1774 wurde mit einer Prise Realismus neu interpretiert. In dem Mythos steigt Orpheus in die Hölle hinab, um seine geliebte Frau Euridike wieder zurück zu den Lebenden zu führen.

Meinung

Es geht um die Macht der Musik, die in der Lage ist, Türen zu öffnen, Herzen zu öffnen und die einen Weg zeigt.

Juan Diego Flórez erklärt: “In dieser Aufführung, und meiner Meinung nach ist es eine sehr kluge Interpretation, ist Euridike bereits am Anfang tot. Sie ist die ganze Oper über tot. Sie kommt nicht zurück. Alles geschieht in meinem Kopf.”

Die Regisseure John Fulljames und Hofesh Shechter hatten die Idee, das Kammerorchester English Baroque Soloists und den Dirigenten John Eliot Gardiner mit auf die Bühne zu holen. “Wir hatten das Gefühl, dass es natürlich und absolut notwendig ist, das Orchester auf der Bühne zu haben. Das Stück handelt von Musik, von einem Musiker. Es geht um die Macht der Musik, die in der Lage ist, Türen zu öffnen, Herzen zu öffnen und die einen Weg zeigt. Für Orpheus ist die Musik eine Waffe,” so Shechter. Der Choreograf ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen: “Wir haben entdeckt, dass wir mit dem Orchester spielen können. Wir können es hoch und runter fahren.”

Das Orchester verschwindet manchmal in der Unterwelt. Für die Zuschauer gibt es viel zu sehen und Shechter hatte sehr viel Spaß, bei der Inszenierung. Er erzählt: “Mit all diesen Ebenen zu spielen, mit den Welten und Realitäten und mit der Verwirrung, das hat uns wirklich gefallen.”

Für Juan Diego Flórez war es eine neue Erfahrung: “Ich hatte noch nie in einer Oper das Orchester hinter mir. Ich bekomme die Musik des Orchesters ganz anders mit, denn sie kommt von hinten nach vorne. Man kann den Dirigenten nicht sehen und man hat dadurch keine direkte Verbindung zu ihm. Normalerweise kann er einem eine Anweisung geben, aber diesmal geht das nicht. “

Auch auf Französisch zu singen, war für den Tenor nicht einfach: “Ich bin es gewöhnt auf Italienisch zu singen. Auf Italienisch dominieren die Vokale: a, é und i. Auf Französich haben wir viele u, e und eus. Das ist ein bisschen schwieriger.”

Der israelische Choreograf Hofesh Shechter ist in der Welt des zeitgenössischen Tanzes bekannt. Mit Orpheus und Eurydike wagte er sich erstmals an eine Oper. “Bei der Arbeit mit meinen Tänzern kann ich das, was nicht funktioniert, einfach rausschneiden. Hier musste ich mit dem ganzen Stück zurechtkommen, so wie es ist. Es war manchmal schwierig, Lösungen zu finden. Es war eine Herausforderung etwas Einfaches, Leichtes und Ehrliches zu finden, zu Musik, zu der ich nicht unbedingt eine direkte Verbindung habe,” so Shechter.

Juan Diego Flórez zufolge wird die Oper durch die Choreografie noch viel besser. Er sagt: “Die Menschen lieben es. Es ist wie ein Rockkonzert für alle im Publikum. Meistens bekommen das Orchester und der Dirigent nicht solche Ovationen. Aber hier ist es ein richtiges Fest, denn es ist eine leidenschaftliche Aufführung. Leidenschaft ist wichtig und es funktionert sehr gut.”