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Ölpreisverfall: "In so einer harten Zeit kann man nur auf Durchhalten schalten."

Der Ölpreisverfall vor einem Jahr hat den globalen Energiemarkt einschneidend verändert. Wie kommt die Branche über die Runden? Ein Stimmungsbild vom Energieforum in der kasachischen Hauptstadt Astana

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Ölpreisverfall: "In so einer harten Zeit kann man nur auf Durchhalten schalten."

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Seit einem Jahr wissen die globalen Ölmärkte immer weniger, wie es weitergeht. Der Ölpreis fiel um mehr als die Hälfte, das Barrel kostet nun weniger als 50 Dollar – da kamen Überangebot und weniger Nachfrage aus China zusammen. Ein düsterer Hintergrund für das 10. Kazenergy Energieforum in Kasachstan.

Meinung

Wenn der Ölpreis erst mal auf 30 Dollar runter ist, wird das weltweite Angebot sicher zurückgehen und die Preise steigen wieder."

Natalia Marshalkovich, euronews:

“Beim ersten Forum vor zehn Jahren in der kasachischen Hauptstadt war die Welt hier noch in Ordnung: Der Energie-Markt wuchs. Jetzt liegen die Preise am Boden, ebenso wie die Nachfrage. Wie überleben Energie-Anbieter unter diesen Umständen? Ein Stimmungsbild vom Energieforum in Astana.”

Der Pulitzer-Preis-Träger Daniel Yergin sieht auf lange Sicht die Vorherrschaft des Öls als allumfassende Energiequelle langsam schwinden – vor allem aufgrund zunehmender Treibstoffeffizienz.

Er erwartet auch 2016 eine Preisflaute und rechnet frühestens in vier Jahren mit auskömmlichen Barrel-Preisen für die Anbieter. Großunternehmen und Ölförderländer erarbeiten ihre Haushaltspläne Imithilfe der Szenarien “optimistisch”, “realistisch” und “pessimistisch”. Die Spontan-Reaktion waren, Kostenschnitte.

Laut Matthew Sagers, Marktforschungsunternehmen IHS Energy, Englewood, Colorado (USA) sollte die Branche schleunigst umdenken:

“Wir erwarten einen sehr deutlichen Rückgang der Investitionen, um die 30 Prozent. Viele Projekte werden gestreckt – weniger Geld in der Kasse. Also, die werden alle wählerisch und vorsichtig, wo sie ihr Geld reinstecken”.

Kasachstan geht es da nicht anders: Der Ölsektor macht 20-30 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, mehr als 50 Prozent der Haushaltseinnahmen und 60 Prozent der Exporte. Präsident Nursultan Nasarbajew meint, das Land müsse sich auf Ölpreise zwischen 30 und 40 Dollar pro Barrel einstellen, wegen der “neuen wirtschaftliche Realität.” Laut Timur Kulibayev von Kazenergy (eine gemeinnützige Organisation der kasachischen Öl, Gas und Energiewirtschaft), einem der Top-Öl-Manager des Landes, dürften sich die Preise mittelfristig auf das “komfortable” Niveau um 60-80 Dollar erholen…

Timur Kulibayev, Verbandschef Kazenergy:

“Das war jetzt eine Periode des Preis-Absturzes. Betriebszyklen von Ölfeldern dauern ein Jahrzehnt. Ich meine, in so einer harten Zeit wie jetzt gerade kann man nur auf Durchhalten schalten. Und wenn der Ölpreis erst mal auf 30 Dollar (pro Barrel) runter ist, wird das weltweite Angebot sicher zurückgehen und die Preise steigen wieder.”

Was aber, wenn diese Erholung gebremst wird von einem radikalen Wandel des Energiemarktes? Nach dem jüngsten Annual Global Energy Outlook 2035 von BP wächst die Nachfrage nach Energie bis 2035 nur noch um 1,4 statt um 1,5 Prozent pro Jahr. Gerald Davis vom World Energy Scenario (ein Projekt des World Energy Council) hat sieht viele Anzeichen für einen grundlegenden Parameter- Wechsel in der Energiewirtschaft:

“Wahrscheinlich wächst der Bedarf langsamer als wir denken. Wenn wir uns die neuen Regelwerke ansehen, die Förderung von Solar- und Windenergie, die die Stromhersteller betreffen, dazu die möglichen Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft … China schwenkt gerade auf moderateres Wachstum ein. China ist riesig, China braucht immer noch massenhaft Energie. Aber der Ölmarkt vergleicht immer die Realität mit den eigenen Planungsprognosen.”

Was uns nicht umbringt, macht uns stärker? Die globale Öl- und Gasindustrie macht große Umwälzungen durch und muss sich einer neuen, weniger glänzenden Realität anpassen. Für viele Analysten ist ein Ölpreis von ​​100 Dollar schon Geschichte.