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Lage im Nahen Osten wie vor Beginn der Zweiten Intifada

Um über die starken Spannungen, die in Jerusalem und im Westjordanland herrschen zu sprechen, ist uns aus Washington der Politologe Hasni Abidi

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Lage im Nahen Osten wie vor Beginn der Zweiten Intifada

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Um über die starken Spannungen, die in Jerusalem und im Westjordanland herrschen zu sprechen, ist uns aus Washington der Politologe Hasni Abidi zugeschaltet.

Hasni Abidi, willkommen bei euronews, ist das, was in Jerusalem und der Westbank passiert, möglicherweise der Anfang einer dritten Intifada?

Hasni Abidi: Wir können von einer ähnlichen Atmosphäre wie vor der zweiten Intifada sprechen. Zuallererst haben wir eine Unfähigkeit der Palästinensischen Autonomiebehörde, die Probleme zu lösen, dazu kommt das harte Vorgehen der israelischen Regierung gegen die Palästinenser im Westjordanland und die Belagerung von Gaza, der Streit um die Al Aksa Moschee und die Sperrung der Altstadt für Palästinenser. All dies hat tatsächlich zur Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis beigetragen.

euronews: Die palästinensische Autonomiebehörde beklagt eine Eskalation durch Israel, Netanjahu bestätigt, dass sein Land den palästinensischen Terrorismus bekämpfen muss. Können diese Aussagen zu einer Eskalation zwischen den beiden Parteien auf der politischen Ebene führen?

Hasni Abidi: Es gibt es eine große Abwesenheit der internationalen Gemeinschaft und vor dieser Lücke und dem Mangel an Initiativen, denke ich, dass es in den kommenden Tagen sehr schwierig für die Israelis wird. Mahmud Abbas hat bereits gedroht, zurückzutreten und das Oslo Abkommen aufgekündigt, das nicht gerade große Dinge für das palästinensische Volk gebracht hat.

euronews: Gegenwärtig ist die internationale Gemeinschaft mit vielen Problemen beschäftigt, vor allem mit Syrien. Ist da noch Platz für den Ruf der Palästinensischen Autonomiebehörde, das palästinensische Volk zu schützen?

Hasni Abidi: Präsident Mahmud Abbas fordert von Ban Ki Mun für den Schutz der Zivilgesellschaft zu sorgen. Wenn die Palästinensische Autonomiebehörde aufgelöst wird, was jederzeit passieren kann, dann bedeutet das, dass Israel alle diese Aufgaben zu übernehmen hat. Das sehen die Genfer Konventionen und ihre Anhänge vor. Die UN wird nicht intervenieren, aber Abbas Absicht ist zu zeigen, dass die Palästinenser nicht mehr an all die Vorschläge glauben, die gemacht wurden und das führt in eine Sackgasse und zu einer Krise der Vereinten Nationen.

euronews: Gibt es mit der Zunahme der Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis, die Chance an den Verhandlungstisch zurückzukehren?

Hasni Abidi: Mahmud Abbas steht sowohl unter starken innenpolitischen Druck von den Palästinensern als auch extern von der internationalen Gemeinschaft: die Vereinigten Staaten und Frankreich, die eine Rückkehr zu Verhandlungen und die Nichtauflösung der palästinensischen Autonomiebehörde verlangen. Es ist möglich, zu Verhandlungen zurückkehren, aber diesmal wird es keinen klaren Zeitplan geben und keine Garantie, dass eine Lösung am Horizont sichtbar ist.

Das Gespräch führte Faiza Garah