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"Tatsächlich können mich Gefühle fast umbringen" - Sonya Yoncheva als Desdemona in Verdis "Otello"

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"Tatsächlich können mich Gefühle fast umbringen" - Sonya Yoncheva als Desdemona in Verdis "Otello"

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Eine mit Spannung erwartete Neuaufführung von Verdis Otello hat die neue Saison der New Yorker Metropolitan Opera eröffnet. Eine Aufführung, die der

Eine mit Spannung erwartete Neuaufführung von Verdis Otello hat die neue Saison der New Yorker Metropolitan Opera eröffnet. Eine Aufführung, die der besonderen Momente nicht entbehrte – dank der Performance des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin und der bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva in der Rolle der Desdemona. Musica traf beide zur Generalprobe.

Meinung

Auch wenn das Orchester nicht spielt, hat man den Eindruck, das da Musik ist. Es ist wie eine großartige, gesungene Symphonie - perfekt.

"Otello ist die perfekte Oper, auf dem Höhepunkt von Verdis Schaffen"


Die Sopranistin Sonya Yoncheva spricht mit euronews über ihre Rolle:
“Desdémona ist eine starke Frau. Sie weiß genau, was sie tut. Das Einzige, das ihr fehlt, ist die Verrücktheit von Otello. Persönlich halte ich sie für sehr mutig. Sie ist eine Frau, die jemanden liebt, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Sie hat eine ganz andere Mentalität, sie stammt aus einem anderen Milieu, aus einer anderen Zeit. Ihre größte Stärke: die Liebe zu Otello. Diese Liebe ist so rein, dass sie unantastbar ist. Sie hat getan, was ging: sie verteidigt ihre Liebe, ihren Mann, bis zum Ende.”

Der Dirigent Yannick Nézet-Séguin erläutert:
“Otello ist die perfekte Oper, auf dem Höhepunkt von Verdis Schaffen. In “Otello” ist jeder Ton, jede Pause einfach perfekt. Verdi wollte eine sehr moderne Orchestrierung – das gleicht keinem vorhergehenden Stück, da die musikalische Struktur nicht unterbrochen wird. Auch wenn das Orchester nicht spielt, hat man den Eindruck, das da Musik ist. Es ist wie eine großartige, gesungene Symphonie – perfekt.”

Zu meiner großen Freude kann ich mich mit dieser "rauen" Stimme artikulieren


“Diese Rolle ist einem lyrischen Sopran auf den Leib geschneidert, aber Verdi hat ihn auf die tiefen Töne unseres Repertoires gedrückt. Wie mit den fantastischen hohen Tönen im IV. Akt bei ‘esterrefatta fisso’ zurecht kommen? Ich muss schon sagen, dass es für mich nicht so schwierig war. In einem früheren Leben war ich schon Altistin, so kann ich zu meiner großen Freude diese tiefen Töne in meinem Resonanzraum suchen und mich mit dieser “rauen” Stimme artikulieren”, sagt Sonya Yoncheva.

Wissen Sie eigentlich, was Sie für die Welt getan haben, Maestro?


Yannick Nézet-Séguin führt weiter aus:
“Wenn Giuseppe Verdi jetzt noch lebte, also im Jahr 2015, würde ich ihm sagen: Maestro, wissen Sie eigentlich was Sie für die Welt getan haben? Denn das wusster er nicht. An ihm nagten Selbstzweifel. Ich würde ihn hinsetzen und ihm sagen, wie sehr wir ihn lieben.”

Sonya Yoncheva erklärt, wie sehr sie sich mit der Rolle identifziert:
“Ich sehe wie eine starke Frau aus. Ich muss stark und entschlossen sein, aber ich bin eine verletzliche Person. Ich habe Zweifel, in der Tat könnten mich Gefühle fast umbringen, so wie Desdemona. Das ist auch der Grund, warum sie mir so vertraut ist.”