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Martin Scorsese und Filmklassiker auf dem Lumière Festival in Lyon

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Martin Scorsese und Filmklassiker auf dem Lumière Festival in Lyon

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Regielegende Martin Scorsese war in diesem Jahre Ehrengast des Lumière Festivals im französischen Lyon. Begleitet von stehenden Ovationen überreichte

Regielegende Martin Scorsese war in diesem Jahre Ehrengast des Lumière Festivals im französischen Lyon. Begleitet von stehenden Ovationen überreichte Filmdiva Salma Hayek den Prix Lumière, den Ehrenpreis des Festivals an einen sichtlich gerührten Filmmeister.

“Ich danke Ihnen allen für diese große Anerkennung, mich hier nach Lyon einzuladen, zu einem Festival, das das wahre Kino feiert und nach den beiden Männern (Auguste und Louis Lumière) benannt ist, die es zum Leben erweckten”, sagte Martin Scorsese in seiner Dankesrede.

euronews-Reporterin Lise Pedersen bestätigt: “Ein emotionsgeladenes Lumière Festival zieht den Hut vor Martin Scorsese, einem der berühmtesten und herausragendsten Filmemacher weltweit. Es ist ein Festival, auf dem es weder Gewinner noch Verlierer, sondern nur Kinoliebhaber gibt.”

Masterclass mit Martin

Während seines Aufenthalts fand der Oscar-preisgekrönte Regisseur, der selbst ein unersättlicher Filmfan ist, die Zeit, für das Lyoner Publikum eine Masterclass abzuhalten, in der er über seine Kinoleidenschaft und künftige Filmprojekte sprach.

Junge Verehrer und Fans der ersten Stunde strömten herbei. “Es ist unglaublich, dass er hier nach Lyon kommt”, schwärmte eine junge Frau. “Ich bin einfach hier, um einen Mann zu sehen, der weiß, wie man die Liebe zum Kino weiter gibt”, fügte ein Mann hinzu. “Es gibt Filme von Scorsese, die ich überhaupt nicht mag”, meinte eine eher kritische Kinogängerin. Aber er sei jemand, der sein Leben dem Kino gewidmet habe und selbst ein großer Filmfreund sei, der Kinoschätze rette. Sie sei sehr gespannt auf ihn.

In seiner Masterclass erinnerte sich “Scorsese an seine Kindheit als Junge mit Asthma in New York, den die Eltern mit ins Kino nahmen“http://www.welt.de/kultur/kino/article111219447/Der-rasende-Redner-funktioniert-auch-ohne-Kokain.html, weil sie nicht mussten, wohin mit ihm. Auch über seine erste Fernsehserie Vinyl mit Rolling Stones Frontmann Mick Jagger sprach der Kultregisseur und sein bevorstehendes Filprojekt The Irishmen mit Lieblingsschauspieler und Alter Ego Robert De Niro.

Die langjährige Zusammenarbeit der beiden begann 1973 in “Hexenkessel” und brachte Klassiker wie “Raging Bull” oder “Taxi Driver” hervor.

Filmklassiker im Rampenlicht

Um ebensolche Kinoperlen dreht sich auch das einwöchige Filmfestival in Lyon. Was genau einen Streifen zum Leinwandklassiker macht, haben wir den Leiter des Lyoner Institut Lumière und Direktor des Filmfestivals von Cannes, Thierry Frémaux gefragt.

“Manchmal ist eine Zeit im Fegefeuer nötig”, so Frémaux. “Wir haben zum Beispiel heute noch nicht genug Abstand zu den 2000er Jahren, befassen uns jedoch erstmals mit den 80ern. Das war immerhin vor 30 Jahren. Kinogeschichte beschränkt sich nicht nur auf die Stummfilmära, die 30er oder die 50er Jahre. Sie umfasst nach und nach Epochen, die uns noch sehr nah erscheinen.”

20 Jahre “Toy STory”

Zu den Gästen des Festivals gehörte ebenfalls Pixar-Chef John Lasseter, der Disney zu neuem Leben verhalf. Zum 20. Geburtstag seines genialen Animationsabenteuers “Toy Story” gab es eine Jubiläumsaufführung in Lyon, zur Freude seiner ewig jungen Fans. “Pixar ist ein Symbol und steht für Filme, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen. Deswegen bringt er so viele Menschen zusammen”, sagte ein junger Mann. Und ein ganz junger Zuschauer fand: “Wir alle haben den Film mindestens fünf Mal mit der Familie gesehen, aber das hier in Lyon ist noch mal etwas anderes, mit so vielen Leuten.”

Dass sein Film schon 20 Jahre auf dem Zähler hat, konnte auch John Lasseter kaum fassen. “Hier geehrt zu werden, fühlt sich seltsam an. Ich habe immer noch das Gefühl, dass der Film brandneu ist. 20 Jahre, ist ‘Toy Story’ wirklich schon so lange her?”

“Classic Film Market”

Das Festival möchte einem möglichst breiten Publikum die Gelegenheit bieten, Filmklassiker auf der großen Leinwand zu erleben, nach Angaben der Veranstalter um die 150 Tausend Zuschauer. Es ist auch ein Treffpunkt für Experten der Filmrestaurierung und -konservierung.

Der im Rahmen des Festivals veranstaltete Classic Film Market ist ein in dieser Form einzigartiges Forum, das auf die Restaurierung historischer Filme spezialisierte Labore, Filmvertreiber und -inhaber zusammen bringt.

Gérald Duchaussoy, Projektmanager, Classic Film Market: “Die Suche nach den Filmrechten ist essenziell. Den Inhaber der Filmrechte auszumachen, denjenigen, der dazu berechtigt ist, den Film zu vertreiben, je nach Land und Vertrag, das ist eine wirklich komplizierte Angelegenheit. Und dann kommt die Suche nach all den anderen fehlenden Elementen, wie Filmrollen oder Negative, die man für Arbeit braucht.”

Eine wahre Sisyphusarbeit, die auch Regiemeister Martin Scorsese und der von ihm gegründeten Filmstiftung für den Erhalt historischer Streifen sehr am Herzen liegt.
Damit Filmperlen wie beispielsweise “La Belle Equipe” (1936), vorgeführt in restaurierter Fassung auf dem Lumière Festival, nicht für immer verloren gehen.