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Interview mit zwei Dänen: Mads Mikkelsen und Nicolas Winding Refn

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Interview mit zwei Dänen: Mads Mikkelsen und Nicolas Winding Refn

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Das Filmland Dänemark stand im Fokus des diesjährigen Lumière Festivals im französischen Lyon. Schauspielstar Mads Mikkelsen und sein Landsmann

Das Filmland Dänemark stand im Fokus des diesjährigen Lumière Festivals im französischen Lyon. Schauspielstar Mads Mikkelsen und sein Landsmann, Regisseur Nicolas Winding Refn, gehörten zu den Ehrengästen und waren bereit zu einem Gemeinschaftsgespräch mit euronews-Reporterin Lise Pedersen über Kino, Dogma und gemeinsame Filmprojekte.

Meinung

Wir sind uns nicht sehr ähnlich und haben außerhalb der Arbeit kaum etwas miteinander zu tun. Aber wenn wir zusammen drehen, ist das, als wären wir ein und dieselbe Person.

Pusher, eine Low-Budget-Produktion im Dokumentarstil von 1996, war ihr erster gemeinsamer Streich.

Mads Mikkelsen: “Es war vor allem die Energie, nicht so sehr der Versuch, etwas völlig Neues zu machen, denn das hatten andere schon getan, aber nicht auf unsere Weise. Und wie Du schon gesagt hast, das Beste, was passieren kann, ist, dass Leute sich inspiriert fühlen, ihre Filme auf ihre Weise zu machen, sich nichts vorschreiben zu lassen.”

Nicolas Winding Refn: “Ich glaube, es ist wichtig, die Dinge anders zu machen, ob das gut oder schlecht ist, ist irrelevant. Kreativität ist eher wie ein Strom von Gefühlen, der inspiriert, durchdringt, antreibt oder betroffen macht. Ob man es nun liebt oder verabscheut, das ist das Ziel. Ich sage immer: Vielfalt gibt den Ton an.”

Mads Mikkelsen zufolge entsprach “Pusher” in seiner ungeschminkten, radikalen Form, genau den 10 Reinheitsgeboten, die Lars von Trier, Thomas Vinterberg und andere dänische Filmemacher in ihrem berühmt-berüchtigten Dogma Manifest formulierten.

Mads Mikkelsen: “Wir drehten den Film ohne irgendwelche Regeln bezüglich Beleuchtung, Kostümen oder Ton. Wir taten das, weil wir kein Geld hatten. Wenn wir welches gehabt hätten, wäre es in den Film geflossen. Diese Rock’ n’roll Energie war eine Inspirationsquelle, auch wenn andere das nicht zugeben wollen. Das ist für mich in Ordnung.”

“Pusher” war der erste Teil einer Gangster-Trilogie, die Nicolas Winding Refn und Mads Mikkelsen Ruhm und Anerkennung brachten – und das nötige Geld für ein anderes Filmexperiment Valhalla Rising mit Mikkelsen als einäugigem Wikingerkrieger.

Nicolas Winding Refn: “Wir sind uns nicht sehr ähnlich und haben außerhalb der Arbeit kaum etwas miteinander zu tun. Aber wenn wir zusammen drehen ist das, als wären wir ein und dieselbe Person, so war das von Anfang an. Ich weiß nicht, wie ich das besser erklären soll, aber wenn etwas klappt, sollte man nicht damit aufhören.”

Mads Mikkelsen, eigentlich ein Musical- und Balletttänzer, kam erst mit 30 Jahren zum Film und hat seitdem seine große Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. 2012 wurde er in Cannes für seine Rolle in Die Jagd mit dem Darstellerpreis geehrt. Ein Jahr zuvor hatte Winding Refn in Cannes den Regiepreis für den düsteren Thriller“Drive”:http://www.sueddeutsche.de/kultur/drive-regisseur-winding-refn-bevor-alles-zu-spaet-ist-1.1399808 (mit Ryan Gosling) erhalten.

Mads Mikkelsen: “Ich glaube, dass es auch in der Dunkelheit eine große Menge Licht gibt. In Nicolas Filmen stößt man auch auf viel Humor. Oder, wie ich immer sage: ‘Buster Keaton lächelt nie? Oh doch, das tut er. Und wenn er es tut, öffnet sich der Himmel.’ Das ist es, wofür wir beide uns begeistern: Es gibt eine Menge Licht in der Dunkelheit.”

Winding Refn, als unverbesserlicher Provokateur, stellte auf dem Lumière Festival sein jüngstes Buch The Act of Seeing amerikanischen B-Movie-Postern aus den 60er Jahren vor.

Nicolas Winding Refn: “Natürlich mag ich alles, was extrem ist in Filmen, ich mag aber auch Filme, die unter Zensur gedreht wurden. Denn das Unterschwellige ist viel aufregender. Das Pop-Kino, auf das wir uns im Band beziehen, ist antiautoritär, rebellisch. Das ist ein wichtiger Teil der Kreativität – gegen den guten Geschmack zu rebellieren.”

Auf die Frage nach künftigen Projekten, verspricht Nicolas Winding Refn, dass sein nächster Film The Neon Demon mit starken Frauenrollen trumpfen wird (Elle Fanning , Christina Hendricks aber auch Keanu Reeves). Mads Mikkelsen seinerseits zieht es vor, über seine Rolle im nächsten Star Wars zu schweigen.

Mads Mikkelsen: “Wenn ich auch nur ein Wort sage, werde ich augenblicklich gekreuzigt, verbrannt und aufgehängt. Das wäre eine echte Loser-Situation.”