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Abgasskandal verpestet VW-Bilanz

Der Abgas-Skandal reißt ein riesiges Loch in die Bilanz von Volkswagen: Zum erstenmal seit mehr als 20 Jahren fuhr Europas größter Autobauer auf

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Abgasskandal verpestet VW-Bilanz

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Der Abgas-Skandal reißt ein riesiges Loch in die Bilanz von Volkswagen: Zum erstenmal seit mehr als 20 Jahren fuhr Europas größter Autobauer auf Quartalsbasis einen Verlust ein. Die zentrale Erklärung sind rund 6,7 Milliarden Euro Rückstellungen für die Folgen des Abgas-Skandals.

Meinung

Ich glaube, in Amerika wird es für Volkswagen noch richtig teuer

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) stehen im dritten Quartal rund 3,5 Milliarden Euro Minus, vor Jahresfrist waren es noch 3,23 Milliarden Euro plus. Die Rückstellungen für Rückruf und Umrüstung von manipulierten Fahrzeugen geht voll zu Lasten der Hauptmarke VW Pkw. Der neue VW-Chef Matthias Müller erwartet auch im Gesamtjahr einen deutlichen Ergebniseinbruch.

Herbert Diess, Volkswagen Markenvorstand:

“Das Vertrauen unserer Kunden ist das, was uns am wichtigsten ist. Wir tun alles, was wir können, um das Vertrauen in unsere Marke und unsere großartigen Produkte wiederherzustellen. Wir werden aufdecken, was da passiert ist und die volle Wahrheit offenbaren. Und sicherstellen, dass so etwas nie wieder vorkommt.”

Für manche Experten sind die roten Zahlen allerdings womöglich erst die Spitze des Eisberges:

Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB, Hannover, geht davon aus, dass der Schaden am Ende bei mehr als 30 Milliarden Euro liegen wird. “Ich glaube, in Amerika wird es für Volkswagen noch richtig teuer.” Denn für Rechtsstreitigkeiten, die in den USA üblicherweise sehr teuer werden können, hat VW noch kein Geld auf die Seite gelegt.

Die Manipulation von Abgaswerten war im September von der US-Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden. Alleine in den USA drohen Volkswagen Strafzahlungen von umgerechnet bis zu 16 Milliarden Euro. Auch in anderen Ländern ermitteln Behörden gegen das Unternehmen. Auf den niedersächsischen Konzern rollt zudem eine Prozesslawine zu: Anwälte sammeln Munition für Schadensersatzklagen, Anleger wollen erlittene Kursverluste erstattet haben.

Auf den Absatz von Fahrzeugen zwischen Juli und September hatte der Abgasskandal noch keine größeren Auswirkungen, da die Manipulation erst zum Ende des Quartals bekannt geworden war. Allerdings musste Volkswagen die Weltmarktführung wieder an Toyota abgeben. In den ersten neun Monaten lieferten die Wolfsburger weltweit 7,43 Millionen Fahrzeuge aus, 1,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Der japanische Rivale schlug im gleichen Zeitraum 7,49 Millionen Fahrzeuge los.

Auch das Kerngeschäft von Volkswagen läuft vorerst rund: Der Umsatz kletterte auf 160 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn legte auf 10,2 Milliarden Euro zu. Abzüglich der Rückstellungen brach der operative Gewinn allerdings um zwei Drittel auf 3,3 Milliarden Euro ein. “Die Zahlen zeigen einerseits die starke Substanz des Volkswagen Konzerns, andererseits treten ersten Auswirkungen der derzeitigen Situation zu Tage”, sagte Vorstandschef Müller.

Als Reaktion auf den Skandal verschärft VW seinen Sparkurs. Bei den Wolfsburgern bleibt in den nächsten Monaten kein Stein auf dem anderen. Die Marken bekommen mehr Verantwortung für Modellpolitik, Vertrieb und Produktion in den Regionen. Zudem will Müller dem Autoimperium eine neue Kultur verpassen, in der Fehlentwicklungen nicht mehr wie unter seinem Vorgänger Martin Winterkorn unter den Teppich gekehrt werden. Dies gilt mit als Ursache für den Abgasskandal.

Die Anleger hatten mit der tiefroten Bilanz gerechnet. Die in den vergangenen Wochen schwer gebeutelte VW-Aktie legte um mehr als vier Prozent zu.

su mit Reuters, dpa