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Arrivederci Expo Milano 2015: Fehlschlag oder Erfolg?

Die Expo Milano 2015 schließt ihre Tore am 31. Oktober. Sechs Monate war die Ausstellung geöffnet. Zeit, um Bilanz zu ziehen. Noch ist es allerdings

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Arrivederci Expo Milano 2015: Fehlschlag oder Erfolg?

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Die Expo Milano 2015 schließt ihre Tore am 31. Oktober. Sechs Monate war die Ausstellung geöffnet. Zeit, um Bilanz zu ziehen. Noch ist es allerdings zu früh, um genaue Zahlen zu bekommen. Jeder Pavillon sagt, sein Auftritt sei ein Erfolg gewesen. In der Tat: Die von vielen prophezeite Katastrophe blieb aus. Im Gegenteil, viele Italiener sehen das Ereignis als Erfolg an, die Besucherzahlen dürften die von den Veranstaltern angepeilten 20 Millionen übertreffen.

Meinung

Wir haben Mailand zum Eingangstor Italiens gemacht.

Das Motto der Expo lautete “Feeding the Planet, Energy for Life”, zu Deutsch: “Den Planeten ernähren, Energie für das Leben”. Es gab zahlreiche Veranstaltungen rund um dieses Thema, am Ende wurde sogar eine eigene Charta verabschiedet. Doch wird das auch Folgen in der Zukunft haben, oder verpufft das alles, wenn die Expo vorbei ist?

Für die Veranstalter haben sich damit die Befürchtungen nicht erfüllt. Dabei war das Expo-Gelände kurz vor der Eröffnung noch eine riesige Baustelle, ein Korruptionsskandal traf mehrere Manager und bei der Eröffnung kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Expo-Gegnern.

euronews-Reporterin Cecilia Cacciotto hat mit einigen Vertretern der Expo gesprochen

Piero Galli, Generaldirektor der Expo, ist stolz auf die 20 Millionen Menschen, die die Expo besucht haben. “Das war unser Ziel, und wir haben es erreicht. Wir haben die Zweifel überwunden, die es am Anfang gab. Wir freuen uns, dass wir der ganzen Welt gezeigt haben, wozu Italien fähig und in der Lage ist.”

Die Expo, ein großer Erfolg?

Die Expo konnte euronews gegenüber keine Angaben über die Umsätze machen. Die Pressestelle teilte uns mit, dass derlei Informationen im Moment noch nicht vorlägen.

Ist das möglich?

“Ja, ist es”, sagt Gianni Barbacetto, Journalist der Tageszeitung Il Fatto Quotidiano und Co-Autor des Buches “Excelsior: Il gran ballo dell’Expo.”

“Das Hauptproblem mit der Expo ist der völlige Mangel an Transparenz. Das fängt mit den Besucherzahlen an und endet mit den Angaben zu den Einnahmen. Die Expo sollte das neue Gesicht Italiens repräsentieren, das Gesicht eines dynamischen Landes. Deshalb hat die Expo auf jeder Pressekonferenz jede gute Nachricht ganz besonders betont.”

Große Investitionen

Die Expo hat ungefähr 2,6 Milliarden Euro gekostet. Diese Kosten teilen sich offiziellen Angaben nach so auf: 1,3 Milliarden kamen über öffentliche Investitionen herein, 300. Mio wurden von Sponsoren und dem Privatsektor beigesteuert, und noch mal eine Milliarde von offiziellen Partnern. Die Veranstalter schätzen, dass am Ende 10 Milliarden an Einnahmen übrigbleiben, wovon die Hälfte für den Tourismus eingesetzt werden soll.

“Wir haben Mailand zum Eingangstor Italiens gemacht”, sagt Galli.

“Das hoffe ich sehr”, so der italienische Filmemacher Marco Pozzi. “Ab September lief es besser, ich sah Touristen in Mailand, die die Expo besuchten und planten, auch in das Umland zu fahren.”

Allerdings hatte er mehr erwartet.

“Ich habe die Expo zweimal besucht. Ich hatte den Eindruck, einen großen Vergügungspark zu besuchen, eine Lebensmittel- und Wein-Messe. Ich war enttäuscht, denn ich fand wenig vom Expo-Thema wieder: “den Planeten ernähren.”

Hat die Expo eine konkrete Antwort auf dringende Fragen gegeben wie die Bereitstellung sicherer und gesunder Nahrungsmittel für alle bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt und des Planeten?

Hat die Expo den Hunger in der Welt angesprochen? 800 Millionen Menschen sind unterernährt, während gleichzeitig pro Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen Nahrungsmittel produziert, aber nicht konsumiert werden.

“Natürlich haben wir das”, sagt Galli, der Expo-Direktor. Bei der Veranstaltung sei viel über das Thema “Feeding the Planet , Energy for Life” ( Den Planeten ernähren, Energie für das Leben) gesprochen worden. An den Diskussionen hätten Wissenschaftler sowie Vertreter aus Zivilgesellschaft und Institutionen teilnegmommen. Am Ende stand die Mailänder Charta, ein Dokument gegen den Hunger, das Bürger, Einrichtungen und Verbände darauf verpflichten soll, das Recht auf Ernährung für zukünftige Generationen zu sichern.

“Das ist ledigliche eine Absichtserklärung, die Charta ist nicht verbindlich. Das heißt, wirklich viel ist nicht herausgekommen”, so der Journalist Barbacetto.

Auch Caritas Internationalis (CI), die Vereinigung der Caritas-Verbände, kritisiert die Charta. Michel Roy, der Generalsekretär von CI, sagt: “In der Charta kommt die Stimme der Armen nicht vor, wir können auch keinen Willen erkennen, ökonomische Strukturen zu ändern, die der Grund für Ungerechtigkeit und Hunger sind.”

Die Gemeinschaft Sant’Egidio hingegen denkt besser über die Expo. Die katholische Gemeinschaft spendet jährlich 500 Tonnen Lebensmittel an 20,000 bedürftige Menschen in Italien.

Roberto Zuccolini von der Gemeinschaft sagt: “Die Expo hat bei den Besucherzahlen überrascht. Viele Menschen, viele Ideen und Projekte waren da. Nun werden wir sehen, ob davon etwas in die Tat umgesetzt wird.”

Lange und lustige Warteschlangen

Jeden Tag warten viele Menschen in Warteschlangen vor dem Eingang. Und ständig gibt es darüber neue Witze im Internet.