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Francis Ford Coppola: "Ich war immer ein Outsider"

Er ist einer der größten Filmemacher aller Zeiten: Francis Ford Coppola. Wir haben den Regisseur im spanischen Oviedo getroffen. Dort wurde er mit

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Francis Ford Coppola: "Ich war immer ein Outsider"

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Er ist einer der größten Filmemacher aller Zeiten: Francis Ford Coppola. Wir haben den Regisseur im spanischen Oviedo getroffen. Dort wurde er mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis für Kunst ausgezeichnet.
“Der Pate” und “Apocalypse Now” sind nur einige seiner bekanntesten Werke.

Zum Interview in Spanien trug Coppola eine rote und eine gelbe Socke. Zufall? Filmen durfte das euronews-Team ihn allerdings nur brustaufwärts

Javier Villagarcía, euronews:
“Wie fühlt es sich an, mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden? Sind Sie stolz? Oder ein bisschen nostalgisch?”

Francis Ford Coppola:
“Es ist einschüchternd. Mein ganzes Leben lang wollte ich einfach nur dazugehören.
Als Kind sind wir häufig umgezogen, ich hatte deshalb kaum Freunde und war ein Outsider. Damals wollte ich einfach nur dazugehören.
Wenn man so gefeiert und geehrt wird wie jetzt, dann ist man in gewisser Weise wieder der Outsider.
Trotzdem bin ich sehr stolz, fühle mich geehrt und schätze es sehr.”

euronews:
“Sie haben immer wieder gesagt, Sie wollen keine kommerziellen, sondern mehr Independent Filme machen. Ist das das Ende der großen Coppola-Produktionen?”

Coppola:
“Vielleicht ja, vielleicht auch nein. Das kann nur die Zeit entscheiden. Ich wollte damit sagen, selbst als ich jünger war, haben mich experimentelle Filme interessiert. Also Filme, die ausprobieren, wie weit man im Kino gehen kann. Als ich dann die sogenannten großen Filme machte, war man noch flexibler. Heute heißen die großen Filme alle Spiderman, Batman oder sonst irgendein Man.”

euronews:
“Filme mit Superhelden…”

Coppola:
“In meinen Augen sind das einfach nur Produkte. Die wurden nicht gemacht, weil jemand sie machen wollte, sondern um Geld zu verdienen.
Niemand investiert in einen Film, um was Neues auszuprobieren, die wollen sicher sein, dass sie ihr Geld zurückkriegen.
Risiko ist was Gutes, es bringt dich weiter. Aber wenn niemand bereit ist, ein Risiko einzugehen, dann interessiert mich das nicht.”

euronews:
“Sie haben mal den Satz gesagt: “Filmstudios wollen heutzutage Filme drehen, ohne Risiken einzugehen. Aber Filme ohne Risiko sind wie keinen Sex haben, aber auf ein Baby zu warten.”

Coppola:
“Ja, das stimmt. Keine Ahnung, wann ich das gesagt habe. Es muss ein Risiko geben.
Kunst bedeutet Risiko, das war schon immer so.
Wenn du dir zu sicher bist, dass das Ergebnis toll sein wird, dann wird es das wahrscheinlich nicht.”

euronews:
“Sie haben auch gesagt, der wirkliche Preis für Sie ist, dass sich selbst 30, 40 Jahre später noch Menschen an Ihre Filme erinnern.
Das haben Sie mit den drei “Paten”-Filmen und “Apocalypse now” geschafft, das war in den 70er und 80er Jahren. Was geschah dann?”

Coppola:
“Die Filme, die man heute Klassiker nennt, wurden vor 30, 40 Jahren gedreht.
Wir werden schon noch sehen, welche Filme Klassiker werden und welche nicht.
Es hat mich schon immer interessiert, neue Gebiete zu erforschen, das macht mir Spaß.
Ich mache keine Filme, um Geld zu verdienen. Ich bin nicht auf das Geld von Filmen angewiesen.”

euronews:
“Können Sie uns ein bisschen was über Ihr nächstes Abenteuer verraten?”

Coppola:
“Zuerst spricht man darüber, und dann wird es schwierig… Es ist zwar eine Genugtuung, wenn das Publikum Sätze hört wie “Ich will dieses machen, ich will jenes machen…” Doch spricht man darüber, dann verliert der Motor an Fahrt.
Ich darf nicht viel verraten, nur so viel: Das, woran ich gerade arbeite, ist größer und ehrgeiziger als alles, was ich je gemacht habe.
Ein Film, der kommerziell aber auch experimentell war, war “Apocalypse Now”, denn das war damals ein sehr verrücktes Unternehmen.
Kein Filmstudio wollte was mit dem Vietnamkrieg zu tun haben. Ich habe das allein auf die Beine gestellt und mir Geld geborgt, ich war derjenige, der es finanziert hat.
Klar hatte ich Angst, ich bin ein Risiko mit “Apocalypse Now” eingegangen. Das macht es ja gerade so interessant.
Kein Geldgeber ist vorher über das Skript drübergegangen und hat gesagt, du musst es so oder so machen, oder: Kannst du es mehr wie “Die Kanonen von Navarone” machen?
Das ist natürlich verständlich. Würden Sie etwa Geld in einen Film stecken, von dem der Regisseur sagt: Keine Ahnung, wie ich es machen werde?”

euronews:
“Sprechen wir über “Apocalypse Now”. Denken Sie, der Film macht Konflikte verständlicher?”

Coppola:
“Der Film “Apocalypse Now” handelt in erster Linie von Moral.
So viele Menschen sagen: “Wir sind die Guten, wir sind moralisch im Recht ganz im Gegensatz zu den Terroristen, die sind die Bösen.” Allein das ist schon eine Lüge.
Wofür “Apocalypse Now” zuallererst steht, ist der Hass auf Lügen. Wenn du etwas machst, dann musst du ehrlich sein.
Terroristen sind sehr häufig nur Terroristen, weil sie keine Armeen haben. Es ist leicht für ein Land, das Armeen hat, zu sagen “wir kämpfen gegen Terroristen”. Terroristen kämpfen mit allem, was mit Mut und Händen zu fassen ist.
Wenn Sie die Welt heute verstehen und Konflikte mit normalen Menschen lösen wollen, dann hat das einen Preis. Ich meine die Millionen Flüchtlinge, die nichts verbrochen haben, dann muss man aufhören zu lügen.”

euronews:
“Zu Ihrer Karriere: Wie wichtig war Marlon Brando für Sie?”

Coppola:
“Er war ein großartiger Mensch, ganz zu schweigen von seinem schauspielerischem Können.
Ein Genie, sehr intelligent. Das Wort Genie nehme ich nicht so häufig in den Mund.
Ich habe in meinem Leben zwei oder drei kennengelernt – Marlon, weil er ganz einzigartige Gedanken und Ideen hatte. Ein sehr liebevoller Mensch.”

euronews:
“War es schwierig, mit ihm zu arbeiten?”

Coppola:
“Nein, ich habe einfach Dinge ans Set gebracht, die ihn interessieren: ein Tier, italienischen Käse, Zigarren. Dann hat er losgelegt und das gemacht, was er normalerweise auch machen würde.
Sie müssen ihm nur sagen “sei bitte wütender oder weniger wütend”. Mit ihm ging man das Schauspielen nicht genau durch, das mochte er nicht.”

euronews:
“In Ihrer Familie gibt es viele Regisseure, Ihre Tochter Sophia, Ihren Sohn Roman. Holen die sich manchmal Rat bei Ihnen?”

Coppola:
“Das machen Sie noch immer, aber nicht mehr so oft. Dafür aber die Jüngeren wie meine 28-jährige Enkelin Gian-Carla, die ständig ankommt.
Das haben die anderen auch gemacht, als sie zwischen 20 und 30 Jahren alt waren.
Jetzt sind sie um die 40 oder 50 und schüchterner oder ihrer Sache sicherer. Aber sie fragen mich immer noch von Zeit zu Zeit.
Nicht zu vergessen meine Frau, die gerade mit 79 Jahren den ersten Film ihrer Karriere gedreht hat. Sie stellt eine Menge Fragen.
Da sie alle selbstbewusster werden, brauchen sie mich nicht mehr so sehr.”