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Gewalt nach Vorwahl: Brennende Reifen und Festnahmen auf Haiti

Der Kandidat von Staatschef Martelly erhielt die meisten Stimmen bei der ersten Runde vom 25. Oktober. Vor der entscheidenden Abstimmung Ende Dezember zweifeln allerdings andere Kandidaten den Wahlsie

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Gewalt nach Vorwahl: Brennende Reifen und Festnahmen auf Haiti

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Auf der verarmten Karibikinsel Haiti kommt es nach der ersten Runde der Präsidentenwahl weiter zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der unterschiedlichen Parteien. Die Polizei nahm in der Hauptstadt Port-au-Prince mehrere Menschen fest, die Reifen in Brand gesetzt hatten. Aus der Vorwahl ging Regierungskandidat Jovenel Moïse als Sieger hervor, der in einer Stichwahl im Dezember gegen den Zweitplatzierten, den früheren Staatssekretär Jude Célestin antreten wird. Die Haitianer hatte am 25. Oktober in einem ersten Wahlgang über die Nachfolge von Präsident Michel Martelly abgestimmt. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis erhielt Moïse 32,81 Prozent der abgegebenen Stimmen. In einer Pressekonferenz rief der Bananen-Unternehmer am Freitag seine Landsleute zur Toleranz auf. “Diese Wahlen stellen einen Sieg für Haiti und die Haitianer dar”, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Haiti Press Network.

Der Zweitplatzierte Célestin kam laut Mitteilung der Wahlbehörden vom Donnerstagabend auf 25,27 Prozent. Der Kandidat der Partei von Ex-Staatschef René Préval hatte 2011 knapp den Einzug in die
Stichwahl verpasst. Auf dem dritten und vierten Platz landeten der Ex-Senator Moïse Jean-Charles und die Kandidatin des früheren Präsidenten Jean-Bertrand Aristide, Maryse Narcisse, mit 14,27 Prozent respektive 7,05 Prozent der Stimmen. Maryse Narcisse sprach von einem als Wahl verkleideten Staatsstreich. Hier können Sie die Pressekonferenz der Kandidatin sehen:

Jean-Charles rief einem Bericht des Senders Radio Metropole zufolge seine Anhänger zum Protest auf. Kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses hatten bereits mehrere Kandidaten, darunter der Zweitplatzierte Célestin, über Wahlmanipulation geklagt. Die Célestin-Partei Lapeh hatte wegen angeblichen Wahlbetrugs den Ausschluss des Martelly-Günstlings und jetzigen Erstplatzierten Moïse gefordert. Auf Twitter schrieb Célestin, die Regierungspartei habe schon bei der Vorwahl in großem Stil betrogen und manipuliert:

Auch seine Anhänger waren nicht zufrieden, obwohl er ja in die Stichwahl im Dezember kam. Sie zogen durch Port-au-Prince, blieben aber weitgehend friedlich. Am 27. Dezember soll über die Nachfolge von Präsident Michel Martelly abgestimmt werden. Die Behörden erhoffen sich kurz nach Weihnachten eine friedliche Wahl.