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Diabetes: Neue Behandlungsmethoden für mehr Lebensqualität

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Diabetes: Neue Behandlungsmethoden für mehr Lebensqualität

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Wie kann man Diabetes besser erkennen, behandeln und vorbeugen? Darum geht es in dieser Folge von Futuris. Alain Lehmann, Diabetes-Patient Typ 1: “Es

Wie kann man Diabetes besser erkennen, behandeln und vorbeugen? Darum geht es in dieser Folge von Futuris.

Meinung

Diabetes ist die einzige nicht ansteckende Krankheit, die wir als 'Epidemie' bezeichnen.

Alain Lehmann, Diabetes-Patient Typ 1:
“Es ist eine bösartige Krankheit, sie ist abartig, denn sie überrascht einen.”

Seppo Kopsala, Industrieingenieur & CEO “Optomed Oy”:
“Diabetes kostet die Gesellschaft mehr als jede andere Krankheit. Die Komplikationen der Diabetes sind sehr schlimm.”

Martin Ridderstrale, Endokrinologe am Steno Diabetes Center:
“…Schlaganfälle, Blindheit, Herzinfarkt, Impotenz, Nierenversagen, Herzversagen, Fußwunden, Amputationen…”

Michel Pinget, Endokrinologe der CHU Straßburg:
“Die Zahl der Fälle in den letzten fünf Jahren ist um das 30-fache gestiegen.”

Séverine Sigrist, wissenschaftlicher Direktor des “CeeD-European Center for the Study of Diabetes” und BIOSID Projektkoordinator:
“Diabetes ist die einzige nicht ansteckende Krankheit, die wir als ‘Epidemie’ bezeichnen.”

Diabetes kann mehr als 62 Millionen Menschen in Europa betreffen

Julián López Gómez, euronews: “Diabetes ist der größte Staatsfeind in Europa. Einigen Studien zufolge kann diese Krankheit mehr als 62 Millionen Menschen – oder 18 % der europäischen Bevölkerung – betreffen. Mit diesen Zahlen im Hinterkopf arbeiten Wissenschaftler ständig daran, neue Behandlungsmethoden – , noch genauere Früherkennungsmechanismen und Vorbeugemaßnahmen zu entwickeln.”

Eine neue, harte Trainingsstunde beginnt hier im Fitnesscenter der Dublin City University. Menschen mit einem hohen Risiko an Typ II Diabetes zu erkranken, nehmen an einer freiwilligen Studie teil. Kann Sport den Ausbruch der Krankheit verzögern oder gar verhindern?

Des Nix, einer der freiwilligen Teilnehmer:
“Eigentlich bin ich wegen meiner Herzprobleme hierher gekommen. Aber ich habe bemerkt, dass ich durch die Übungen meine Diabetes viel besser unter Kontrolle habe. Wenn ich nicht an diesem Programm teilnehmen würde, wäre ich heute ernsthaft krank. Oder sogar tot. Ich denke, dass meine Gesundheit so verkommen wäre, dass ich zusammengerollt wie eine Kugel im Bett liegen würde.”

Was tun bei erhöhtem Risiko für Diabetes?

Wissenschaftler eines europäischen Forschungsprojektes verfolgen die physiologischen Verbesserungen bei den Freiwilligen. Wissenschaftler bestätigen, dass regelmässiges Training und ein gesunder Lebensstil den Ausbruch der Krankheit bei Hochrisikopatienten verhindern kann.

Donal O’Gorman, Fitnessphysiologe an der Dublin City University führt aus:
“Patienten nehmen ab. Sie verlieren Körperfett. Wir können ihre Fitness verbessern. Ihr Blutzuckerspiegel verbessert sich. Ein erhöhter Glukosewert ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Typ II Diabetes.”

Diese Schlussfolgerung war keine Überraschung für Christian und Lone. Beide haben Typ II Diabetes und kommen oft in diese Klinik in Dänemark, um sich mit anderen Patienten auszutauschen. Ein gesunder Lebensstil, sagen sie, sei der Schlüssel, um die Krankheit zu kontollieren.

Christian Petersen hat als Jugendlicher Diabetes vom Typ II bekommen:
“Ich war 18 als ich die Diagnose Typ II Diabetes erhalten habe. Ich erinnere mich, dass sie es die “Alte-Männer-Krankheit” nannten. Aber ich fühlte mich nicht alt, sondern wie ein normaler Kerl, mit etwas mehr dran.”

Lone Lindborg, ebenfalls Diabetes-Patientin des Typs 2:
“Ich war schockiert, als sie mir die Diagnose stellten. Ich wusste nicht, was tun. Die Ärzte rieten mir, weniger zu essen. Ich ging manchmal zum Sport, manchmal auch nicht. Es war sehr schwer für mich.”

Es bleibt tatsächlich eine Herausforderung, Personen mit hohem Risiko, an Diabetes zu erkranken, zu identifizieren und ihnen Tipps zur Vorbeugung zu geben.

Wie kann man Diabetes zuverlässiger prognostizieren?

John Nolan, CEO des Steno Diabetes Center in Dänemark Steno Diabetes Center in Dänemark und DEXLIFE Projektkoordinator DEXLIFE Projektkoordinator : “Unser Projekt zielt darauf ab, tiefer in die Biologie der Typ II Diabetes vorzudringen. Wir wollen herausfinden, ob wir durch Blut- oder andere Tests schnellere Prognosen treffen können, ob eine Personen ein hohes oder geringes Risiko hat, an Diabetes zu erkranken.

Wissenschaftler hier arbeiten daran, andere Krankheitsmarker zu identifizieren.Mehr als drei Jahre harter Labor-Arbeit zahlten sich aus, so die Wissenschaftler.

Matej Oresic, Biophysiker am Steno Diabetes Center:
“Wir haben uns die Fette im Blut angesehen. Tatsächlich haben wir ein paar einzelne Moleküle identifizieren können, die den Ausbruch der Krankheit prognostizieren.”

John Nolan, CEO des Steno Diabetes Center und DEXLIFE Projektkoordinator:
“Die Medizin bewegt sich von einem allgemeinen Ansatz hin zu einem individualisierten. Meine Hoffnung ist, dass Menschen mit einem hohen Risiko, an Diabetes zu erkranken, eine auf sie zugeschnittene medizinische Analyse bekommen.”

Spezielle Kamera analysiert die Haut von potenziellen Diabetes-Patienten

Julián López Gómez, euronews: “Wie kann man Diabetes feststellen? Hier in Oulu, Finnland, haben Wissenschaftler ein System zur Früherkennung der Krankheit entwickelt…mit Hilfe von Füßen.”

Dieses Forschungslabor für Optik entwickelt eine neue Vision, Diabetes zu diagnostizieren. Die Ingenieure beobachten Augen und Haut. Rund 30 Prozent der Diabetes-Patienten entwickeln Hautprobleme, vor allem an den Füßen. Deshalb haben Wissenschafter eine besondere Kamera entwickelt, die durch Diabetes hervorgerufene Fußwunden identifiziert.

Seppo Kopsala, Industrieingenieur und CEO von Optomed Sy:
“Die Kamera hat fünf Megapixel-Sensoren. Sie ist mit unseren Bildgebungs-Algorithmen ausgestattet. Für das Projekt haben wir die optischen Eigenschaften der Kamera modifiziert.”

Die optischen Geräte kombinieren Ultraschall und Thermotechnologien, die den Ärzten Bilder liefern. So kann ein frühes Stadium der Krankheit schnell erkannt werden und man kann möglichen Komplikationen bei den Patienten vorbeugen.

Seppo Kopsala, Industrieingenieur & CEO von Optomed Sy:
“Die verschiedenen Farben heben die unterschiedlichen Hautmerkmale des Patienten hervor. Die Bilder sind keine Standard Farbbilder, sonder zeigen die verschiedenen Farbkanäle in rot, blau und grün. Damit können wir die Veränderungen und Einzelheiten genauer hervorheben.”

Schafft die biokünstliche Bauchspeicheldrüse Abhilfe?

Julián López Gómez, euronews (In Spanish): “Wie können wir bestehende Behandlungsmethoden verbessern? Hier in Straßburg, in Frankreich, arbeiten Wissenschaftler an einer Revolution in der Behandlung von Typ I Diabetes. Ihre Geheimwaffe: Die biokünstliche Bauchspeicheldrüse.”

Alain lebt mit Typ I Diabetes. Seine Bauchspeicheldrüse produziert nicht genug Insulin, das Hormon, das den Zuckerhaushalt reguliert.

Alain Lehmann, Patient Diabetes Typ I:
“Diabetes wurde während meines Militärdienstes festgestellt, ich war 24 Jahre alt. Das war vor 36 Jahren. Sie sagten, dass ich zu viel Zucker im Blut hatte. Eine Welt brach für mich zusammen.”

So wie andere Typ I Patienten, muss Alain sich täglich Insulin spritzen, um seinen Zuckerhaushalt zu regulieren. Eine effiziente Behandlung, die dennoch die Lebensqualität einschränkt.

Michel Pinget, Endokrinologe der CHU Straßburg:
“Wir versuchen, dem Patienten die Menge Insulin zu geben, die die Bauchspeicheldrüse normalerweise liefert. Die Bauchspeicheldrüse produziert während der Mahlzeiten viel Insulin, um die Glukose des Essens zu speichern. Im Gegensatz dazu produziert sie weniger Insulin zwischen den Mahlzeiten und nachts.”

Eine biokünstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln ist das Ziel von Wissenschaftlern dieses europäischen Forschungsprojekts. Ihre Idee ist es, dem Patienten eine biotechnisch synthetisierbare Membran einzupflanzen, die Insulin-produzierende Zellen enthält.

Richard Bouaoun, Biologe von Defymed (In French):
“Der Zucker signalisiert seine Präsenz an Zellen, die sich innerhalb der Membran befinden. Die Zellen innerhalb der Membran sind dann in der Lage, die notwendige Menge an Insulin zu produzieren, um den Zuckerspiegel des Bluts zu normalisieren.

Insulin-produzierende Zellen in einer Membran regulieren die Blutzuckerspiegel

Zelltherapie hat den Vorteil, dass sie selbständig funktioniert. Das System aktiviert sich, sobald der Blutzuckerspiegel steigt. Die größte Herausforderung ist es, das Überleben der in der Membran befindlichen Zellen sicherzustellen.

Elisa Maillard-Pedracini, Biologin am CeeD-European Centre for the Study of Diabetes:
“Wir müssen unbedingt Moleküle finden, die dabei helfen, den Sauerstoff-Gehalt in der biokünstlichen Pankreas zu optimieren. Das ist das Wichtigste: Den Mangel an Sauerstoff innerhalb der Membran zu beheben.”

Wissenschaftler sehen ihre Forschung als eine wirkliche Alternative zu Pankreas-Transplantationen an.

Séverine Sigrist, wissenschaftliche Leiterin am CeeD-European Centre for the Study of Diabetes und BIOSID Projekt-Koordinator:
“Selbst wenn wir die für Transplantationen benötigten Pankreas hätten, könnten wir nur 0.01 Prozent der Typ I Diabetes-Patienten behandeln. Das sind lediglich 10 Prozent aller Diabetes-Patienten, eine Minderheit. Deswegen adressieren wir das Problem mit dem Zelltherapie-Ansatz, er kann allen Patienten helfen.”

Je nach Stand der technologischen Entwicklungen und nach erfolgten klinischen Tests hoffen die Wissenschaftler, dass die biokünstliche Pankreas 2019 zur Realität wird.

Michel Pinget, Endokrinologe der CHU Straßburg:
“Wir gehen den richtigen Weg. Diese Krankheit ist nicht heilbar. Aber mit Hilfe dieses Systems können wir eine langfristige, einfache Behandlung für Patienten ermöglichen. Die Behandlung wäre sicher – und ohne Nebenwirkungen.”

Ziel: Lebensqualität erhöhen

Patienten und Menschen mit einem hohen Risiko, an Diabetes zu erkranken hoffen, dass diese wissenschaftlichen Durchbrüche in der Prävention, Diagnose und Behandlung ihre Lebensqualität weiter erhöhen wird.

Barbara Cahill, freiwillige Teilnehmerin an der Dubliner Diabetes-Studie:
“Das Training fühlt sich gut an. Rundum. Ich fühle mich besser, wenn ich den Spiegel sehe. Ich habe etwas abgenommen, auch das ist ein Vorteil. Es ist einfach gut.”

Christian Petersen, Patient Diabetes Typ II:
“Was ich richtig mag, ist, auf einen Berg zu steigen. Ich denke, mein Leben ist recht normal. Ich glaube, mein Leben hat sich verbessert, seitdem ich meine Diagnose erhalten habe. Vorher, mit 18, war ich ein fauler Junge.”

Lone Lindborg, Patientin Diabetes Typ II:
“Ich habe fast zehn Jahre gebraucht, um mit meiner Diabetes umzugehen. Heute laufe ich viel, ich trainiere viel.”

Alain Lehmann, Patient Diabetes Typ I:
“Ich laufe, ich spiele, ich mache Sport. Am Morgen oder am Nachmittag, oder abends. Die Krankheit schränkt mich nicht ein. Ich fühle keine Einschränkung.”