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Kettenraucher, Kanzler, kontroverser Kommentator: Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist tot

Schmidt starb mit 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg

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Kettenraucher, Kanzler, kontroverser Kommentator: Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist tot

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So werden die Deutschen den fünften Kanzler der Bundesrepublik in Erinnerung behalten: Zigarette rauchend. Helmut Schmidt war nicht nur Deutschlands vielleicht bekanntester Kettenraucher, sondern ein Denker und Staatsmann.

Meinung

Sich vorzustellen, dass Deutschland in der Weltpolitik eine Rolle zu spielen habe, finde ich ziemlich abwegig.

“Mich hat die Macht nicht interessiert, mich hat auch die Karriere nicht interessiert. Was mich interessiert hat, war die öffentliche Anerkennung, das ist wahr. Jemand, der nach Macht strebt, ist potentiell ein gefährlicher Mitmensch”, hatte er einmal gesagt.

Schmidt, war für die sozialdemokratische SPD in die Regierung gegangen. Seine achtjährige Amtszeit als Regierungschef fiel in eine bewegte Zeit der Geschichte des westdeutschen Staates. 1974 wurde er Kanzler und folgte seinem Parteigenossen Willy Brandt nach, der im Zuge der Affäre um seinen als Spitzel enttarnten Referenten Günter Guillaume zurücktrat.

Ost-West-Konflikt, Terroristen und Misstrauensvotum

Der Ost-West-Konflikt bestimmte seine Kanzlerschaft. Als Antwort auf die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen in Osteuropa war Schmidt Initiator des NATO-Doppelbeschlusses, der Abrüstungsverhandlungen mit der UdSSR vorsah, aber auch die Drohung einer Stationierung US-amerikanischer Marschflugkörper in Westdeutschland. Massendemonstrationen gegen die atomare Aufrüstung waren die Folge.

Schmidt bemühte sich aber auch um eine Entspannung der Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik. 1981 traf er mit dem Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, in Ostberlin zusammen. Bei dem Treffen zeichnete sich ab, dass die Bundesrepublik politische Zugeständnisse gegenüber der DDR machen könnte.

Innenpolitisch stellte der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) Schmidt vor die größte Herausforderung seiner Amtszeit. Morde und Entführungen wie die des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer im Herbst 1977 versetzten die deutsche Öffentlichkeit in Angst und Schrecken.

Als palästinensische Terroristen die Landshut, ein Flugzeug der Lufthansa, entführten, um die inhaftierte Spitze der ersten RAF-Generation freizupressen, lehnte Schmidt einen Gefangenenaustausch ab und ließ die Landshut auf dem Flughafen von Mogadischu in Somalia stürmen.

Seine Kanzlerschaft endete im Oktober 1982 unfreiwillig und vorzeitig mit einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen die sozial-liberale Koaltion. Schmidt war damit der erste und bisher einzige Kanzler Deutschlands, der durch ein solches Misstrauensvotum gestürzt wurde. Der Konservative Helmut Kohl wurde Schmidts Nachfolger.

Zweites Leben als beliebter Kommentator

Schmidt blieb eine Figur des öffentlichen Lebens. 1983 wurde er Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. Bis ins hohe Alter war er gerngesehener Gast bei Diskussionsveranstaltungen und im Fernsehen. Als scharfzüngiger Kommentator gesellschaftspolitischer Zustände und Ereignisse erfuhr er bis ins hohe Alter parteiübergreifende Anerkennung.

Schmidts Ehefrau Loki war ebenfalls eine Person des öffentlichen Lebens. 68 Jahre lang waren die beiden verheiratet, bis zu ihrem Tod 2010. Nur kurze Zeit später wurde bekannt, dass Schmidt offenbar eine Affäre hatte.

Zuletzt hatte sich Helmut Schmidts Gesundheitszustand stark verschlechtert. Schmidt starb in seinem Haus in Hamburg. Er wurde 96 Jahre alt.