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Russlands Leichtathletik nach schweren WADA-Vorwürfen vor möglichem Wettkampfausschluss

Eine Kommission der Weltantidopingagentur WADA erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland. Die Kommission empfiehlt wegen systematischem Doping in der

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Russlands Leichtathletik nach schweren WADA-Vorwürfen vor möglichem Wettkampfausschluss

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Eine Kommission der Weltantidopingagentur WADA erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland.

Meinung

Es ist schlimmer, als wir dachten.

Die Kommission empfiehlt wegen systematischem Doping in der Leichtathletik unter anderem Russlands Ausschluss von künftigen Wettkämpfen, darunter die Olympischen Spiele nächstes Jahr.

Die Entscheidung darüber läge allerdings beim Weltverband IAAF. Die IAAF hat beim russischen Verband eine Stellungnahme bis Ende der Woche angefordert und erwägt Sanktionen.

Die IAAF hat im Moment auch selbst Schwierigkeiten: Gegen den einstigen langjährigen Präsidenten Lamine Diack aus Senegal wird in Frankreich ermittelt, ebenfalls im Zusammenhang mit russischem Doping.

Die ganze Pressekonferenz der WADA-Kommission in Genf (auf Englisch)

Die WADA-Kommission wurde von dem Kanadier Richard Pound geleitet, früher selbst ab 1999 der erste WADA-Chef. Ihr gehörte auch der kanadische Forscher Richard McLaren an, dazu der Ermittler Günter Younger vom Landeskriminalamt in Bayern.

“Russland scheint ein staatlich unterstütztes Dopingsystem unterhalten zu haben”, sagte Pound. Man müsse zu der Schlussfolgerung kommen, “dass es wahrscheinlich nur geschehen konnte, weil jeder davon wusste und einverstanden war”.

Russland dagegen bestreitet die Vorwürfe. Sportminister Witali Mutko nennt Doping ein weltweites Problem, nicht nur ein russisches. Russland gehe dagegen vor und disqualifiziere zum Beispiel jedes Jahr zwei Prozent seiner Sportler, so wie auch andere Länder.

Auch gegen Mutko richten sich aber Vorwürfe: Er soll dem Bericht zufolge persönlich angeordnet haben, “bestimmte Dopingproben zu manipulieren”. Es sei unmöglich gewesen, dass Mutko von den Vorfällen keine Kenntnis hatte, sagte Pound.

Die Kommission empfiehlt auch lebenslange Sperren gegen fünf Trainer und fünf Sportler, darunter Maria Sawinowa, die 800-Meter-Olympiasiegerin von London 2012.

Schwere Vorwürfe richtet sie auch gegen das russische Dopinglabor in Moskau. So seien dort einmal gut 1400 Dopingproben vernichtet worden, direkt vor einem Besuch von WADA-Vertretern.

Außerdem seien dort Geheimdienstleute anwesend und sorgten so für ein Klima der Einschüchterung.

Laborleiter Grigori Rodschenkow hat den Vorwurf der Probenvernichtung bestätigt. Mutko allerdings gibt an, die Vernichtung sei auf Anordnung der WADA geschehen: Die Proben seien nicht mehr gebraucht worden.

Witali Mutkos Gegenvorwurf im russischen Fernsehen