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Wenn das Gehirn Klavier spielt...

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An der Internationalen Akademie für Musik und Kunst (AIMART) in Rom wird nicht nur traditioneller Musikunterricht erteilt, sondern nach neuen Formen

An der Internationalen Akademie für Musik und Kunst (AIMART) in Rom wird nicht nur traditioneller Musikunterricht erteilt, sondern nach neuen Formen der Klangerzeugung geforscht – und zwar mithilfe von Gehirnströmen. Forscher und Musikologen arbeiten an einer Technologie, die Gedanken direkt in Musik übersetzt – ganz ohne Notenblatt oder Computer.

Der Pianist Francesco Prode illustriert, wie weit die Forschung bislang vorangekommen ist. Beim Klavierspielen trägt er einen Neuronensensor, der seine Gehirnströme misst und an den Computer übermittelt. Gleichzeitig vollzieht der Pianist Bewegungen, die von einem Kinect-System erkannt werden, ganz wie bei einem Videospiel. Auf diese Weise aktiviert rPode die Wiederholung von Klangfragmenten, die der Computer während des Klavierspiels aufzeichnet.

Francesco Prode: “Wir können in Echtzeit auf das Klangmaterial , das ich live spiele, einwirken. Es wird in Echtzeit aufgezeichnet und kann von mir durch eine Handbewegung vor dem Sensor aktiviert werden. So kann ich bei jedem Schritt eine andere Polyphonie erstellen und jedes Mal ein anderes Ergebnis der Komposition erzeugen.”

Der Pianist interagiert mit der von ihm gespielten und aufgezeichneten Musik. Dabei entsteht keine bloße Klangreproduktion, sondern das Gespielte wird von einer Software der Gehirnaktivität des Pianisten entsprechend verändert.
Die Software analysiert anhand der Hirnströme Aufmerksamkeit, Bewusstseinszustand und andere Parameter. Nicht die Noten werden verändert, sondern die Geschwindigkeit, die Intonation und das Timbre des Klavierklangs, je nach Emotionslage. Auf dieser Weise entsteht ein sich kontinuierlich wandelnder Mehrklang. Schaltzentrale ist der Sensor auf dem Kopf des Pianisten.

Riccardo Santoboni: “Dieser Sensor kann jede Aktivität, die das Gehirn auf irgendeine Weise dem jeweiligen, Wachheits-, Müdigkeits- und Aufmerksamkeitszustand gemäß erzeugt, aufspüren. Anhand der Hirnaktivität lässt sich der Gemütszustand des Pianisten erkennen. Auf dem Computer sehen wir neuronale Aktivität des Pianisten Francesco Prode genau in diesem Moment, sowie die Software, die speziell geschaffen wurde, um den vom Klavier erzeugten Klang des Pianisten anhand der Emotionen zu bearbeiten.”

Die italienischen Forscher wollen noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur bereits existierende Musik mit Hilfe von Gefühlen verändern, sondern eine völlige neue zu erschaffen.
Ziel ist die Entwicklung einer Software, die bestimmte Hirnströme mit verschiedenen Instrumenten, Ausdruck und Timbre assoziiert. Auf diese Weise entsteht eine neue Melodie, nicht rein mechanisch, sondern der kreativen Schöpferkraft des Komponisten entsprechend. Er selbst bestimmt die Parameter, legt fest, welche Stimmung mit welchem Instrument assoziiert wird.

Riccardo Santoboni: “Das Ziel ist sehr ehrgeizig. In der Tat gibt es heute die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen zu denken. Dies untergräbt auf gewisse Weise die Idee, das ein Komponisten oder Künstler, auf ein mechanisches Medium angewiesen ist. Im Grunde wechseln wir von übertragenden Werkzeugen zur unmittelbaren Umsetzung des musikalischen Gedankens.”

Andere Forscher in der Welt arbeiten an der Umsetzung von Hirnströmen in Musik. Eine völlig neue Herangehensweise. Denken, fühlen, komponieren.