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"Eine Instanz": Gedenken an Helmut Schmidt

Blumen und Kerzen liegen vor dem Haus von Helmut Schmidt in Hamburg: Viele Menschen trauern um den einstigen deutschen Bundeskanzler, der gestern im

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"Eine Instanz": Gedenken an Helmut Schmidt

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Blumen und Kerzen liegen vor dem Haus von Helmut Schmidt in Hamburg: Viele Menschen trauern um den einstigen deutschen Bundeskanzler, der gestern im Alter von 96 Jahren starb. Am Hamburger Rathaus sind den Fahnen schwarze Trauerbänder hinzugefügt.

Meinung

Helmut Schmidt war eine Instanz.

Helmut Schmidt noch im April in der Fernsehsendung “Menschen bei Maischberger”

Auch die jetzige Kanzlerin erinnert an Schmidt und spricht von “tiefer Zuneigung”. Außerdem sagt Angela Merkel: “Uns imponierten seine persönliche Bescheidenheit genauso wie sein Pflichtbewusstsein. Helmut Schmidt war – auch für mich – eine Instanz; einer, dessen
Rat und Urteil mir etwas bedeuteten.”

Merkel erinnerte sich auch an die Hamburger Sturmflut von 1962: Sie, 1954 ebenfalls in Hamburg geboren, habe damals in der DDR mit ihrer Familie um die Verwandtschaft dort gebangt – das aber im Vertrauen auf Helmut Schmidt, damals Hamburger Innensenator, dass er die Lage in den Griff bekommen würde.

Bilder der Hamburger Sturmflut von 1962, mit dem damaligen Innensenator Helmut Schmidt

Kanzler war Schmidt gut acht Jahre lang, bis 1982. Das Amt habe er “eigentlich nicht sonderlich gern” ausgeübt, sagte er jedoch viel später, unter Verweis auf das schwierige Privatleben eines Kanzlers.

Die Bundestagsdebatte und Abstimmung beim Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt 1982

Er zog sich aus der Politik zurück, meldete sich aber zum Zeitgeschehen immer wieder zu Wort. Dieses Wort galt viel: Noch 2005 wurde er in einer Umfrage zum beliebtesten deutschen Politiker gekürt. Dabei ging es um die Frage, welchem Nachkriegspolitiker man zutrauen könne, die heutigen Probleme zu lösen.

Anfang der Woche warnten dann jedoch seine Ärzte, man müsse jederzeit mit allem rechnen, nach einer Operation vor zwei Monaten: Der Körper habe kaum noch Widerstandskräfte; Helmut Schmidt wolle und könne nicht mehr.

Im April hatte sich Schmidt noch über sein hohes Alter beklagt. “Ich finde das Alter von 96 ziemlich lästig, aber verhindern kann ich das nicht”, meinte er damals.

Ein Leben nach dem Tod schloss er aus: “Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.”