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Das Wexford Opernfestival: vergessene Glanzstücke der Musikgeschichte

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Das Wexford Opernfestival: vergessene Glanzstücke der Musikgeschichte

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Der ländliche Südosten Irlands glänzt mit einem international angesehenen Musikevent, dem Opernfestival in Wexford, das in diesem Jahr zum 64. Mal

Der ländliche Südosten Irlands glänzt mit einem international angesehenen Musikevent, dem Opernfestival in Wexford, das in diesem Jahr zum 64. Mal stattfand. In der Kleinstadt kommen Werke zur Aufführung, die beinahe in Vergessenheit geraten wären.

Meinung

In diesem Stoff treffen die Härte des Kriegs und die Leichtigkeit der Liebe aufeinander. Der Krieg ist ja sehr aktuell, leider. Auch für mich ein außergewöhnliches Stück.

In diesem Jahr gab die Wexford Festival Opera unter anderem “Le pré aux clercs” von Ferdinand Hérold. Zur Premiere im Jahr 1832 war sie ein großartiger Erfolg, lag dann aber im Dornröschenschlaf. Die Komposition gehört zum Genre der französischen “opéra comique”. In der Handlung wechseln gesprochene und gesungenen Textpassagen einander ab. Und darum geht’s: Frankreich im 16. Jahrhundert. Im Schatten der Bartholomäusnacht, des Massakers an französischen Protestanten, entspinnt sich die Liebe zwischen dem Baron de Mergy und der ebenfalls protestantischen Isabelle.

Nico Darmanin ist Tenor und singt die Rolle des jungen Barons: “Nach dem Massaker an seinen Glaubensbrüdern ist der Baron sehr vorsichtig, aber er ist eben auch verliebt. Er kommt mir vor wie Clint Eastwood, wissen Sie. Man sollte sich nicht mit ihm anlegen, denn er ist bereit, für seine Überzeugungen sein Leben zu lassen.”

An Darmanins Seite singt Marie-Ève Munger (Sopran): “Isabelle de Montal ist leidenschaftlich, wild… sie ist die einzige Protestantin am französischen Hof. Zu Beginn der Proben hatten wir die Idee eines Cowgirls, die davon träumt sich frei zu bewegen – in Wahrheit aber fühlt sie sich bei Hofe gefangen, nicht nur in ihrem umständlichen Kleid. Ist doch lustig: Clint Eastwood und das Cowgirl!”

Auch Dirigent Jean-Luc Tingaud kennt die Vorzüge der Hérold-Oper: “Für mich ist dieses Stück eine bemerkenswerte Wiederentdeckung. Zeitlich noch vor ‘Carmen’ und ‘Faust’ war sie ein Höhepunkt der französischen Musikgeschichte. Für uns ist die Herausforderung, die Oper durch unsere Inszenierung heutig zu machen, modern, frisch, lebendig. Hérolds Musik ist so gut, sie erinnert mich an Rossini oder Weber, und sie zeigt die Ursprünglichkeit der französischen Romantik. Der Zuschauer kann entspannen und genießen.”

Es sei eine großartige Erfahrung, so Marie-Ève Munger, die Rolle der Isabelle singen zu dürfen. Und: “In diesem Stoff treffen die Härte des Kriegs und die Leichtigkeit der Liebe aufeinander. Der Krieg ist ja sehr aktuell, leider. Auch für mich ein außergewöhnliches Stück.”

Die 65. Ausgabe des Opernfestivals in Wexford wird vom 26. Oktober bis zum 6. November 2016 stattfinden.