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G20: "Der Paragraf zum Terrorismus war viel leichter als der zum Klimawandel."

Margherita Sforza, Euronews: Über die Ergebnisse der Gipfels der G20-Staaten haben wir mit Ussal Sabjaz gesprochen. Er leitet die G20-Studien bei

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G20: "Der Paragraf zum Terrorismus war viel leichter als der zum Klimawandel."

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Margherita Sforza, Euronews:
Über die Ergebnisse der Gipfels der G20-Staaten haben wir mit Ussal Sabjaz gesprochen. Er leitet die G20-Studien bei Tevav, einem der größten Thinktanks für Wirtschaftspolitik in der Türkei. Herr Sabhaz, die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten haben die Terrorattacken von Paris verurteilt. Aber was können sie konkret tun, um den internationalen Kampf gegen den Terrorismus zu intensivieren?

Ussal Sahbaz, Director, TEPAV G20 Studies Center::
Bis jetzt hatten sich die G20 nicht auf Terrorismus konzentriert, es ist in diesem Rahmen ein neues Thema, jetzt aber ein sehr dringendes. Die G7 benutzten eine Reihe von Methoden wie die Blockade von Finanztransaktionen von Terroristen. Aber wir sehen jetzt, dass das nicht reicht. Mir müssen an die tieferen Ursachen des Terrorismus, vor allem Entwicklungsfragen. Die G20 hatten sich bislang auf Finanzfragen beschränkt.

Euronews:
Bei den jüngsten Terrorattacken geht es ganz offensichtlich auch um Syrien. Es gab zahlreiche bilaterale Gespräche am Rande des Gipfels. Ist eine diplomatische Lösung für Syrien näher gerückt?

Ussal Sahbaz:
Ich glaube, die Positionen dazu liegen immer noch weit auseinander. Aber die Terroranschläge machen Druck, und die G20 sind eine sehr gute Platform für Dialoge zwischen führenden Politikern. Wir sind sicher näher dran, aber es wird noch dauern.

Euronews:
Zum Syrien-Konflikt gehört nun auch die Flüchlings-Krise. Die Türkei kennt dieses Problem aus erster Hand, sie hat mehr als zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Wir wirken sich die syrischen Flüchtlinge auf die türkische Wirtschaft aus?

Ussal Sahbaz:
Es ist natürlich eine Belastung für die Türkei, die Kosten bislang werden auf über 4,6 Milliarden Euro geschätzt und es sind derzeit 2,2 Millionen Flüchtlinge – eine sehr große Zahl. Aber wir haben auch beobachtet, dass die Flüchtlinge wirtschaftliche Dynamik mit sich bringen. Statistisch gesehen wurde in der Türkei im vergangenen Jahr jeder 40. neue Betrieb von Syrern gegründet. Sie treiben Handel mit Syrien, er ist inzwischen wieder auf dem Niveau von vor dem Krieg. Sie tragen also zur türkischen Wirtschaft bei. Und wenn Europa eine sanftere Position einnimmt, werden sie das auch in Europa tun.

Euronews:
Sie empfehlen also, syrischen Flüchtlingen eine Arbeitserlaubnis zu geben?

Ussal Sahbaz:
Die G20-Staaten sollten den Leuten mit einem Rahmenwerk schnell und umkompliziert legale Arbeit ermöglichen. Denn so bald werden sie nicht zurückkehren. Und wir sollten sie nutzen.

Euronews:
Auch die Umwelt ist für die G20-Platform ein neues Thema, es geht um den Klimawandel. Warum im Rahmen der G20, und warum jetzt?

Ussal Sahbaz:
Weil die Umwelt auch eine finanzielles geworden Thema ist. Veränderungen bergen Risiken für Versicherungen, für Banken und für normale Gewerbe. Es fiel den G20-Staaten sehr schwer, sich bei der Abschlusserklärung auf einen gemeinsamen Paragrafen zur Umwelt zu einigen. Das zeigt, wie weit entfernt die Positionen dieser Länder voneinander sind. Und das, bei einem der grundsätzlichsten Herausforderungen auf diesem Planeten. Der Paragraf zum Terrorismus war viel leichter als der zum Klimawandel.”