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Paris - Terroristen zielten auch auf Touristen

“Die Lage ist ernst,” sagte der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach den Terroranschlägen von Paris. “Auch Deutschland steht

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Paris - Terroristen zielten auch auf Touristen

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“Die Lage ist ernst,” sagte der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach den Terroranschlägen von Paris. “Auch Deutschland steht unverändert stark im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus.”

Meinung

Die Lage ist ernst

Europas Börsen fürchten vor allem um die Tourismusindustrie. An der französischen Börse rutschten die Titel des größten europäischen Hotelbetreibers Accor und der Fluggesellschaft Air France-KLM zeitweise um 9,3 und 7,2 Prozent ab. Die Leitindizes in Frankfurt, Paris und London tendierten zeitweise deutlich im Minus.

James Bevan, kirchliche Investmentberatungsfirma CCLA, London:

“Auf kurze Sicht könnten Anleger zweifach betroffen sein. Zunächst könnten sie sich Sorgen um die allgemeine Stimmung machen, die der Konsumenten, aber auch was die Investitionspläne der Unternehmen angeht, vor allem in den Sparten Hotel und Luftverkehr zu sorgen. Auf längere Sicht könnten die Grenzen undurchlässiger werden. Letzten Endes könnte der freie Handel leiden und das wäre eine schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft.”

Paris ist nach New York die Luxus-Hauptstadt der Welt: ca. 20% des Umsatzes mit Luxus-Gütern wird in Paris gemacht. Für die Luxus-Branche ist vor Weihnachten Hauptsaison, und viele Touristen aus den USA und Asien dürften nun ausbleiben, so die Überlegung der Finanzmärkte. Paris gilt neben Miami (USA) als weltweite Hauptstadt der Luxus-Herbergen – die Branche wird auf 127 Milliarden Euro Jahresumsatz geschätzt.

Paris zählt seit einigen Jahren weltweit zu den beliebtesten Touristenzielen mit jährlich rund 15 Millionen Besuchern.

Der Tourismus in Frankreich spielt eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Rund eine Million Menschen arbeiten im Tourismussektor; dort werden sieben bis zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet.

Bei Selbstmordattentaten und Bombenexplosionen in der Pariser Innenstadt am Freitagabend sind mindestens 129 Menschen ums Leben gekommen. Die französische Luftwaffe flog in Reaktion darauf ihre bislang schwersten Angriffe auf Stellungen des Islamischen Staats (IS) in Syrien. Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich seit dem Beginn an Luftangriffen im Irak und in Syrien beteiligt. Die Extremisten-Miliz bezeichnete die Attentate als Vergeltung dafür.

Der Euro hielt sich nur knapp über der Marke von 1,07 Dollar. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, bezweifelt allerdings, dass sich die Terroranschläge nachhaltig auf die Wirtschaft in Frankreich und anderen westlichen Ländern auswirken werden.” Die Erfahrung zeigt, dass solche Terrorakte die konjunkturelle Entwicklung in den westlichen Volkswirtschaften nicht aus der Spur bringen”, erklärte der Experte. Unmittelbar nach den Anschlägen in London 2005 sei der private Konsum im Sommer genauso kräftig gestiegen wie im Schnitt der vier Vorquartale. Ähnlich sei dies auch nach dem Anschlag auf einen Bahnhof in der spanischen Hauptstadt Madrid im Jahr 2004 gewesen.

su mit Reuters