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Der Ölpreis und die Reaktion der Börsen nach dem Terror von Paris

Börsen starten nach Anschlägen mit Verlusten Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche um 8 Prozent gefallen, ein Rekord. Am Freitag betrug der Preis

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Der Ölpreis und die Reaktion der Börsen nach dem Terror von Paris

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Börsen starten nach Anschlägen mit Verlusten

Meinung

US-Dollar und japanische Yen sind derzeit sehr gefragt und wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird.

Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche um 8 Prozent gefallen, ein Rekord. Am Freitag betrug der Preis für WTI-Rohöl rund 40 US-Dollar und der Preis für Brent crude Rohöl knapp 45 US-Dollar pro Barrel. Die Talfahrt des Ölpreises hat mehrere Gründe. Die US-Lagerbestände z.B. wachsen bereits seits sieben Wochen an, was auf eine schwache Konjunktur hindeutet. Hinzukommen Zeichen für wirtschafliche Verlangsamung. In China etwa, wo das Wirtschaftswachstum unter 7 Prozent gefallen ist. Und im dritten Quartal blieb das Wachstum in Europa hinter den Erwartungen zurück. Es betrug lediglich 0,3 Prozent, 0,1 Prozent weniger als erwartet.

Die Folge: Ein Kursverfall an den Finanzmärkten weltweit. Die Wall Street verzeichnete Ende vergangener Woche die größten Verluste seit August. Die Anleger sind immer noch verunsichert, da es nicht klar ist, ob die Fed demnächst ihren Leitzins anheben wird oder nicht. Die Kurse in Europa fielen, da die Wirtschaftsergebnisse keine klaren Signale sendeten, und dann dämpften die Terroranschläge in Paris den Handel.

Im Nahen Osten schloss der ägyptische Finanzmarkt am Sonntag mit einem Verlust von mehr als 4 Prozent. Dubai verzeichnete einen Verlust von knapp 4 Prozent. Der Index in Saudi-Arabien fiel um 2,8 Prozent und erreichte einen neuen Tiefstand.

Eine Erholung war Anfang der Woche aufgrund der Terroranschläge in Paris nicht möglich. Der Kursverlauf bleibt also vorerst instabil.

Analyse: Die Wirtschaft verlangsamt sich überall, in Europa, in Asien und in den USA.”

Daleen Hassan euronews:
“Um den Ölpreis und den Kursverlauf besser zu verstehen sprechen mit mit unserem Experten Nour eldeen al Hammoury, Chefmarktstratege bei ADS securities in Abu Dhabi. Nour, wie geht es nach der Talfahrt der vergangenen Woche jetzt mit dem Ölpreis weiter?

Nour eldeen al Hammoury:
“Trotz der starken Verluste befindet sich der Ölpreis seit August immer noch im gleichen Bereich: Der Preis für ein Barrel Rohöl West Texas Intermediate hat sich zwischen 40 und 45 US-Dollar eingependelt. Es ist positiv, dass das WTI nicht unter den Preis von 40 US-Dollar gefallen ist und dass es die Woche mit einem höheren Preis abgeschlossen hat. Am ersten Handelstag dieser Woche konnten wir sogar einen Anstieg von mehr als 0,7 Prozent beobachten. Der Preis für ein Barrel WTI betrug 41 US-Dollar und das Brent Rohöl verkaufte sich für fast 45 US-Dollar pro Barrel. 40 US-Dollar für ein Barrel WTI Rohöl scheint eine Art psychologische Schwelle zu sein. Wenn der Preis unter diesen Wert fällt, würde das die Angst vor einem weiteren Preisverfall schüren.
Wir müssen hier jedoch etwas betonen: Das derzeitige Szenario ähnelt sehr stark dem, was zwischen Juni und September mit den Kursen an den Finanzmärkten weltweit passiert ist. Damals rechneten die Finanzmärkte mit einer Zinsanhebung der Fed, das schickte die Kurse auf Talfahrt, während der US-Dollar sich erholte. Die Wirtschaftsergebnisse der USA bleiben unterdessen schwach. Die Anspielungen der Fed auf eine möglich Zinsanhebung werden weiterhin die Finanzmärkte bis zum nächsten Trefffen der Fed in Dezember beeinflussen.

Daleen Hassan euronews:
“Nour, die Fed hat vorerst ihre Entscheidung zum Leitzins verschoben. Falls die Fed ihren Leitzins doch noch anhebt, könnte die Weltwirtschaft das überhaupt verkraften?”

Nour eldeen al Hammoury:
“Anfang vergangener Woche ist Japan zurück in die Rezession geschlittert. Es ist die vierte Rezession in Folge innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Das Wirtschaftswachstum in den USA beträgt seit 2009 durchschnittlich 1,5 Prozent und liegt damit unter dem von der Fed angestrebten Jahresziel von 2,5 Prozent. Und das, obwohl der Leitzins seit mehr als sieben Jahren niedrig ist. Die US-Wirtschaft scheint selbst mit niedrigen Zinsen nicht in der Lage zu sein, ihr Wachstumsziel zu erreichen. Es stellt sich also die Frage, wie sie es schaffen soll, wenn der Leitzins angehoben wird. Hinzukommt, dass es keinerlei Zeichen einer Inflation gibt und dass die Wirtschaften überall verlangsamen, sei es in Europa, Asien oder den USA.”

Daleen Hassan euronews:
“Im Nahen Osten ist vor den Terroranschlägen in Paris nicht nur der Ölpreis gesunken, auch andere Kurse gingen auf Talfahrt. Gibt es überhaupt noch sichere Häfen, die die Anleger ansteuern könnten?”

Nour eldeen al Hammoury:
“Bislang ziehen alle den US-Dollar und den japanischen Yen vor. Das konnten wir seit Beginn des Jahres beobachten.
An den Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika hat es einen Kursrutsch gegeben. Das hängt mit den schwachen Unternehmensgewinnen und dem niedrigen Ölpreis zusammen. Und die Terroranschläge in Paris drücken natürlich die Stimmung an den Finanzmärkten. Denn die Anleger fürchten, dass es weitere Einsätze in der Region geben wird. Das wirkt sich auch auf die Börsen weltweit aus. US-Dollar und japanische Yen sind derzeit sehr gefragt und wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird.”