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Nach Geiselnahme in Bamako: Deutschland könnte Militäreinsatz in Mali ausweiten

Zahl der Toten bisher noch unklar. Islamistische Gruppe bekennt sich zu dem Angriff

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Nach Geiselnahme in Bamako: Deutschland könnte Militäreinsatz in Mali ausweiten

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Die Geiselnahme in einem Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako ist beendet. Nach Angaben des malischen Sicherheitsministers befinden sich keine Geiseln mehr in der Gewalt der Angreifer.

Rund 170 Menschen sollen in dem Gebäude gewesen sein, als die Geiselnehmer am Freitagmorgen das Hotel überfielen. Das Radisson-Blu ist Anlaufpunkt für viele Ausländer, unter ihnen Diplomaten und Flugzeugbesatzungen. Es ist deshalb stark gesichert, denn immer wieder kommt es in Mali zu Angriffen radikaler islamischer Gruppen und Terroristen.

Aus der malischen Regierung heißt es, die Angreifer hätten um 7 Uhr morgens eine der Sicherheitsbarrieren durchbrochen. Sie sollen “Allahu Akbar” gerufen und dabei um sich geschossen haben. Zeugen berichten von Schüssen in dem Gebäude, während die Angreifer systematisch alle Zimmer bis zum 7. Stock durchkämmten, wo sie sich dann verschanzten.

Am Nachmittag hatten dann Spezialeinheiten das Gebäude gestürmt. An dem Einsatz waren auch französische und amerikanische Einsatzkräfte beteiligt.

Bis zu 27 tote Geiseln

Dreizehn Geiselnehmer wurden nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE getötet. Die Zahl der getöteten Geiseln ist bisher unklar. Es könnten bis zu 27 unschuldige Menschen sein, die bei dem Überfall auf das Hotel ums Leben kamen.

In dem Hotel befanden sich unter anderem US-Amerikaner, Chinesen, Inder und Belgier. Auch vier Deutsche sollen unter den Geiseln gewesen sein, sie sind nach ersten Berichten offenbar alle am Leben.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon verurteilte die Geiselnahme als grauenvollen terroristischen Angriff. 9.000 Soldaten sind in einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Mali stationiert. Vor allem französische Truppen unterstützen das Land im Kampf gegen islamische Extremisten

Bundeswehr könnte Mali-Einsatz ab 2016 verstärken

Außerdem läuft derzeit eine europäische Ausbildungsmission in Mali, bei der die einheimischen Soldaten trainiert werden. An diesem Einsatz nehmen auch deutsche und österreichische Soldaten teil. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte an, Deutschland sei bereit, sein militärisches Engagement in Mali auszuweiten. Bisher sind vor allem französische Soldaten im Kampf gegen islamistische Gruppierungen in Mali engagiert. Schon von nächstem Jahr an könnten Bundeswehrsoldaten im Rückzugsgebiet von Terroristen in der Sahara im Einsatz sein, um für Stabilität zu sorgen.

Zu dem Angriff hat sich die Islamistengruppe Al-Mourabitoune bekannt. Nach Angaben einer mauretanischen Nachrichtenagentur könnte sie gemeinsam mit dem Al-Qaida-Ableger im Islamischen Magreb für den Anschlag verantwortlich sein. Der Anführer der Gruppe, Mokhtar Belmokhtar, war im Juni für tot erklärt worden. Offenbar könnte er aber noch am Leben sein. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte im französischen Fernsehen, wahrscheinlich stehe Belmokhtar hinter dem Anschlag.

Die wahre Herkunft und Identität der Attentäter ist indes noch nicht bekannt. Es gibt Indizien für eine islamistisch motivierte Tat. So berichtete ein Malischer Polizeibeamter, dass Geiseln, die das islamische Glaubensbekenntnis aufsagen konnten, von den Geiselnehmern freigelassen wurden. Ein bekannter Sänger aus Guinea, Bambino Diabate, der ebenfalls unter den Geiseln war, sagte, die Geiselnehmer hätten untereinander Englisch gesprochen, als sie das Hotel durchsuchten.

Immer wieder führen militante Islamisten in Nord- und Westafrika Geiselnahmen und Terroranschläge durch. In Mali haben islamistische Gruppierungen zeitweise ganze Landesteile ihre ihrer Gewalt gebracht. In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage im Land aber stabilisiert.