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"Russland betreibt keine Vogel-Strauß-Politik" - Russlands EU-Botschafter Tschischow über die Aktionen seines Landes in Syrien -

Wir baten Russlands EU-Botschafter, Wladimir Tschischow, zu einem Gespräch über das von der Türkei am Dienstag abgeschossene russische Jagdflugzeug

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"Russland betreibt keine Vogel-Strauß-Politik" - Russlands EU-Botschafter Tschischow über die Aktionen seines Landes in Syrien -

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Wir baten Russlands EU-Botschafter, Wladimir Tschischow, zu einem Gespräch über das von der Türkei am Dienstag abgeschossene russische Jagdflugzeug in unser Brüsseler Studio.

euronews:
“Herr Botschafter, die Regierung in Ankara wirft Russland vor, den türkischen Luftraum verletzt und provoziert zu haben. Inwiefern will Russland für den Vorfall Verantwortung übernehmen?”

Wladimir Tschischow:
“Es geht nicht um eine Verletzung des türkischen Luftraumes, weder eine gewollte noch eine ungewollte. Angesichts der hohen Fluggeschwindigkeit dauert es nur Sekunden, dass eine Maschine in den benachbarten Luftraum eindringt oder diesen wieder verlässt. Die Zeit ist auf jeden Fall viel kürzer als jene, die ein türkisches Kampfflugzeug benötigt, um bemannt zu werden, aufzusteigen und ein russisches Flugzeug vom Himmel zu holen. Es ist klar, dass der Vorfall programmiert gewesen ist.”

euronews:
“Muss sich die Türkei nun auf eine Erwiderung Russlands oder Vergeltungsmaßnahmen gefasst machen?”

Wladimir Tschischow:
“Was die militärische Seite des Vorfalls anbelangt, werden wir der Türkei freilich nicht den Krieg erklären. Doch die Aktionen der russischen Luftwaffe in Syrien werden künftig besser geschützt sein.”

euronews:
“Hat Russland seine Bürger bereits vor Reisen in die Türkei gewarnt?”

Wladimir Tschischow:
“Die Warnung entspricht zuallererst den Bedenken der russischen Bürger. Selbstverständlich wird sich der Vorfall, die Provokation durch die Türkei, negativ auf die bilateralen Beziehungen auswirken.”

euronews:
“Seit dem Beginn der Militäraktion vor mehr als einem Monat hat Russland in Syrien den Verlust von Menschenleben zu beklagen. Bedauert Russland den Erstschlag?”

Wladimir Tschischow:
“Nun, es geht um einen Krieg. Unglücklicherweise kommen dabei Menschen, insbesondere Angehörige des Militärs ums Leben. Das ist freilich tragisch. Wir haben einen Piloten, ein Mitglied der zweiköpfigen Besatzung des Su-24-Jagdbombers verloren und einen Soldaten der Marine.”

euronews:
“Bei dem Bombenangriff auf ein russisches Passagierflugzeug kamen auf der Sinai-Halbinsel alle Insassen ums Leben. Wäre es nicht besser, würde Russland Syrien meiden?”

Wladimir Tschischow:
“Das wäre, wie man in Russland zu sagen pflegt, Vogel-Strauß-Politik gewesen. Das hätte bedeutet, den Kopf in den Sand zu stecken und zu glauben, dass man keinen Schaden erleidet. Die Geißel des internationalen Terrorismus verschont niemanden und mehr als 2000 russische Bürger kämpfen in Syrien auf der Seite des Islamischen Staates oder anderer Terrororganisationen. Das Letzte, das wir wünschen, ist eine Rückkehr dieser Leute nach Russland. Was wir dort tun, ist ein Versuch, die Ausbreitung des Islamischen Staates in Richtung Russland, seiner Verbündeten und Nachbarn zu verhindern.”