Eilmeldung

Eilmeldung

Tunesien: Von Terrorakten gebeutelt

“Nach Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten und dem Parlamentspräsidenten verhänge ich für 30 Tage den Ausnahmezustand”, erklärte Tunesiens

Sie lesen gerade:

Tunesien: Von Terrorakten gebeutelt

Schriftgrösse Aa Aa

“Nach Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten und dem Parlamentspräsidenten verhänge ich für 30 Tage den Ausnahmezustand”, erklärte Tunesiens Staatspräsident Béji Caïd Essebsi am Abend nach dem Anschlag. Im Großraum Tunis gilt zudem bis auf weiteres zwischen neun Uhr abends und fünf Uhr morgens eine Ausgangssperre.

Nach den Anschlägen von Paris hatte Essebsi seinem französischen Amtskollegen Francois Hollande in Paris kondoliert. Der wiederum hatte den Tunesiern nach dem Überfall auf das Nationalmuseum im März bei einem Trauermarsch in der tunesischen Hauptstadt seine Solidarität ausgedrückt.

24 Menschen waren getötet worden, als Terroristen vor dem Museum in Bardo, einem Stadtteil von Tunis, das Feuer eröffneten. Die Miliz Islamischer Staat hatte anschließend die Verantwortung für die Tat übernommen.

Auch im Juni wurden Touristen ins Visier genommen: Ein Attentäter richtete in der Nähe von Sousse am Strand ein Blutbad an und erschoss mehr als 30 Menschen. Kurz danach tauchte abermals ein Bekennerschreiben des IS auf.

Im Anschluss an beide Anschläge hatte Tunesien dem Terrorismus den Kampf angesagt und Maßnahmen verkündet, um weitere Taten zu verhindern. Am Dienstagabend wiederholte Präsident Essebsi, er sei überzeugt, dass sein Land den Kampf gewinnen werde.

Mehr als 3.000 vor allem junge Tunesier sind offiziellen Angaben zufolge in den Krieg in Syrien und dem Irak gezogen: Manche, weil sie sich von der Propaganda der Dschihadisten angesprochen fühlten, manche, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen, die in Tunesien bei 15 Prozent liegt. Und dabei galt das Land einst als Muster des Übergangs vom “Arabischen Frühling” zu demokratischen Strukturen.

Um Terroristen fernzuhalten, plant Tunesien mittlerweile den Bau einer Mauer an der Grenze zu Libyen. Im Nachbarland herrscht Bürgerkrieg, den extremistische Gruppen, die zum Teil der IS-Miliz nahestehen, nutzen, um ihren Einfluss auszuweiten. Im Inneren hatten die Behörden unter anderem mit Verhaftungswellen in Islamistenkreisen auf die Anschläge reagiert. Erst im Oktober war der Ausnahmezustand aufgehoben worden, den Staatspräsident Essebsi nach dem Strand-Massaker verhängt hatte.