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Fluggastdatenspeicherung - Worum geht es?

“Nach den Anschlägen in Paris stellt sich in Europa wieder die Frage der Fluggastdatenspeicherung, kurz PNR. Worum handelt es sich da genau und

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Fluggastdatenspeicherung - Worum geht es?

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“Nach den Anschlägen in Paris stellt sich in Europa wieder die Frage der Fluggastdatenspeicherung, kurz PNR. Worum handelt es sich da genau und könnte es beim Anti-Terror-Kampf in Europa nützlich sein?” Diese Frage hat uns Muriel geschickt.

Meinung

Die Fluggastdatenspeicherung wäre für die Geheimdienste sicherlich nützlich. Aber sie würde auch keine Wunder vollbringen.

Jenny Raflik-Grenouilleau, Geschichtswissenschaftlerin und Dozentin an der Universität von Cergy-Pontoise, erklärt:

PNR steht für Fluggastdatenspeicherung. Es handelt sich also um eine Datei mit den Namen der Flugreisenden. Dieses Thema kommt seit Jahren in Europa immer wieder auf den Tisch.
Vor allem das Europäische Parlament ist gegen die Einführung der PNR. Die liberalen, die grünen und die linksradikalen Abgeordneten berufen sich auf den Schutz der persönlichen Daten und der Freiheit.
Worum geht es eigentlich? Es geht um Datensammlung. Alle Passagiere eines Flugs nach oder von einem EU-Land würden auf Listen landen, die man dann mit anderen Dateien in den Bereichen Terrorismus oder Kriminalität abgleichen könnte.
In der PNR wären die Namen und Adressen der Passagiere, ihre Kontodaten, sowie persönliche Informationen wie z.B. welches Menu sie während des Flugs bestellt haben.
Solche Dateien gibt es bereits. Innerhalb der EU hat rund die Hälfte der Länder solche Dateien. Es sind PNRs auf Landesebene.
Das Problem heute ist, dass diese Dateien nicht miteinander vernetzt sind.
Die Europäer müssten ihre Informationen mit anderen Ländern der Welt austauschen, insbesondere mit den USA. Es erscheint jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Europäer bereit wären, soweit zu gehen.
Es stellt sich auch die Frage inwieweit diese Daten wirklich relevant sind: Die Wahl des Menus z.B. Hinzukommt, dass ein Terrorist bei Namen und Adresse angeben kann was er will. Wenn er falsche Papiere hat ist es unmöglich ihn aufzuspüren.
Sind wir bereit die biometrischen Daten zu kontrollieren, um unsere Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken? Auch das ist eher zweifelhaft.
In der Debatte geht es auch um die Speicherung der Daten für fünf Jahre. Das ist derzeit vorgesehen. Die Kritiker des Projekts finden das zu lange. Wenn man es beim Kampf gegen den Terrorismus jedoch mit Schläferzellen zu tun hat, die Jahre brauchen bevor sie zur Tat schreiten, könnte man auch sagen, dass es zu kurz ist.
Die Fluggastdatenspeicherung wäre für die Geheimdienste sicherlich nützlich. Aber sie würde auch keine Wunder vollbringen.”

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