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"Am Ende muss eine Vereinbarung vorliegen" - Der Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, über die Weltklimakonferenz

In Paris hat die Klimakonferenz begonnen. Die Verhandlungsparteien bemühen sich um eine Vereinbarung zur Reduzierung der Treibhausgase, die zugleich

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"Am Ende muss eine Vereinbarung vorliegen" - Der Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, über die Weltklimakonferenz

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In Paris hat die Klimakonferenz begonnen. Die Verhandlungsparteien bemühen sich um eine Vereinbarung zur Reduzierung der Treibhausgase, die zugleich Hilfen für die Entwicklungsländer vorsieht, die vom Klimawandel betroffen sind. Über die Rolle der Weltbank bei den Verhandlungen sprachen wir mit ihrem Präsidenten Jim Yong Kim.

euronews:
“Herr Kim, herzlich willkommen.”

Jim Yong Kim:
“Danke für die Einladung.”

euronews:
“Was erwarten Sie von der Konferenz?”

Jim Yong Kim:
“Die Erwartungen sind sehr hoch, möglicherweise ist dieses die wichtigste Konferenz zum Thema Klimawandel. Wir müssen dieses Treffen mit hohen Zielen verbinden. Vor einigen Jahren hätte niemand gedacht, dass 180 Staaten konkrete Vorschläge einreichen würden. Diese Vorschläge werden ‘Intended Nationally Determined Contributions’ genannt, es handelt sich also um nationale Absichtserklärungen. Rund 130 dieser Vorschläge stammen von Entwicklungsländern. Der Ehrgeiz ist wirklich eindrucksvoll.”

euronews:
“Was würden Sie als Erfolg bezeichnen?”

Jim Yong Kim:
“Ich denke, dass wir sehr ehrgeizig sein müssen. Wir müssen der Welt zeigen, dass wir uns nicht nur vornehmen, diese 180 Vorschläge umzusetzen, sondern dass wir sie in fünf Jahren prüfen werden, um in den darauffolgenden fünf Jahren noch höhere Ziele zu setzen. Ich glaube nicht, dass wir eine verbindliche Vereinbarung zu allen Zielen erreichen werden, doch ich denke, dass einiges darin verbindlich sein wird. Auf dieser Grundlage werden wir aufbauen können.”

euronews:
“Was würden Sie als ein Scheitern der Konferenz bezeichnen?”

Jim Yong Kim:
“Am wichtigsten ist, dass die Staatschefs während der ersten Tage den Unterhändlern klar sagen, dass am Ende eine Vereinbarung vorliegen muss.”

euronews:
“Welche Rolle kann die Weltbank bei dieser Konferenz spielen?”

Jim Yong Kim:
“Unsere Aufgabe besteht in der Finanzierung. Bei unserem Jahrestreffen im Oktober in Lima haben wir entschieden, dass dafür insgesamt 29 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden sollen. Das ist ein guter Anfang. Nicht jeder Cent davon wird zu den 2010 beschlossenen 100 Milliarden Dollar des Grünen Klimafonds gerechnet werden können, doch es gilt für einen großen Teil der Summe. Zugleich haben wir deutlich gemacht, dass wir an neuen Finanzierungsmöglichkeiten Interesse haben. Im Grunde genommen sind wir eine Bank, wir haben Bilanzen, wir können auf dem Finanzmarkt Geld aufnehmen. Wir sind bereit, innovative Wege zu finden, um die Bedürfnisse der ärmsten Länder zu finanzieren, die erneuerbare Energie benötigen. Wir engagieren uns nicht nur im Rahmen der nationalen Absichtserklärungen, sondern arbeiten eng mit den Staaten zusammen. Wir können daher mit der Umsetzung sofort beginnen.”

euronews:
“Die Weltbank hat auch betont, dass der Kampf gegen den Klimawandel zugleich ein Mittel gegen Ungleichheit ist…”

Jim Yong Kim:
“Absolut. Wir sind davon überzeugt, dass der Kampf gegen den Klimawandel mit unseren beiden Zielen eng verbunden ist: Das eine ist die Beseitigung der schlimmsten Armut und das andere ist, die Ungleichheit zu verringern, indem wir uns auf das Einkommen der unteren 40 Prozent in den Entwicklungsländern konzentrieren. Ohne den Kampf gegen den Klimawandel kann man diese Ziele nicht erreichen. Kürzlich haben wir einen Bericht veröffentlicht, in dem darauf hingewiesen wird, dass wir hart gegen den Klimawandel kämpfen müssen, dass wir den Klimawandel entschärfen müssen und Anpassungsstrategien brauchen. Andernfalls werden wir 2030 weitere 100 Millionen Arme haben. Unser Ziel ist, die schlimmste Armut bis 2030 zu beseitigen. Wir können es nicht erreichen, wenn wir nicht hart gegen den Klimawandel kämpfen.”

euronews:
“Was kann getan werden, um sowohl gegen den Klimawandel zu kämpfen als auch die Ungleichheit zu verringern?”

Jim Yong Kim:
“Afrika beispielsweise verliert fruchtbaren Boden, er wird zerstört, eine Verwüstung findet statt. Wir unterstützen Projekte wie es die Grünen Wände sind. Um fruchtbaren Boden zu schützen, werden grüne Wände errichtet. Desgleichen müssen wir uns besser vor extremen Wetterunbilden schützen. Frühwarnsysteme können im Fall von extremen Wetterunbilden sehr hilfreich sein. Schließlich brauchen wir mehr Daten, wir müssen verstehen, in welcher Art und Weise wir uns dem Klimawandel anpassen können. Dabei geht es um eine Landwirtschaft, die dem Klimawandel Rechnung trägt, es geht um Straßen, die einer Überflutung standhalten, es geht um saubere Städte. Diese Dinge müssen wir besser verstehen, wir müssen verstehen, an welchem Punkt wir uns heute befinden. Wir müssen unsere Kenntnisse einsetzen, um Afrika dabei zu helfen, den nächsten Schritt zu tun.”