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Kompakte Biogasanlage für den privaten Verbrauch

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Kompakte Biogasanlage für den privaten Verbrauch

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Das Dorf al-Awja liegt im Westjordanland etwa zehn Kilometer nördlich von Jericho, drum herum nichts als Wüste. Einen Anschluss an das Stromnetz gibt

Das Dorf al-Awja liegt im Westjordanland etwa zehn Kilometer nördlich von Jericho, drum herum nichts als Wüste. Einen Anschluss an das Stromnetz gibt es nicht, Sonnenkollektoren liefern den nötigen Saft. Auch das Gas für die Küche ist hausgemacht, dank einer Biogasanlage im Miniaturformat.

Abfälle und Ausscheidungen der Tiere werden in Küchengas verwandelt. Das reicht aus, um etwa zwei Stunden am Tag den Gasherd zu betreiben. Vor der Biogasanlage kochten die Dorfbewohner mit Holzöfen.

“In dem Eimer habe ich sich Tierkot gesammelt und füge Wasser hinzu”, erklärt eine Dorfbewohnerin. “Das muss man gut vermischen und dann in die Maschine kippen. Dann wartet man eine Weile, bis es ganz nach unten durchläuft.
Vorher war alles verraucht. Es roch schlecht und konnte sogar gefährlich sein, wenn es regnete und wir drinnen das Feuer anmachten. Vor allem war das sehr zeitaufwendig. Jetzt haben wir sofort eine Flamme, ein kleiner Funke reicht aus.”

Rund vierzig der von einer israelischen Sturt-up-Firma konzipierten Anlagen werden derzeit in al-Awja im Rahmen eines von der EU mitfinanzierten Projekts getestet. Amer Rabaya, ein palästinensischer Ingenieur, hilft bei der Installation. “Die Grundidee ist simpel. Wenn die Ausscheidungen in das System eingeführt werden, funktioniert das ähnlich wie ein Magen, genauso wie beim Menschen. Im Magen gibt es Bakterien, die die Abfälle zersetzen. Dabei entsteht Gas, das direkt ins Haus geleitet wird.”

Die Idee, aus Abfällen Gas herzustellen, ist nicht neu. Interessant an dieser Version sind die handliche Größe und der einfache Aufbau. In wenigen Handgriffen steht die Kiste und ist nicht größer als ein Möbelstück.

Ron Yariv, Verkaufsdirektor bei HomeBiogas: “Wir haben einen Weg gefunden, um Biogastechnologie in jeden Haushalt zu holen. Wir wissen heute, dass Abfall eine Energiequelle ist. Das sorgt für völlig neue Spielregeln. Wenn wir Müll als etwas Gewinnbringendes betrachten, nicht nur als Last, ist das eine völlig neue Perspektive.”

Auch in Israel wird die kompakte Biogasanlage derzeit von rund einhundert Testhaushalten ausprobiert. Etwa von Karine und Omer, einem jungen Paar, das sich hundert Prozent vegan ernährt und sein eigenes Gemüse anbaut. Karine gewährt einen Blick in den Kochtopf. “Das ist ein Gericht aus Karoffeln, Möhren und Mangold. Und natürlich mit Körnern, wie fast alle unsere Gerichte.”

Weil Karine und Omer sich ausschließlich von Obst und Gemüse ernähren, produzieren sie mehrere Eimer Bioabfälle täglich. Das ideale Ausgangsmaterial für die heimische Biogasanlage. Besonders interessiert für die beiden Gärtner ist ein weiteres Produkt, das dabei entsteht: Pflanzendünger. Omer zeigt uns den kostbaren Saft. “Hier fließen die Überreste der Gasherstellung ab. Die benutzen wir, um Pflanzen und Bäume zu düngen.”

So entsteht eine Art Kreislauf, wenn das gedüngte Gemüse geerntet und erneut zu Gas und Pflanzendünger verarbeitet wird. “In der Tat ein wichtiger Kreislauf”, meint Omer, “der einem viele lästige Aufgaben abnimmt. Wie zum Beispiel die Mülltonne rauszustellen. Ebenso braucht man nicht mehr ins Geschäft, um Dünger zu kaufen und nach Hause zu transportieren. Alles ist bereits vor Ort vorhanden. Das ist sehr befriedigend, man hat das Gefühl, zu einer besseren Welt beizutragen.”

Als nächstes wollen die Entwickler das private Biogaskraftwerk auf den Markt bringen. Auf einer Crowdfunding-Plattform im Internet läuft die Finanzierungskampagne für die ersten Exemplare.