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Städte stehen im Kampf gegen den Klimawandel ganz vorn

Neben Staats- und Regierungschefs kommen beim Klimagipfel in Paris auch eine Reihe Kommunalpolitiker zusammen. Bürgermeister aus aller Welt treffen

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Städte stehen im Kampf gegen den Klimawandel ganz vorn

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Neben Staats- und Regierungschefs kommen beim Klimagipfel in Paris auch eine Reihe Kommunalpolitiker zusammen. Bürgermeister aus aller Welt treffen sich im Rathaus, um darüber zu sprechen, was sie auf lokaler, kommunaler Ebene gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung tun können. Ein wichtiges Treffen, denn den Städten kommt eine Schlüsselrolle zu.

Immerhin sind sie für gut 70 Prozent des weltweiten CO2-Austoßes verantwortlich. Der Klimagipfel sieht vor, dass die Städte den jährlich Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 3,7 Gigatonnen reduzieren, ab 2050 sollen dann nur noch erneuerbare Energiequellen genutzt werden.

Beim Kampf gegen die Verschmutzung in Städten geht es zunächst einmal darum, saubere Transportmöglichkeiten zu finden. Der Verkehr ist für den Großteil der Luftverschmutzung verantwortlich. Nach und nach sollen umweltschädliche Fahrzeuge aus Städten verbannt und durch grüne Transportmöglichkeiten ersetzt werden. Ein hohes Ziel, das die Gipfelteilnehmer aber erreichen wollen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 90 Prozent aller Menschen in einer Gegend mit schlechter Luft leben. Nicht zuletzt in vielen Städten Asiens ist genau das der Fall. Sie stehen was die Luftverschmutzung angeht an der Spitze. In Peking etwa ist Smog teilweise an der Tagesordnung. Immerhin sind in den vergangenen Jahren in Chinas Hauptstadt zahlreiche Initiativen entstanden, die genau dieses Problem angehen wollen.

Es gibt viele Maßnahmen, mit denen Städte versuchen, etwas gegen die Umweltverschmutzung und den Klimawandel zu unternehmen. Die einen nehmen das Problem ernster, andere gehen etwas nachlässiger damit um. Im kanadischen Montréal etwa setzt man unter anderem auf nachwachsende Rohstoffe.

Interview mit Montréals Bürgermeister Denis Coderre

Christophe Garach, euronews

Bei uns ist Denis Coderre, Bürgermeister von Montréal und seit 2013 auch Präsident der Metropolregion Montréal. Sie waren am Montag in Paris, also an dem Tag, an dem Frankreichs Außenminister Laurent Fabius als Präsident des Klimagipfels seine Wünsche vorgestellt hat. Er will einen dynamischen, differenzierten, gerechten und rechtlich verbindlichen Weltklimavertrag. Halten Sie das für möglich bei 150 Unterhändlern am Tisch?

Denis Coderre
Ja, das halte ich für möglich, denn wie Ban Ki-moon sagte, es gibt keinen Plan B für den Planeten. Ich denke, das ist unumgänglich. Wir müssen jetzt realistisch sein, wir müssen uns klarmachen, dass wir das umsetzen können. Und die Lösung dafür findet sich, meiner Ansicht nach, in den Städten. Es gibt diesen Spruch: Global denken, lokal handeln. Und wenn wir wollen, dass dieser Vertrag lange funktioniert, dann muss er von den Städten angenommen und umgesetzt werden.

euronews
Sie sind Kommunalpolitiker, Sie fordern Ihre international agierenden Kollegen auf, zu handeln, denn auf internationaler Ebene kann man mehr ausrichten.

Denis Coderre
Neben Anne Hildago aus Paris und Michael Bloomberg, dem ehemaligen Bürgermeister New Yorks, der jetzt die rechte Hand Ban Ki-moons in Städtefragen ist, treffen sich Hunderte Bürgermeister an diesem Donnerstag, und ihre Agenda ist sehr präzise, sehr klar. Es geht darum, dass man beim Transport, bei der Kontrolle von Treibhausgasen, Lösungen finden kann durch Kreislaufwirtschaft, etwa was den Umgang mit Abwasser angeht. Wir brauchen eine pragmatische Agenda, die umgesetzt wird. Im Grunde haben es alle Städte mit den gleichen Problemen zu tun. Klar, die Realitäten sind unterschiedlich, aber die Frage der Wasserversorgung, die Frage nach dem Umgang mit Abfall, die Elektrifizierung und so weiter, das ist gleich. Ich denke, das sind die Werkzeuge die uns helfen können, diesen Plan umzusetzen.

euronews
Was können Sie kurz- und mittelfristig in Ihrer Stadt tun, um gegen die Klimaerwärmung vorzugehen?

Denis Coderre
Zunächst einmal: 43 Prozent der Treibhausgase stammen aus dem Transportbereich. In Montreál und Québec kommen 99 Prozent des Stroms aus Wasserkraft oder erneuerbaren Quellen. Das heißt also Elektrifizierung des Transports, mehr Investitionen in Infrastruktur, mehr Arbeit im Bereich Kreislaufwirtschaft. Wir setzen zum Beispiel zur Dekontaminierung auf Phytosanierung. Dabei handelt es sich um eine Form der Dekontaminierung durch Pflanzen. Diese Pflanzen werden danach weiterverwertet als Biokraftstoffe. Das wird sich ganz klar auf die Frage der Treibhausgase auswirken und natürlich auch auf die Wasserwirtschaft.

euronews
Haben Sie das alles durchgerechnet?

Denis Coderre
Es geht um mehrere Millionen Dollar, vielleicht im zweistelligen oder dreistelligen Bereich. Aber es ist eine gute Investition, und unterm Strich ist das Geld, das man durch die Wasserkraft, den elektrischen oder mit Hybridmotoren betriebenen Transport spart, eine Investition, die nicht nur Arbeitsplätze schafft, sondern die auch die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst, die soziale Entwicklung, und die ganz sicher der Erwärmung des Planeten entgegenwirkt.

euronews
Kanada wird abgemahnt: Das Land ist der fünftgrößte Erdölproduzent der Welt, und es ist mit Zielen zum Klimagipfel gekommen, die laut NGOs und dem Weltklimarat nicht sehr ambitioniert sind. Kann die neue Regierung Trudeau die Lage dauerhaft ändern?

Denis Coderre
Ich denke schon. Natürlich können wir von einer frisch gewählten Regierung nicht erwarten, dass sie innerhalb weniger Tage oder Wochen eine neue Agenda parat hat. Aber der neue Regierungschef Trudau hat Milliarden an Dollar in die Frage des Klimawandels investiert. Immerhin ist es nun so, dass auch die Regierungen der Provinzen gemeinsam mit den Städten und der kanadischen Regierung mit einer einzigen Stimme sprechen. Die fossilen Energieträger gibt es immer noch. Das ist aber eine Energiequelle, für die wir Alternativen finden müssen. Wir müssen einfach sicherstellen, dass wir zum Beispiel beim Verkehr etwas bewegen und umwandeln können, dafür brauchen wir Übergangsphasen. Und wir sind bereit, wir tun das schon etwas.

euronews
Die Lage hat sich geändert?

Denis Coderre
Die Lage hat sich geändert, und ich denke, die Einstellung hat sich geändert. Kanada ist zurück, und ich denke, dass Sie bereits jetzt spüren, dass es einen Regierungswechsel in Ottawa gegeben hat.