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OPEC setzt keine Ziel-Fördermenge, Ölpreis fällt - Kartell am Ende?

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) lässt trotz des derzeit äußerst niedrigen Ölpreises ihre Fördermenge weitgehend unverändert –

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OPEC setzt keine Ziel-Fördermenge, Ölpreis fällt - Kartell am Ende?

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Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC)

Meinung

"Wir können derzeit keine Zahlen festlegen"

lässt trotz des derzeit äußerst niedrigen Ölpreises ihre
Fördermenge weitgehend unverändert – Beschluss der OPEC-Konferenz in Wien. Heißt de facto: Trotz des Preisverfalls hebt die OPEC die Förderquoten an. Öl bleibt also auf lange Sicht billig – zum Vorteil von Industrie und Verbrauchern. Produzenten haben das Nachsehen – und die Umwelt.

OPEC-Generalsekretär Abdullah al-Badri

“Wir können derzeit keine Zahlen festlegen – wir wollen mehr mit Nicht-OPEC-Mitgliedern verhandeln mit dem Ziel einer gemeinsamen Anstrengung, zu der wir alle auf dem Markt beitragen sollten.”

Der Ölpreis drehte als Reaktion ins Minus. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,9 Prozent auf 43,04 Dollar je Barrel. Zuvor hatte sie wegen der Hoffnung auf eine Verringerung des weltweiten Überangebots zwei Prozent im Plus gelegen.

Die OPEC hatte sich bei vergangenen Treffen 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag als Förderziel gesetzt. Jüngst hatte sie jedoch um die 32 Millionen Fass pro Tag gefördert und damit zu einem erheblichen Überangebot auf dem Weltmarkt beigetragen.

Daleen Hassan, euronews, Wien:

“Die unveränderte Fördermenge der OPEC ist der Beginn einer neuen Ära der Spekulation, wie weit der Ölpreis noch sinken könnte, besonders vor dem Hintergrund der verlangsamten Weltwirtschaft. Auf die OPEC-Länder, die von den Öleinnahmen stark abhängig sind, könnte bei einem weiteren Rückgang der Ölpreiseeine eine harte Belastungsprobe zukommen, sagen Analysten.

Im Moment verbraucht die Welt täglich bis zu 2 Millionen Barrel pro Tag weniger als gefördert werden. Der Ölpreis hat sich seit Juni 2014 mehr als halbiert. Hintergrund ist ein Überangebot, mit dem vor allem Saudi-Arabien den Schiefergas-Boom in den USA ausbremsen möchte. Kommt dazu, dass der Iran nach dem Ende der Sanktionen wiederholt angekündigt hat, seine Produktion um mindestens 1 Million Barrel pro Tag (bpd) zu steigern.

Industrieländer wie Deutschland können Öl damit so billig wie selten importieren. Das Überangebot kommt der Industrie zugute, sie kann wegen der geringeren Kosten günstiger produzieren – etwa in der Chemie, wo Öl ein zentraler Grundstoff ist.

Für alle Ölproduzenten und -exporteure ist der niedrige Preis hingegen sehr schmerzhaft. Bei Preisen zwischen 40 und 45 US-Dollar ist die Förderung wenig profitabel. Allerdings können einige Förderländer – etwa Saudi-Arabien und andere Golfstaaten – das Preistief besser und länger verkraften. Staaten wie Venezuela, deren Haushalte stark von den Öleinnahmen abhängig sind, haben große Probleme. Auch für die US-Schieferölindustrie wird die Förderung eigenen Öls und Gases mithilfe der umstrittenen Fracking-Methode bei niedrigen Preisen zusehends unrentabel.

su mit dpa