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Europäischer Filmpreis für "Ewige Jugend"


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Europäischer Filmpreis für "Ewige Jugend"

Hochkarätige europäische Filmstars wie Christoph Waltz, Michael Caine und Charlotte Rampling gehörten zu den besonders begehrten Gästen der diesjährigen Verleihung des 28. Europäischen Filmpreises. Auf dem Roten Teppich Glanz, Glamour, aber auch besorgte Töne angesichts der aktuellen politischen Lage. Dazu Wim Wenders, Präsident der Europäischen Filmakademie: “Ich glaube, Europa ist wirklich in einer gewaltigen Zerreißprobe und zeigt uns eigentlich in der Politik nur ständig, was uns auseinander bringt. Und das europäische Kino wirklich mit als Aufgabe zeigt uns, was uns verbindet.”

Der britische Filmstar Michael Caine wurde gleich zweimal ausgezeichnet, mit dem Sonderpreis für sein Gesamtwerk und als bester Schauspieler in Paolo Sorrentinos Tragikomödie Ewige Jugend

Michael Caine: “Man sollte nie versuchen, komisch zu wirken, sondern so realistisch wie möglich. Wie eine echte Person, die etwas Komisches macht, nicht wie ein Schauspieler, der so tut als ob.”

Sein Regisseur, der Italiener Paolo Sorrentino, erhielt die Trophäe für den besten europäischen Film und wurde als bester Regisseur geehrt. Sorrentino wurde bereits 2013 für “La Grande Bellezza – Die große Schönheit” mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.

In “Ewige Jugend” spielen Michael Caine und Harvey Keitel zwei alte Freunde, die sich bei einem Wellnessaufenthalt in den Schweizer Alpen den großen Fragen des Lebens stellen.

Mit so viel Trophäen könnten Sorrentino und Caine eigentlich Gewichte heben.

Wolfgang Spindler, euronews: “Filme machen ist letztlich Teamarbeit!”

Michael Caine: “Oh ja, und genau das waren wir, ein wunderbares Team. Jeder einzelne Schauspieler in diesem Film war fantastisch.”

Auch für die Britin Charlotte Rampling war es ein erfolgreicher Abend. Sie wurde
nicht nur für ihr Lebenswerk, sondern auch als beste Schauspielerin für ihre Rolle an der Seite von Tom Courtenay in dem Ehedrama 45 Years von Andrew Haigh geehrt .

Der Franzose François Ozon, mit dem Rampling unter anderem die Filme “Unter dem Sand” und “Swimming Pool” gedreht hat, übergab den Ehrenpreis.

Den Preis für die beste Komödie gewann der Film mit dem wahrscheinlich längsten Titel Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach über zwei trübsinnige Scherzartikelverkäufer.

Eine angenehme Überraschung für den schwedischen Regisseur Roy Andersson. In seiner Heimat Schweden werde der Film nicht unbedingt als Komödie gewertet. “Das ist ein bedeutender Preis, ein Komödienpreis. In Venedig habe ich den Goldenen Löwen erhalten. Das hier zeigt eine andere Seite meines Werks.”

Der Preis für den Besten Europäischen Nachwuchsfilm/Prix Fipresci ging an “Mustang”, das Leinwanddebüt der französisch-türkischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven. Er erzählt von fünf Schwestern, die als heranwachsende junge Frauen in der ländlichen türkischen Gesellschaft nach und nach ihre Grundrechte verlieren.

“Mustang” wurde mit dem Lux Filmpreis des Europaparlaments ausgezeichnet, ist Frankreichs Anwärter auf den Auslandsoscar und wurde für einen Golden Globe nominiert.

Deniz Gamze Ergüven: “Der Film erzählt auf gewisse Weise eine Art Märchen, mit poetischen Mitteln, um von dieser Wirklichkeit Abstand zu nehmen. Er zeigt die emotionale Resonanz auf eine gewisse soziale Wirklichkeit.”

Für den zweifachen Oscar-Preisträger Christoph Waltz, sichtlich gut gelaunt auf dem Roten Teppich, sind es die Unterschiede, die das europäische Kino attraktiv machen.

Christoph Waltz: “Ein europäisches Gesamtkino gibt es zum Glück nicht. Manchmal wird das so aus finanzierungstechnischen Gründen hergestellt. Aber es ist eben hergestellt, es ist nie aus der Seele erzählt. Weil, so europäisch wir alle sind und uns fühlen und stolz darauf sind, so sehr sind wir doch die Kinder unsere ganz speziellen Kultur.”

Dann doch sichtlich gerührt nahm Waltz den Europäischen Filmpreis für seinen “Beitrag zum Weltkino” entgegen.

Über 20 Auszeichnungen wurden bei der diesjährigen Europäischen Preisverleihung in Berlin überreicht.

Wolfgang Spindler, euronews: “Bei der Vergabe der Hauptpreise war dieses Jahr eindeutig die etablierte Generation des europäischen Kinos der Gewinner. Die jüngere Generation von Filmemachern und Schauspielern fand bei der diesjährigen Verleihung der europäischen Filmpreise eher wenig Beachtung.”

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