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Jetzt im Kino: "Die Kinder des Fechters"

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Jetzt im Kino: "Die Kinder des Fechters"

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Die Kinder des Fechters erzählt die Geschichte eines Sportlehrers, der sich 1952 auf der Flucht vor Stalin in einem kleinen Dorf in Estland versteckt

Die Kinder des Fechters erzählt die Geschichte eines Sportlehrers, der sich 1952 auf der Flucht vor Stalin in einem kleinen Dorf in Estland versteckt und dort einen Fechtclub für Kinder gründet. Der Film ist der finnische Anwärter auf den Auslandsoscar, die Golden Globe Nominierung für den Besten Fremdsprachigen Film hat er bereits in der Tasche. Regie führte der Finne Klaus Härö, der sich anfangs gar nicht auf das Projekt einlassen wollte.

Klaus Härö: “Als man mich fragte: ‘Willst Du ein Drehbuch lesen, das in Estland in den 50er Jahren spielt?’, dachte ich: ‘Bloß nicht, ist doch so trist!’ Aber ich war höflich und nahm an. Und als ich anfing, über diesen Mann zu lesen, der sich aus allem heraushalten, vor der Welt verstecken will, aber gleichzeitig ein Lehrer und von Kindern umringt ist, die in ihm eine Vaterfigur sehen, sich also überhaupt nicht verbergen und verstecken kann, sagte ich mir, dieser Konflikt, einerseits abkapseln, andererseits sind da Kinder, die ihn brauchen, das ist ein spannender Konflikt.

Mir gefiel die visuelle Idee, dass in dieser grauen kalten Winterlandschaft etwas Wunderschönes auftaucht, beinah wie ein Tanz, wie ein Ballett. Das Fechten ist ein weißer, eleganter Sport. Anderseits ist da der graue Alltag der kommunistischen Ära in Estland. Dieser visuelle Kontrast war ebenfalls sehr interessant.”

Der Film basiert auf dem wahren Leben des Esten Endel Nelis, der in den 50er Jahren eine Fechtschule gründete, die bis heute existiert, er vermischt autobiografische und historische Elemente.

Klaus Härö: “Der Film behandelt mehrere Themen. Eines davon ist diese Epoche des tiefen Misstrauens in Estland in den 50ern. Jeder hatte Angst vor jedem. Bloß nichts Beleidigendes sagen, sonst werde ich denunziert. Vor allem aber geht es in The Fencer um die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Wie gehen wir mit Kindern um? Im Film gibt es einen ganz zentralen Satz, der das Thema zusammenfasst: ‘Abstand bewahren!’. Beim Fechten muss man sehen, wo der Gegner ist und immer den richtigem Sicherheitsabstand halten.

Die Botschaft des Films lautet: Wenn man zu allem und jedem auf Distanz geht, ist man zwar sicher, aber man fühlt sich bedeutungslos. Jedes Mal, wenn man einer anderen Person traut, ist das ein Risiko. Vielleicht wird man verraten. Aber dieses Risiko muss man eingehen. Sonst ist das Leben einfach nur traurig und sinnlos.”

Das mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet Drama ist gerade den deutschsprachigen Kinos angelaufen.