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Ausblick auf die weltweiten Finanzmärkte 2016

Für die Finanzmärkte war das Jahr 2015 voller Überraschungen. Devisenmärkte in Schwierigkeiten, Konjunkturpakete in Europa, der Schwarze Montag in

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Ausblick auf die weltweiten Finanzmärkte 2016

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Für die Finanzmärkte war das Jahr 2015 voller Überraschungen. Devisenmärkte in Schwierigkeiten, Konjunkturpakete in Europa, der Schwarze Montag in China, die Zinswende in den USA und der unaufhaltbare Absturz der Ölpreise. In dieser Ausgabe werden wir auf diese Ereignisse zurückkommen und einen Blick ins kommende Jahr werfen. Was kommt auf die Börsen weltweit und insbesondere in Nordafrika und im Nahen Osten zu?

Meinung

Den Anlegern würde ich raten, sich Zeit zu nehmen, bevor Sie Entscheidungen treffen, sei es beim kurz- oder langfristigen Handel.

Über all das sprechen wir mit Nour Eldeen Al-Hammoury, Chefmarktstratrege bei ADS securities in Abu Dhabi.

Zinswende in den USA

Daleen Hassan, euronews :
“Sie haben das ganze Jahr über die wichtigsten Ereignisse für uns analysiert. Wie verlief das Jahr 2015 für die Finanzmärkte?”

Nour Al Hammoury:
“Es war ein Jahr voller Unsicherheiten und es gab sehr viele schlechte Überraschungen für die Wirtschaft und die Finanzmärkte weltweit.”

euronews:
“Stimmt, darin sind sich alle Wirtschaftsexperten einig. Beginnen wir mit den USA.”

Die Fed hat nach neun Jahren die Zinsen erhöht. Doch das lange Warten hatte in den Schwellenländern und an den Börsen weltweit ein ständiges Auf und Ab zur Folge. Der US-Dollar ist um fast 11 Prozent gestiegen. Und die Inflation in den USA bleibt unter dem angestrebten Wert.

euronews:
“Was kommt jetzt nach der Zinserhöhung auf die US-Wirtschaft zu? Was ist der nächste Schritt für die FED?

Nour Al Hammoury:
“Wenn der US-Dollar 2016 weiter ansteigt wird die US-Wirtschaft unter Druck geraten, insbesondere in Bezug auf das Wachstum und die Inflation. Die Fed wird wahrscheinlich eine Zeit lang warten, bevor sie neue Maßnahmen ergreift. Falls es nicht läuft wie vorgesehen, wird die Fed vielleicht ihre Dezember-Entscheidung noch einmal überdenken müssen.
Wir haben das ganze Jahr über die Fed richtig eingeschätzt. Wir haben vorhergesagt, wann der richtige Zeitpunkt für eine Zinserhöhung sein würde. Jetzt, nach der Zinswende, wird sie wachsam und vorsichtig sein. Sie wird die Wirtschaft genau im Auge behalten und davon ihre nächsten Entscheidungen abhängig machen.”

Gute Aussichten für die Eurozone

euronews:
“Es scheint, als ob nicht nur in den USA, sondern auch in Europa Vorsicht geboten ist.”

Die Europäische Zentralbank hat im März im Rahmen des Programms zur Quantitativen Lockerung begonnen, Wertpapiere im großen Stil zu kaufen. Für den Präsidenten der EZB, Mario Draghi, war es ein hartes Jahr. Er hoffte, dass es mit Hilfe des Konjunkturprogramms gelingt, die Wirtschaft in der Eurozone wieder anzukurbeln. Seit Anfang des Jahres hat der Euro rund 13 Prozent verloren. Zuletzt gab es positive Zeichen bei der Inflationsrate, beim Bruttoinlandsprodukt und auch Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt.

euronews:
“Wird die lockere Geldpolitik in der Eurozone Früchte tragen? Wie wird sich die europäische Wirtschaft 2016 entwickeln?”

Nour Al Hammoury:
“Die Entscheidungen der EZB waren richtig. Die Bank hat zum richtigen Zeitpunkt gehandelt. Rund acht Monate nach dem Start des Programms gab es ganz klar Zeichen der Erholung. Wenn der Wechselkurs des Euros weiter sinkt und die EZB ihr Konjunkturprogramm beibehält, dann wird sich die Wirtschaft 2016 wahrscheinlich erholen und stabilisieren.
Wir rechnen damit, dass es Fortschritte geben wird. Es könnte jedoch problematisch werden, falls die Weltwirtschaft sich weiter verlangsamt. Falls dies der Fall sein sollte, werden die europäischen Finanzmärkte darunter leiden, zumindest im ersten Quartal von 2016.
Man sollte nicht vergessen, dass die Bank of England ihre Zinsen 2016 nach der Entscheidung der Fed ebenfalls anheben könnte. Dadurch würden die Aktien in Großbritannien und in ganz Europa unter Druck geraten.”

2016 – Ein gutes Jahr für Yuan und Yen

euronews :
“Da Sie es erwähnen, wir müssen uns ebenfalls mit den Aktien in Asien befassen.”

Am sogenannten Schwarzen Montag stürzte die Börse in China ab. Dieser Kursverlust schadete den Finanzmärkten in Asien und im Rest der Welt. Trotz der Konjunkturprogramme hat sich die Wirtschaft in China verlangsamt. Dem chinesischen Yuan ist es jedoch gelungen, in den Kreis der Welt-Reservewährungen aufgenommen zu werden. Japan hat es unterdessen nicht geschafft, aus der Rezession herauszukommen.

euronews:
“Nour, was kommt 2016 auf die Börsen in Asien und die asiatischen Währungen zu?”

Nour Al Hammoury:
“Das ganze Jahr über ging es immer wieder um die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China. Wir halten diese Verlangsamung für normal und gesund. Der chinesische Yuan ist seit kurzem eine Reservewährung. Im Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat der Yuan einen Anteil von mehr als elf Prozent. Dies ist ein Beweis dafür, dass die chinesische Wirtschaft stark ist. Wir rechnen damit, dass sie sich im kommenden Jahr noch weiter entwickeln wird.
Der chinesische Markt ist attraktiv für Käufer und Anleger, vor allem seitdem der chinesische Yuan zu den Reservewährungen zählt. In den kommenden fünf Jahren rechnen wir damit, dass mehr als eine Billion US-Dollar auf dem chinesischen Markt landen werden.
Und dann wäre da noch der Fall Japan: Nach den negativen Zahlen im dritten Quartal waren die Zahlen im vierten Quartal ermutigend. Was das kommende Jahr anbelangt, setzen wir auf den japanischen Yen. Wir sind davon überzeugt, dass der Yen 2016 im Vergleich zu den anderen Währungen sehr viel Potential hat.”

Die Ölpreise werden wieder ansteigen

2015 war ein Jahr voller geopolitischer Spannungen, aber das wichtigste Ereignis für die Finanzmärkte der Region war der Absturz der Ölpreise. Die Opec-Länder haben ihre Produktion nicht zurückgefahren. Die Ölschwemme lässt die Preise weiter purzeln. Der Iran hat unterdessen ein historisches Atomabkommen unterschrieben. Damit endet für das Land die Ära der wirtschaftlichen Sanktionen. Für die Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika war das Jahr eher durchwachsen.

euronews:
“Wie lautet Ihre Prognose für die Ölpreise und die Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika?”

Nour Al Hammoury:
“Der fallende Ölpreis wurde von den Finanzmärkten bereits einkalkuliert. Der Ölpreis ist derzeit sehr niedrig, das war zuletzt 2008 der Fall. Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, stellen wir fest, dass die Ölpreise schon einmal so niedrig waren, und dann stieg der Preis für ein Barrel Rohöl wieder auf 100 US-Dollar an.
Wir gehen aus diesem Grund davon aus, dass sich die Ölpreise 2016 stabilisieren und wieder ansteigen werden. Wenn die Preise weiter unter Druck bleiben, wird die Opec wahrscheinlich ein Treffen anberaumen. Insbesondere da der Iran wieder Öl fördern wird.
Die Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika werden wahrscheinlich 2016 weiter unter Druck bleiben. Sie haben sich jedoch im vergangenen Jahr schnell erholt, obwohl die Region seit fünf Jahren unter geopolitischen Spannungen leidet.
Die Preise der Wertpapiere sind derzeit niedrig, das könnte auch Käufer anlocken. Dies war schon einmal in der Vergangenheit der Fall.”

euronews :
“Die Anleger weltweit haben dieses Jahr einen langen Wunschzettel. Worauf sollten sie 2016 achten?”

Nour Al Hammoury:
“Im kommenden Jahr empfehlen wir weiterhin, in den japanischen Yen zu investieren. Die Anleger müssen auf die Wirtschaftsdaten achten, insbesondere auf die Ergebnisse aus den USA. Wir wissen noch nicht, wie sich die Zinserhöhung auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte auswirken wird. Die ertragsreichen Anleihen, die es vor allem im Energiesektor gibt, sind besonders wichtig. Wir müssen die Wirtschaftsdaten im Auge behalten, denn sie werden größere Auswirkungen als vorher haben. Das erste Quartal von 2016 ist voller Herausforderungen und vieles ist noch unklar, insbesondere die Gewinne der Unternehmen angesichts einer schwächelnden Wirtschaft und die Instabilität der Ölpreise. Den Anlegern würde ich raten, sich Zeit zu nehmen, bevor Sie Entscheidungen treffen, sei es beim kurz- oder langfristigen Handel.”