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Extreme Todesrate bei Journalisten-"Reporter ohne Grenzen" rufen die Vereinten Nationen zum Handeln auf

Immer mehr Journalisten sterben auf den Schlachtfeldern. Aktuelle Zahlen belegen: Das vergangene Jahr hält einen erschreckenden Rekord. Innerhalb des

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Extreme Todesrate bei Journalisten-"Reporter ohne Grenzen" rufen die Vereinten Nationen zum Handeln auf

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Immer mehr Journalisten sterben auf den Schlachtfeldern. Aktuelle Zahlen belegen: Das vergangene Jahr hält einen erschreckenden Rekord. Innerhalb des letzten Jahrzehnts war es das Jahr, in dem die höchste “Anzahl von Todesfällen bei Einsätzen von Journalisten. registriert wurde.”

Nach Angaben von Reportern ohne Grenzen. starben im Jahr 2015 insgesamt 110 Journalisten. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 66 Vertreter der Presse.

Etwa 2/3 der 2015 Getöteten starben bei Einsätzen in Ländern, die sich offiziell im Frieden befinden. Damit ist die bisherige Annahme, das die Kriegsberichterstattung die gefährlichste Form journalistischer Berichterstattung sei endgültig wiederlegt.

Zum bekanntesten Fall wurde das Massaker in der Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Dabei starben im Kugelhagel der Kouachi-Terrorbrüder 8 Journalisten. Unter ihnen waren die 5 Cartoonisten Charb, Cabu, Tignous, Wolinski und Honoré sowie die 3 Reporter Elsa Cayat, Mustapha Ourad und Bernard Maris.

Der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen Christophe Deloire fordert die Vereinten Nationen zum Handeln auf. Er will, das ein Sonderbeauftragter ernannt wird, der sich ausschliesslich mit der Sicherheit von Journalisten befasst. 110 getötete Journalisten – so Deloire -das verlange nach einer Antwort, die der Dringlichkeit der Lage gerecht wird.

Infographic: Getötete Journalisten 2005-2015



Getötet während des Einsatzes?

Unsicherheit gibt es in der Frage, wie belastbar die Zahlen im Detail sind. Bei den 110 getöteten Reportern ist in 43 Fällen nicht geklärt, ob sie tatsächlich im unmittelbaren Zusammenhang mit der Ausübung ihres Berufes zu Tode gekommen sind.

Nach Angaben von Reportern ohne Grenzen macht diese Grauzone auch deutlich, das in vielen Regionen Latein Amerikas, im asiatisch pazifischen Raum, dem Nahen Osten oder im Afrika südlich der Sahara das Problem herrscht, das Straffreiheit bei Angriffen auf Journalisten gilt.

‘Der Krieg kam zu uns’

Reporter ohne Grenzen zitiert den Verleger von Charlie Hebdo mit den Worten:” Wir haben fast nie Journalisten in Kriegsgebiete geschickt…aber am 7.Januar kam der Krieg zu uns”.

Ein klarer Trend scheint sich abzuzeichenen: während sich 2014 noch 2/3 aller tödlichen Vorfälle mit Journalisten in Kriesengebieten abspielten, war es 2015 nur noch 1/3 aller tödlichen Vorfälle, die in unmittelbarem Kriegsgebiet stattfanden.

Mit dem tragischen Massaker bei Charlie Hebdo schnellte Frankreich auf den dritten Platz der Gefahrenskala in der Berichterstattung: als eines der tödlichsten Länder für Journalisten weltweit.

Dieser Trend wird jedoch nicht nur von Terror-Vorfällen wie bei Charlie Hebdo beeinflusst.

Die Statistiken von Reportern ohne Grenzen zeigen auch extreme Gefahren bei der Berichterstattungen über organisiertes Verbrechen in Indien und Mexiko. Hie nimmt die Gewalt gegen Journalisten ständig weiter zu. In Indien wurden 2015 insgesamt 9 Journalisten getötet, in Mexiko waren es 8.

Infographic: Die tödlichsten Länder für Journalisten im Jahr 2015



Gefahr nicht nur für Profis

Darüberhinaus wurden 2015 auch 27 nicht professionell arbeitende Berichterstatter getötet.

Einer der schockierendsten Fälle ist der, bei dem nach Angaben von Reportern ohne Grenzen 4 Blogger aus Bangladesh zu Tode gehackt wurden.

Eine Gruppe von Al Kaida auf dem indischen Kontinent hat sich zu den Morden an den Bloggern bekannt. Diese hatten sich zuvor offen für Toleranz, Meinungs- und Gedankenfreiheit eingesetzt.

Die völlige Untätigkeit der Behörden in Bangladesh Angesichts der grausamen Verbrechen hat zu einem Gefühl von Straffreiheit geführt, das nun Journalisten und journalistsich arbeitende Bürger bedroht.