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David Bowie - Der Mann, der sich immer wieder neu erfand

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David Bowie - Der Mann, der sich immer wieder neu erfand

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Mit David Bowie geht einer der größten und einflussreichsten Musiker, der in fast fünfzig Jahren Karriere immer wieder nach den Sternen griff. Sie

Mit David Bowie geht einer der größten und einflussreichsten Musiker, der in fast fünfzig Jahren Karriere immer wieder nach den Sternen griff. Sie begann 1969 mit dem Weltraumhit “Space Oddity” und endete mit seinem Rock-und Jazzalbum “Blackstar”, das nur zwei Tage vor seinem Tod erschien.

Dazwischen liegen viele unterschiedliche Stile und unvergessliche Songs wie “Changes”, Heroes oder “Let’s Dance”. Bowie war ein unermüdlicher Klangforscher, der sich immer wieder neu erfand.

Über das Schreiben sagte er 2013: “Es ist ein fester Bestandteil meines 24-Stunden-Tages. Ich versuche jeden Tag, etwas zu schreiben. Manchmal hasse ich es, und es ist wie eine Last. Aber ich muss es einfach tun. Und an anderen Tages kann ich es kaum erwarten, mich hinzusetzen und zu schreiben.”

Die Siebziger waren die kreativste Phase in seiner Karriere mit Scheiben wie “Station To Station”, “Low” und “Heroes”. Allerdings hatte er in dieser Zeit auch mit Drogensucht zu kämpfen.

Auf den Höhenflug der achtziger Jahre folgte eine weniger erfolgreiche Phase der musikalischen Neufindung in den Neunzigern, bis er sich 2003 mit “Reality” zurückmeldete.

Auf Welttournee erlitt er bei einem Konzert in Deutschland einen Herzinfarkt, der ihn zum Rückzug von der Bühne bewegte.

Über das Älterwerden sagte Bowie 2004 bei einer Pressekonferenz: “Wenn man jung ist, hält man vieles für sehr wichtig, vor allem sich selbst. Wenn man älter wird, findet man vieles nicht mehr so bedeutend, außer ein paar fundamentale Dinge, wie die Liebe zu den Menschen, die einem nahestehen, und die Sorge um das Wohlergehen von Familie und Freunden und das zeigt sich dann immer weiter, wie Kreise im Wasser.”

Nach zehnjähriger Schaffenspause meldete sich Bowie 2013 mit dem Comeback-Album “The Next Day” zurück, auf dem er sich an seine Zeit in der Stadt Berlin erinnerte.

Bowie trat danach nicht mehr live auf und gab auch keine Interviews, war aber weiterhin musikalisch aktiv – bis zu “Blackstar”, seinem letzten Album. Es erschien am 8. Januar, David Bowies 69. Geburtstag.

Insgesamt sieben lange Tracks eingespielt mit Jazz-Musikern in New York, ein radikal neuer Sound, der seine Fans überraschte.

Zeitgleich wurde das Video zu dem Song “Lazarus” veröffentlicht, das den Musiker mit verbundenen Augen in einem Krankenshausbett zeigt, als würde er seinen eigenen Tod vorausahnen.

“Blackstar” (Schwarzer Stern) mit der gleichnamigen Single ist sein rätselhaftestes und düsterstes Album. Für viele ist es das beste seit Langem und nunmehr Bowies musikalisches Vermächtnis, mit dem er sich von der Welt verabschiedet.

David Bowie starb am Sonntag, dem 10. Januar, an einer zuvor nicht öffentlich gemachten Krebserkrankung.

Was bleibt, sind seine Songs und die von ihm geschaffenen schillernden Kunstfiguren, von Major Tom über Ziggy Stardust bis zum Rock-Gentleman im eleganten Anzug.

“Er war ein Gigant”

euronews-Reporter Alasdair Sandford sprach mit Martin Talbot, Musikkommentator und Geschäftsführer des Unternehmens, das die britische Hitparade herausbringt.

euronews:
Die Fans sind zweifellos ganz persönlich betroffen. Manche sagen, sie werden sich immer daran erinnern, wo sie waren, als David Bowie starb. Wie einschneidend ist dieser Moment aus Ihrer Sicht?

Martin Talbot:
David Bowie war ein Gigant der Musikindustrie und der Unterhaltungsindustrie insgesamt. Denn er war nicht nur ein Musiker, er war ein Gigant. In musikalischer Hinsicht sprechen wir hier von einer Bedeutung wie sie Elvis Presley oder die Beatles hatten. Es gibt nicht mehr viele, die man in diese Kategorie einordnen könnte. Es ist ein sehr, sehr einschneidender Moment.

euronews:
Was ist mit seinem letzten Album “Blackstar” und der neuen Single? Er muss schon krank gewesen sein, als er das einspielte. Wie sehen Sie das und wie gut ist das Album?

Talbot:
Ich finde das bemerkenswert. Sein langjähriger Produzent Tony Visconti hat bereits gesagt, Bowies Leben sei wie ein Kunstwerk gewesen – und sein Tod ist es auch. Hören Sie sich das Album an. Es ist sehr düster, es geht darum, in den Himmel zu kommen und auf die Erde herabzublicken. Im Video der ersten Single-Auskopplung gibt es eine Szene von ihm, in der er aus einem Bett emporsteigt, als sei er gestorben. Darin stecken jede Menge Botschaften. Ganz klar, er wusste, was passieren würde. Er wusste: Selbst wenn er nach der Veröffentlichung des Albums noch eine Zeit lang da sein würde, Werbung für die Platte machen würde oder erleben würde, wie das Album ein Erfolg wird: Ich glaube, er wusste, dass er danach nicht mehr lange Zeit da sein würde. Und es war klar, dass es sein letzter Beitrag als Künstler, als Ikone der Musik, sein würde.

euronews:
Über David Bowies Karriere ist viel gesagt worden: Darüber, wie er sich ständig neu erfand und dass er seiner Zeit immer voraus gewesen sei. Wieviel Wahrheit steckt dadrin?

Talbot:
Allein in den siebziger Jahren hat David Bowie mindestens ein halbes Dutzend, vielleicht sogar zehn unglaublich bedeutsame und bahnbrechende Alben eingespielt. Aber jedes Mal hat er sich gewissermaßen neu erfunden und erschien als neue Persönlichkeit: sei es als der ursprüngliche David Bowie, der einst ein Avantgardeschauspieler war, als Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Thin White Duke. Er stammt aus einer Ära, in der es enormen Drogenmissbrauch gab. In der zweiten Hälfte der Siebziger brachte er “Scary Monsters” heraus: Wieder eine andere Figur. Und dann “Let’s Dance” in den frühen Achtzigern als eine Art Kind des Souls. Auch in diese Zeit hat er ganz viel hineingesteckt, das ist bemerkenswert.

euronews:
Sein Einfluss ging über die Musik hinaus: Der britische Premier und der Vatikan haben ihn gewürdigt. Die deutsche Regierung sagte, er habe dabei geholfen, die Berliner Mauer einzureißen…

Talbot:
Natürlich hat er in der Geschichte Berlins eine wichtige Rolle gespielt. Drei seiner umjubelsten Alben, “Heroes”, “Low” und “Lodger” wurden in Berlin ganz in der Nähe der Mauer aufgenommen. Und zwar in einer Zeit, das vergisst man leicht, als Berlin nicht gerade eine Kulturhochburg war. In der Zeit wurde Berlin weltweit nicht so wahrgenommen, wie es nach der Veröffentlichung dieser Alben der Fall war. Er hatte eine sehr intime Beziehung zu Berlin.