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Bowie und Berlin, eine ganz besondere Geschichte

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Bowie und Berlin, eine ganz besondere Geschichte

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Viele schillernde Kunstfiguren erschuf sich David Bowie, das Pop-und Rockchamäleon, und durchlief ebenso viele Schaffensphasen, die eng verbunden

Viele schillernde Kunstfiguren erschuf sich David Bowie, das Pop-und Rockchamäleon, und durchlief ebenso viele Schaffensphasen, die eng verbunden waren mit den Orten, an denen er lebte, London, Los Angeles und – Berlin. In der damals noch geteilten Stadt erlebte Bowie von 1976 bis 1979 zweifelsohne einige seiner kreativsten Jahre.

Meinung

Er kam nach Berlin und sah, wie anders die Stadt war, voller Künstler, Transvestiten und schräger Typen, die nicht ins Establishment passten. Ich glaube, er genoss diese Zeit.

Zu spüren war die ganze besondere Verbindung zwischen Bowie und Berlin am Todestag des Ausnahmekünstlers. Viele Fans legten Blumen und Kerzen vor dem Haus in der Hauptstraße 155 nieder, in dem er damals lebte.

Inzwischen gibt es auch eine Petition, die fordert, eine Straße in Berlin nach David Bowie zu benennen. Zumindest einen Abend lang durfte ein Straßenschild in der Hauptstraße das bereits, symbolisch:

Die Mauerstadt war seine Rettungsinsel

In Berlin fand ein spindeldürrer und von der Drogensucht nahezu zerstörter Bowie Zuflucht und neue Inspiration. In den legendären Hansa-Studios in der Köthener Straße entstand die Albumtrilogie “Low”, “Heroes” und “Lodger” mit bis dahin ungehörten, kühl-futuristischen Sounds. Genau so klang das West-Berlin der 70er Jahre, eine ganz besondere aufregende Zeit, die 2015 auf der Berlinale vorgestellte Film B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989 auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt.

Er folgt dem britischen Musikproduzenten, Autor und Labelbetreiber Mark Reeder, den es Ende der 70er-Jahre wegen der Musik in die Stadt aller Exzesse zog. Dort tauchte er in das rege Nachtleben ein und lernte die Punk- und Hausbesetzerszene kennen. Auch Bowie hatte einen entscheidenden Einfluss auf sein Leben.

Mark Reeder: “Er stellte seine Single ‘Heroes’ in der Marc Bolan’s TV’ Show vor. Ich sah das im Fernsehen und war völlig von den Socken. Was war das für ein neuer Bowie Song? Er klang total anders. Bowies Berliner Phase, in der er hier lebte, arbeitete und drei Alben einspielte, machte ihn zu einem Vorreiter für alle anderen Musiker. Es war wichtig, nach Berlin zu kommen und eine Berliner Phase zu haben.

Er kam nach Berlin und sah, wie anders die Stadt war, voller Künstler, Transvestiten und schräger Typen, die nicht ins Establishment passten. Ich glaube, er genoss diese Zeit. Es war sehr wichtig für ihn, weil er er selbst sein konnte. David Bowie in Berlin, das war eine Art Selbstfindungstrip.”

1987 kehrte Bowie für ein Open-Air-Konzert vor dem Reichstag nach Berlin zurück. Auch auf der anderen Seite der Mauer sangen die Menschen mit. Später kam es zu Protesten, die von der Volkspolizei brutal niederschlagen wurden. Zwei Jahre später fiel die Mauer.

“Blackstar” erstürmt die Charts

Bowies letztes Album “Blackstar”, das nur zwei Tage vor seinem Tod erschien, steuert inzwischen vielerorts auf Platz Eins der Albencharts zu.
Auch seine übrigen Scheiben seien sehr gefragt, meint Nigel House von Rough Trade: “Vor allem seltene Singles und Sonderausgaben werden an Wert gewinnen. Die deutsche Version von ‘Heroes’ beispielsweise war schon immer ein begehrtes Sammlerstück. Sein neues Album wird im Internet auch auf Vinyl vertreiben, der Wert dürfte rasant in die Höhe schnellen und Sammler auf den Plan rufen. Seine Singles, oder die bunte Vinylscheibe, die als Sonderausgabe für die Bowie-Ausstellung im Victoria & Albert Museum erschien. All das wird an Wert zulegen, aber wohl nicht der Standardkatalog.”

Ebenfalls zwei Tage vor seinem Tod erschien das Video zu dem Song “Lazarus”, das Bowie mit verbundenen Augen in einem Krankenshausbett zeigt, als würde er seinen eigenen Tod vorausahnen.

Der Song beginnt mit den Worten:

“Look up here, I’m in heaven ……. Schaut hier hoch, ich bin im Himmel…”