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Russland schüttet noch mehr in den globalen Ölsee

Selbst Skeptiker waren schockiert vom unverblümten Auftakt des Gaidar-Wirtschaftsforums in Moskau. Gleich zur Eröffnung sprach Finanzminister Anton

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Russland schüttet noch mehr in den globalen Ölsee

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Selbst Skeptiker waren schockiert vom unverblümten Auftakt des Gaidar-Wirtschaftsforums in Moskau. Gleich zur Eröffnung sprach Finanzminister Anton Siluanow davon, dass Russlands Staatshaushalt schnellstmöglich an die Krisensituation – soll heißen, an die verfallenen Ölpreise – angepasst werden müsse – aufgestellt wurde er zu illusorischen 50 Dollar pro Barrel. Aktueller Stand um 30. 40 Dollar pro Barrel als Planungsgrundlage sei das höchste der Gefühle, so Siluanow.

Meinung

Wir werden das Parlament bitten, alle Ausgaben um 10 Prozent zu kappen, außer die Verteidigungsausgaben

Anton Siluanow, russischer Finanzminister:

“Wir werden das Parlament bitten, alle Ausgaben um 10 Prozent zu kappen, außer die Verteidigungsausgaben – das ist die Beschlusslage. Was würde fast eine Milliarde bringen. Reicht aber nicht.”

Russland hat seine Ölförderung 2015 auf mehr als 534 Millionen Tonnen und damit auf den Höchststand seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 gesteigert. Und es soll so weitergehen. Die Ölfirmen des Landes hätten vereinbart, die Fördermengen von 2015 beizubehalten, meldete die Agentur Interfax.

Die Rohstoffmacht habe trotz des Preisverfalls im Durchschnitt 10,73 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich produziert – im Vergleich zu 10,58 Millionen im Vorjahr, so das Energieministerium in Moskau laut Interfax.

Russland gehört mit den USA und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. Mehr als ein Drittel des Wertes von 2015 – rund 189 Millionen Tonnen – förderte der Staatskonzern Rosneft. 2014 hatte Russland 527 Millionen Tonnen Öl gefördert.
Dem Staat gehört mehr als die Hälfte der russischen Ölindustrie.

Rohstoffexporte sind eine entscheidende Einnahmequelle und der massive Fall des Ölpreises reißt tiefe Löcher in den Haushalt und
verschärft die Wirtschaftskrise im größten Land der Erde.
Experten in Moskau rechnen für 2016 trotzdem mit einem weiteren
Anstieg der Produktion. Dies dürfte den Druck auf den Preis eher
erhöhen. Russland ist nicht Mitglied des Ölkartells Opec.

Kleiner Lehrgang in Volkswirtschaftslehre: Nach dem Angebotsgesetz erhöht ein steigender Preis das Angebot, ein sinkender reduziert es, eigentlich.

su mit dpa, Reuters