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Carlos Ghosn: "Renault verschleiert nichts"

euronews: Carlos Ghosn vielen Dank für Ihre Zeit. Es gibt viel Gesprächsstoff zum Thema Zukunftstechnologien. Wie muss ich mir das vorstellen, wenn

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Carlos Ghosn: "Renault verschleiert nichts"

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euronews: Carlos Ghosn vielen Dank für Ihre Zeit. Es gibt viel Gesprächsstoff zum Thema Zukunftstechnologien. Wie muss ich mir das vorstellen, wenn ich mich in 20 Jahren hinters Steuer setze?

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn: “Was die neuen Technologien für die kommenden Jahre betreffen, haben wir drei Haupttrends. Der Erste dreht sich darum, den CO2-Ausstoß auf null zu reduzieren. Da geht es natürlich um Elektroautos und nun auch um Brennstoffzellen-Autos. Der zweite Trend ist das selbstfahrende Auto, man sitzt also im Wagen und hat natürlich die Möglichkeit, das Steuer jederzeit zu übernehmen, aber man kann die Kontrolle dann auch wieder abgeben, und das unter stets sichereren Bedingungen. Der dritte Trend ist die Vernetztheit. Das heißt, dass sie in ihrem Auto das gleiche machen können, was sie auch im Büro oder zu Hause vorhaben. Das sind die Haupttrends der Zukunftstechnologien. Sie werden unsere Produkte verwandeln.”

euronews: Wie aufregend finden Sie das? Welchen Teil finden Sie dabei am spannendsten?

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn: “Ich bin sehr begeistert, denn dadurch werden sich mehr Menschen für Autos interessieren. Wir wissen, dass sich derzeit in vielen Ländern junge Leute weniger für Autos begeistern. Wenn das Auto aber ein mobiler Raum ist, der jederzeit vernetzt sein kann, dann wird das vielleicht junge Leute eher anziehen. Aber es werden auch ältere Menschen durch die neuen Trends angesprochen. Viele von ihnen müssen wegen des Alters das Fahren aufgeben, nicht weil sie wollen, sondern weil sie nicht mehr können. Aber selbstfahrende Autos werden es älteren Menschen ermöglichen, auch noch im hohen Alter zu fahren. Damit eröffnet man ihnen eine neue Mobilität und gleichzeitig sind sie auch neue Verbraucher für die Industrie. Das sind alles Gründe, warum diese neuen Technologien Sinn machen. Außerdem gestalten wir die Zeit für die Autofahrer, die heute bereits fahren, wesentlich angenehmer.”

euronews: Und was hat das für Auswirkungen auf Arbeitsplätze? Es herrscht die Sorge, dass Roboter die menschliche Arbeit ersetzen könnten.

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn: “Ich finde es schwierig heute zu sagen, wie sich das auf die Arbeitsplätze in Zukunft auswirkt. Es gibt Dinge, die sich positiv auswirken und andere, die ungünstig sind. Ich glaube nicht daran, dass eine Robotisierung Arbeitsplätze zerstören wird, denn wir haben bereits eine ganze Menge automatisiert und standardisiert. Wir zerstören Arbeitsplätze auf der einen Seite, während wir auf der anderen Seite auch wieder welche schaffen. Also, allgemein betrachtet, hatten wir ein enormes Wachstum. Aber es ist natürlich schwierig, Vorhersagen zu treffen. Ich denke trotzdem, dass das Wirtschaftswachstum davon profitieren wird. Aber selbst für unsere eigene Industrie ist es schwierig, die Folgen für die nächsten fünf oder zehn Jahre abzuschätzen.”

euronews: Eine Frage noch zum Abgas-Skandal. Wir wissen, dass in Frankreich 15.000 Autos zurückgerufen wurden. Haben Sie Sorge, dass sich das zu einem größeren Skandal ausweiten könnte?

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn: “Es herrscht große Verwirrung bezüglich dieser Abgas-Geschichte. Erlauben Sie mir noch mal, Ihnen einige grundsätzliche Fragen aufzuzählen. Die erste Frage in Bezug auf Abgase ist: Betrügt irgendjemand? Gibt es ein Gerät, das es dem Autobauer ermöglicht, Dinge zu verschleiern? Im Fall von Renault lautet die Antwort nein. Nicht nur Renault sagt das, auch die französische Regierung bestätigt das. Wir können nicht alle Firmen in den gleichen Topf werfen. Die zweite Frage ist: Entsprechen die Autos der Norm? Diese Standards werden offiziell festgelegt. Alle Autos von Renault sind amtlich zugelassen, sie entsprechen alle den Standards. Jetzt ist die Debatte, wo es keine Norm gibt: Was ist die Performance außerhalb der Standards? Wenn es keine Standards gibt, dann ist es schwierig zu sagen, was falsch und richtig ist. Deshalb fordern wir von der europäischen Gemeinschaft Regeln, damit wir alle mit Bestimmheit sagen können, ob wir uns innerhalb oder außerhalb der Norm befinden. So sieht die Lage aus.”