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EZB-Chef Draghi zeigt die Gießkanne

EZB-Präsident Mario Draghi hat die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März weit aufgestoßen. Die Währungshüter machen sich Sorgen

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EZB-Chef Draghi zeigt die Gießkanne

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EZB-Präsident Mario Draghi hat die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März weit aufgestoßen.

Meinung

Grundsätzlich wird die Wirkung einer Medizin mit zunehmender Dosis nicht besser

Die Währungshüter machen sich Sorgen wegen des rasanten Ölpreis-Verfalls, der Wirtschaftsschwäche vieler Schwellenländer und der Schwankungen an den Finanzmärkten.
Mit dem Start des neuen Jahres hätten sich die Risiken noch einmal verstärkt, so der Chef der Europäischen Zentralbank.

Die Umstände hätten sich seit Dezember «grundlegend»
geändert. Mario Draghi:

“In diesem Umfeld ist die Inflationsdynamik im Euroraum auch weiterhin schwächer als erwartet. Es wird daher notwendig sein, unseren geldpolitischen Kurs bei unserem nächsten Treffen Anfang März zu überprüfen und gegebenenfalls zu überdenken “.

Der Ölpreissturz sei kein kurzzeitiges Phänomen mehr, über das die Euro-Wächter hinwegsehen könnten. Die Gefahr bestehe, dass dadurch eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang kommen könne. “Bislang haben wir das nicht. Aber wir müssen sehr wachsam sein. Wir kapitulieren nicht», betonte Draghi, «unsere Geldpolitik kennt innerhalb unseres Mandats keine technischen Grenzen».

In Reaktion auf die Äußerungen des EZB-Chefs gab der Euro zeitweise um mehr als einen US-Cent auf unter 1,08 Dollar nach. Bei Anlegern kam die Aussicht auf weiteres Billiggeld gut an. Der deutsche Börsen-Leitindex Dax zog um rund zwei Prozent an. In den USA startete die Wall Street mit Gewinnen in den Handel.

Bei ihrer Sitzung am Donnerstag hatten die Währungshüter den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit
Zentralbankgeld auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent gelassen. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

Erst im Dezember hatten die Währungshüter ihren Kurs verschärft. Das vor allem in Deutschland umstrittene Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren («Quantitative Easing»/QE) wurde um ein halbes Jahr verlängert. Die EZB will nun bis mindestens März 2017 monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen.

Die Inflation im Euroraum ist trotz der erst im Dezember
ausgeweiteten Geldflut der EZB weiterhin weit entfernt vom EZB-Ziel einer jährlichen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Für Dezember errechnete das EU-Statistikamt Eurostat eine Jahresrate von 0,2 Prozent – offenbar kommt das viele billige EZB-Geld bislang nicht im gewünschten Maß in der Wirtschaft an.

Der Chefvolkswirt der Targobank, Düsseldorf, Otmar Lang, kritisierte, weitere geldpolitische Schritte würden der Inflation angesichts der niedrigen Rohstoffpreise nicht auf die Beine helfen: «Grundsätzlich wird die Wirkung einer Medizin mit zunehmender Dosis nicht besser.» Jan Holthusen von der DZ Bank, Frankfurt, hält weitere Maßnahmen nicht für notwendig: «Niedrigere Ölpreise stützen Konsumenten und Unternehmen, niedrige Inflationsraten, die aus Ölpreisrückgängen resultieren, kann die EZB nicht bekämpfen. Sie kämpft dabei gegen Windmühlen.»

su mit dpa, Reuters