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Höllenlärm unter Wasser sorgt für Dauerstress bei Meeressäugern

Europäische und US-amerikanische Wissenschaftler haben eine Landkarte mit Lärm-Hotspots im Mittelmeer erstellt. Diese “Lärmkarte” dient dazu, die

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Höllenlärm unter Wasser sorgt für Dauerstress bei Meeressäugern

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Europäische und US-amerikanische Wissenschaftler haben eine Landkarte mit Lärm-Hotspots im Mittelmeer erstellt. Diese “Lärmkarte” dient dazu, die Geräuschbelastung für Meerestiere zu erfassen. Besonders Wale und Delfine sind empfindlich gegenüber Unterwasserlärm, da sie sich mittels ihres Gehörsinns orientieren. Zuviel Lärm ist nicht nur schädlich für das Gehör der Meeressäuger, sondern kann auch die Verständigung zwischen den Tieren einschränken, sie von Feinden und Beutetieren ablenken oder sie, aufgrund von Orientierungslosigkeit, stranden lassen.



Was verursacht den Lärm?

Allein im Mittelmeer befinden sich zu jeder Tages- und Nachtzeit rund 1500 Handelsschiffe, die für eine dauerhafte, störende Geräuschkulisse sorgen. In den letzten Jahren habe sich der Lärm aber noch um ein Vielfaches verschlimmert, vor allem aufgrund des Baus und des Betriebs von Offshore-Windenergieanlagen und der intensiven Suche nach Öl- und Gasvorkommen mithilfe von sogenannten Schallkanonen. Sie werden von Schiffen aus ins Meer gelassen und schicken extrem laute Schallimpulse in die Tiefe, deren Echos Aufschluss über die Bodenstruktur geben. Der dabei enstehende Lärm ist ohrenbetäubend. Vor den Küsten Europas wurde für Rammarbeiten zum Bau von Fundamenten von Windkraftanlagen ein Lärmgrenzwert von 160 Dezibel festgelegt, doch selbst dieser Wert entspricht dem Lärm eines startenden Düsenjets aus ungefähr einem Meter Entfernung. Außerhalb Europas, beispielsweise in den Gebieten der Antarktis, gelten diese Lärmbegrenzungen nicht.


Schallkanonen sorgen für Höllenlärm unter Wasser

Der Zusammenschluss ACCOBAMS, der sich für den Schutz der Meeressäuger und den Erhalt der Artenvielfalt im Mittelmeerraum und im Schwarzen Meer einsetzt, hat über einen Zeitraum von zehn Jahren Daten über die Geräuschbelastung im Mittelmeer gesammelt und ausgewertet. Eindeutiges Ergebnis: 2005 seien davon nur 3,8 Prozent der Oberfläche des Mittelmeeres von Schallkanonenlärm betroffen gewesen, 2013 waren es bereits 27 Prozent. Die Karte hat nun die Gebiete identifiziert, die Lärm-Hotspots sind und gleichzeitig einen wichtigen Lebensraum für geräuschempfindliche Meeressäuger darstellen. Dazu zähle laut der Organisation OceanCare Pelagos im Ligurischen Meer, die Straße von Sizilien und die Wasserstraße zwischen den Balearen und dem spanischen Festland.

Auch die Straße von Gibraltar ist eine der am meisten frequentierten Wasserstraßen im Mittelmeerraum. Auf Grundlage der Karte ist nun geplant, “zielgerichtet lärmreduzierende Maßnahmen zu entwickeln”, so die Leiterin des Bereichs Wissenschaft und Bildung bei OceanCare und Co-Autorin des Berichts, Dr. Silvia Frey. So hat das spanische Umweltministerium angekündigt, dass es einen Migrationskorridor zwischen Spanien und den Balearen plane. Sollte diese Schutzzone eingerichtet werden, würde das auch eine Reduzierung des Unterwasserlärms bedeuten und könnte einen ersten, wegweisenden Schritt zur Errichtung weiterer Schutzzonen für Meeressäuger im Mittelmeerraum sein.