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IWF-Chefin Christine Lagarde: "Ja, ich kandidiere für eine zweite Amtszeit"

Die Kandidatin kassierte Komplimente, auch aus Berlin: “Frau Lagarde war in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine umsichtige und

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IWF-Chefin Christine Lagarde: "Ja, ich kandidiere für eine zweite Amtszeit"

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Die Kandidatin kassierte Komplimente, auch aus Berlin: “Frau Lagarde war in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin”, so das Bundesfinanzministerium. Bislang hatte Christine Lagarde nur allgemein Interesse an einer neuen Amtszeit als Chefin des Internationalen Währungsfonds signalisiert. Andere Kandidaten gibt es bisher nicht. Nun sagte sie es laut und deutlich in Davos.

Meinung

Eine herausragende Führungskraft mit Vision und Scharfsinn

Christine Lagarde:

“Ja, ich kandidiere für eine zweite Amtszeit. Ich fühlte mich geehrt, von Anbeginn des Prozesses die Unterstützung von Frankreich, Großbritannien, Deutschland, China, Korea, Mexiko zu haben.”

Der britische Finanzminister George Osborne twitterte:

“Freue mich, Lagarde für neue Amtszeit als IWF-Chefin zu nominieren. Eine herausragende Führungskraft mit Vision und Scharfsinn, um die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zu lenken.”

Lagarde hat zuhause in Frankreich immer noch die “Affäre Tapie” am Bein. Sie soll sich als Ministerin in einem Entschädigungsverfahren vorschnell auf einen 400-Millionen-Euro-Vergleich mit dem französischen Geschäftsmann Bernard Tapie eingelassen haben. Lagarde bestreitet dies. Nach jahrelangen Ermittlungen soll sie nach dem Willen einer Untersuchungskommission vor Gericht – Lagarde hat angekündigt, dies anfechten zu wollen.

Simon French, Chefvolkswirt, Panmure Gordon, London:

“Ja, das ist schon eine Sorge, oder. Aber Politiker haben eine Ader, vor allem wenn sie aus Frankreich kommen, öffentliche Ämter zu bewältigen, auch wenn zu Hause Herausforderungen auf sie warten.”

Christine Lagarde ist seit dem 5. Juli 2011 geschäftsführende Direktorin des IWF. In ihre Amtszeit fiel das zweite Rettungspaket für Griechenland. Anfang 2012 waren Griechenland, Portugal, Irland, Rumänien und die Ukraine die größten Schuldner des IWF.

Vor ihrer Laufbahn beim Washingtoner Weltwährungsfonds – neben der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO) eine der mächtigsten Institutionen in der globalen Wirtschaftswelt – hatte Lagarde sich als Anwältin einen Namen gemacht: Von 1999 bis 2004 leitete sie die US-Kanzlei Baker &
McKenzie. In die Politik kam sie als Quereinsteigerin. 2007 holte sie der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf den Posten der Wirtschafts- und Finanzministerin, als erste Frau in dieser Funktion.

Die gelernte Juristin, Ökonomin und Amerikanistin – 2010 vom Magazin «Time» zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt – hat aber nicht nur Bewunderer. Nachdem sie 2011 als Nachfolgerin des skandalumwitterten Landsmanns Dominique Strauss-Kahn die Führung des IWF übernommen hatte, wurde der Fonds immer mehr zu einer Krisen-Feuerwehr nicht nur für Entwicklungsländer, sondern auch für viele unter der Staatsschuldenkrise ächzende Euroländer.

Die harten Spar- und Haushaltsauflagen des IWF für überschuldete Staaten wie Griechenland trugen auch der disziplinierten Lagarde Kritik ein.

su mit dpa