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Litvinenko-Mord: Russland verurteilt britischen Untersuchungsbericht

Cameron: Müssen "eine Art von Beziehung" zu Russland behalten

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Litvinenko-Mord: Russland verurteilt britischen Untersuchungsbericht

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Der russische Botschafter in Moskau, Alexander Yakovenko, hat die Vorwürfe im Fall des ermordeten Kremlkritikers Alexander Litvinenko scharf verurteilt. Ein britischer Untersuchungsbericht enthält schwere Anschuldigungen, nach denen die russische Regierung von dem Mord gewusst und ihn sogar gebilligt haben soll.

“Es ist für uns völlig inakzeptabel, dass der Bericht eine Beteiligung Russlands an dem Tod von Herrn Litvinenko in Großbritannien feststellt”, so Yakovenko. “Diese grobe Prokokation der britischen Behörden wird unsere Beziehungen belasten.”

Die Vorwürfe aus Großbritannien reichen bis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser soll seine Zustimmung zu Plänen des russischen Geheimdienstes FSB gegeben haben, Litvinenko zu ermorden. Pikant für die Russen ist vor allem, dass der untersuchende Richter seine Schlüsse vor allem auf Indizien stützt: Für eine Mitwisserschaft Putins spreche demnach die Kommandostruktur des FSB und die Tatsache, dass der Präsident dem Hauptverdächtigen in dem Mordfall eine Auszeichnung verliehen hat: für “Dienste für das Vaterland”.

Schwere Anschuldigungen gegen russische Regierung

Litvinenko war selbst Mitarbeiter des FSB. Der ausgesprochene Gegner von Putins Politik war Anfang der 2000er-Jahre nach Großbritannien geflohen. Unter anderem hatte er den russischen Geheimdienst beschuldigt, Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland verübt zu haben, um damit den Tschetschenien-Krieg zu rechtfertigen. Im November 2006 besuchte Litvinenko die Bar eines Londoner Luxushotels. Möglicherweise hatte er dort Dokumente mit Informationen über den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja bekommen. In der Bar wurde ihm offenbar radioaktives Polonium in sein Getränk gemischt. Drei Wochen später starb er im Krankenhaus.

Die Verwerfungen zwischen Russland und Großbritannien könnten weite Bereiche internationaler betreffen. Der ehemalige FSB-Chef Nikolai Kowaljow äußerte die Befürchtung, der Kampf gegen den internationalen Terrorismus könne durch den Streit beeinträchtigt werden. Der britische Premierminister David Cameron kündigte eine härtere Haltung an. Allerdings sagte er auch, sein Land müsse “eine Art von Beziehung” mit Russland beibehalten.