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Flüchtlingslager in Calais: Hoher Besuch, aber wenig Hoffnung

Franzosen demonstrieren gegen rigide Grenzkontrollen

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Flüchtlingslager in Calais: Hoher Besuch, aber wenig Hoffnung

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Großbritannien, für die Menschen im Flüchtlingslager im französischen Calais ist das das große Ziel. Groß und unerreichbar scheint es, und ausgerechnet von dort bekamen die Menschen jetzt Besuch. Der britische Opositionsführer Jeremy Corbin (Labour-Partei) äußerte auf einem Rundgang durch das Lager Verständnis für die Migranten, die dort festsitzen: “Alle europäischen Länder müssen ihr bestes geben, auch Großbritannien. Wir müssen diesen Leuten und den Kindern helfen. Die Kinder wollen lernen, sie wollen ein Leben aufbauen, sie wollen sich in unsere Gesellschaft einbringen. Das ist eine einfache menschliche Erkenntnis, die uns alle erreichen kann”, sagte Corbyn und dankte den freiwilligen Helfern für ihren Einsatz im Camp.

Immer wieder hatte es große Probleme in dem Lager gegeben. Erst gestern hatte es Berichte von Handgreiflichkeiten zwischen der Polizei und Bewohnern des Camps gegeben, Personen sollen mit Messern bedroht worden sein. “Dschungel” nennen die Menschen das Lager hier, und der Dschungel ist inzwischen zu einem etablierten Slum geworden. Während Frankreich nebenan ein Containerdorf mit Stockbetten für 1500 Personen baut, haben sich die schätzungsweise 4000 Menschen in ihrer matschigen Zeltstadt so gut es geht eingerichtet. Eine informelle Wirtschaft hat sich entwickelt, es gibt Einkaufsmöglichkeiten, improvisierte Restaurants und sogar einen Friseur.

Auch Klimaflüchtlinge unter den Migranten

Doch die meisten wollen fort von hier. Immer wieder kommen Menschen bei dem Versuch, über den Kanal nach Großbritannien zu reisen, ums Leben. Die Autounfälle im Umfeld des Lagers haben sich gehäuft, seit im Oktober die Sicherheitsvorkehrungen am Eisenbahntunnel nach England verstärkt worden waren. Am Samstag demonstrierten in Calais mehrere tausend Menschen für eine menschlichere Behandlung in dem Lager und an der Grenze. Die zusätzlichen Grenzkontrollen und die Abschottung der Länder machten die Grenzen für die Flüchtlinge noch gefährlicher, so eine Demonstrantin. Ein anderer Teilnehmer des Protestzuges wies darauf hin, dass unter den Migranten auch Klimaflüchtlinge seien, die vor Umweltkatastrophen fliehen. Nicht nur Kriege brächten die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Zeitgleich mit der Demonstration hatten Migranten eine Fähre im Hafen von Calais besetzt. Der Fährverkehr war für drei Stunden lahmgelegt. Die Polizei nahm 24 Migranten fest.