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Portugal: Marcelo Rebelo de Sousa will "Brücken bauen" und "Wunden heilen"

Man muss einen langen Weg zurücklegen, wenn man portugisischer Präsident werden will. Euronews hat Marcelo Rebelo de Sousa bei seinem Wahlkampf begleitet. Während einer seiner vielen Reisen durch das

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Portugal: Marcelo Rebelo de Sousa will "Brücken bauen" und "Wunden heilen"

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Man muss einen langen Weg zurücklegen, wenn man portugisischer Präsident werden will. Euronews hat Marcelo Rebelo de Sousa bei seinem Wahlkampf begleitet. Während einer seiner vielen Reisen durch das Land, konnten wir den gemäßigten Konservativen interviewen.

Meinung

Der Präsident muss vereinen, Brücken bauen, Wunden heilen. Um dies zu tun, muss er den Menschen nahe sein und dem Parlament und der Regierung helfen können, Stabilität zu gewährleisten. Und ich glaube, ich bin dazu in der Lage.

Filipa Soares, euronews:
“Viele sprechen Sie auf der Straße an. Sie sind berühmt in Portugal, weil Sie viele Jahre Fernsehmoderator waren. Was sagen diese Menschen zu Ihnen? Was fragen sie, worüber beschweren sie sich?”

Marcelo Rebelo de Sousa:
“Sie erzählen mir von ihren Problemen, die sehr unterschiedlich sind. Die Angestellten im öffentlichen Dienst beschweren sich darüber, dass Beförderungen blockiert wurden oder über Lohnkürzungen. Die Rentner beschweren sich über die Kürzungen ihrer Bezüge, die Arbeitslosen darüber keine Arbeit zu finden. Hier auf dem Land beschweren sich die Leute über Ungleichheiten im Vergleich zu denen, die in Großstädten und am Meer leben. Junge Menschen finden keine Jobs und müssen deswegen auswandern.”

euronews:
“Was werden Sie als Präsident tun, um gegen diese Probleme vorzugehen?”

Marcelo Rebelo de Sousa:
“Wir müssen verstehen, dass das Land eine besondere Zeit durchlebt. Es kommt gerade aus der Krise heraus, doch dies geht nicht schnell und auch nicht gleichmäßig. Nicht jeder verlässt diese Phase zur gleichen Zeit, im gleichen Tempo.
Zweitens wurde das Land nach den letzten Parlamentswahlen gespalten. Beide Seiten, die linke PS als auch die rechtskonservative Koalition aus PSD und CDS-PP, meinten sie sollen die neue Regierung stellen. Dies sorgte für große Spannungen.
Und es gibt ein weiteres Problem: Wir können keine politische Instabilität akzeptieren, da wir schon ein bewegtes Wahljahr hinter uns haben, mit Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.
Daher muss der Präsident jetzt vereinen, Brücken bauen, Wunden heilen. Um dies zu tun, muss er den Menschen nahe sein und dem Parlament und der Regierung helfen können, Stabilität zu gewährleisten. Und ich glaube, ich bin dazu in der Lage.
Warum? Zunächst einmal, weil ich dies mein ganzes Leben getan habe. Zweitens, weil ich in der Mitte stehe. Dafür muss man eine Position vertreten, die den Dialog mit allen Seiten ermöglicht und ich habe mir mein ganzes Leben eine solche Haltung bewahrt.
Ich komme von der Rechten, meine Partei ist die konservativ-liberale PSD und ich habe sehr gute Beziehungen zur Volkspartei PP.
Auf der linken Seite habe ich Abkommen mit der sozialistischen Partei ausgehandelt, als ich Oppositionsführer war und die Sozialisten eine Minderheitsregierung geführt haben.
Mit der kommunistischen Partei habe ich wieder die Beziehungen zu meiner Partei hergestellt. Und ich habe sogar gute Kontakte mit dem linken Block.
Diese Fähigkeit zum Dialog ist lebenswichtig in Zeiten, in denen Instabilität unmöglich ist. Wenn es noch eine weitere politische Krise gibt, werden wir nie – oder zumindest nicht sehr schnell – die Krise hinter uns lassen.”

euronews:
“Ist es nicht seltsam, dass es für eine linke Regierung mit einem rechten Präsidenten sehr angenehm sein wird?”

Marcelo Rebelo de Sousa:
“Ministerpräsident Antonio Costa unterstützt zwei Kandidaten aus seinem politischen Lager, aber ich kenne den Ministerpräsidenten sehr gut. Er war vor vielen Jahren mein Student. Ich hatte schon immer ein gutes Verhältnis zu ihm, wie ich es mit allen politischen Parteien habe.
Deshalb werde ich die Regierung nicht diskriminieren, natürlich ohne meine Ideen aufzugeben. Ich werde keine Probleme schaffen, keinerlei Instabilität, keinen Lärm um Regierungsinitiativen machen. Und ich werde versuchen, dass eine Basis an Unterstützung für die Regierung bleibt, die ja wie wir wissen, sehr kompliziert ist, da sie auf parlamentarischen Vereinbarungen aufgebaut ist.”