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Proteste in Tunesien: Junge Menschen fühlen sich vernachlässigt

Auch Polizisten demonstrieren in Tunis für mehr Geld

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Proteste in Tunesien: Junge Menschen fühlen sich vernachlässigt

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In Tunesien haben die Menschen wieder für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gerechtigkeit demonstriert. In der 90.000-Einwohner-Stadt Kasserine im Landesinneren gingen tausende junge Menschen auf die Straße. In Sprechchören forderten sie “Arbeit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit”.

Meinung

Wir haben nichts zerstört oder angezündet. Wir wollen kein Chaos veranstalten, wir wollen nur arbeiten!

“Gebt nicht den Söhnen von Amtsinhabern die Jobs und lasst dabei die außen vor, die es nötiger hätten”, so eine junge Demonstrantin in aufgebrachtem Ton. “Wir wollen, dass ihr denen Arbeit gebt, die sie brauchen. Nein zu Bestechung, Korruption, Ungerechtigkeit, und Unterdrückung. Nein zur Tyrannei!”

Die Menschen hier sehen sich vernachlässigt, sie glauben, die positiven Folgen des Arabischen Frühlings seien vor allem in der 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tunis zu spüren.

Doch auch dort ist die Unzufriedenheit dieser Tage groß. An die 3000 Polizisten schlossen sich einem friedlichen Protestmarsch zum Präsidentenpalast an. “Wir verteidigen die Nation, wir fordern unsere Rechte”, riefen sie und forderten mehr Bezahlung für ihren Einsatz, bei dem sie immer wieder mit islamischen Extremisten zu tun bekommen. Wiederholt griffen militante Islamisten in den vergangenen Monaten Sicherheitskräfte des Landes an und verüben Anschläge auf Touristen.

Größte Proteste seit der Revolution

Die Proteste sind die größten seit dem Arabischen Frühling. Vor genau fünf Jahren stürzte das Volk seinen Diktator Ben Ali. Nach 2011 galt Tunesien zunächst als Musterland des Wandels, das in der gesamten arabisch-islamischen Welt Hoffnungen auf mehr Demokratie und ein besseres Leben aufkommen ließ. Noch 2014 hatte das Land eine wegweisende Verfassung beschlossen, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie Religionsfreiheit propagierte.

Doch die Stimmung droht zu kippen. Die Gewalt von Seiten der Islamisten nimmt zu und die Regierung sieht sich großen Problemen gegenüber. Die Wirtschaft kommt nicht in Schwung und internationale Geldgeber haben bereits angemahnt, das Land möge seine Staatsausgaben weiter kürzen. Die Regierungspartei ist dabei, sich aufzuspalten. Auch im Musterland Tunesien rückt die Möglichkeit eines Arabischen Herbstes immer näher.