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WHO erwartet Ausbreitung des Zika-Virus in Nord- und Südamerika

Ein Zusammenhang mit einer Unterentwicklung des Gehirns bei Neugeborenen ist noch nicht endgültig nachgewiesen, gilt aber als wahrscheinlich.

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WHO erwartet Ausbreitung des Zika-Virus in Nord- und Südamerika

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Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sich das sogenannte Zika-Virus bald in ganz Süd-, Mittel- und Nordamerika ausbreitet. Grund seien eine mangelnde Immunität in der Bevölkerung gegen die Infektion und das Verbreitungsgebiet der übertragenden Mücke.

Bei Erwachsenen verläuft eine Zika-Infektion oft mit relativ milden Symptomen. Bei Schwangeren droht dem ungeborenen Kind aber möglicherweise eine Mikrozephalie, eine Unterentwicklung des Gehirns.

“Zwar wurde bislang kein kausaler Zusammenhang zwischen Zika-Infektionen und Mikrozephalie nachgewiesen, das muss ich betonen. Aber die Indizien legen das natürlich nahe und es ist sehr besorgniserregend”, so WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

Die Missbildungen treten derzeit unter anderem in Kolumbien und Brasilien gehäuft auf – bis zu 30 Mal häufiger als noch 2010, so das brasilianische Gesundheitsministerium, das von einem klaren Zusammenhang mit Zika ausgeht. Dort wurden bislang fast 4000 Fälle von Mikrozephalie gezählt.

Seit Mitte 2015 hat sich das Virus auf 21 Länder ausgebreitet, vor allem in Südamerika. Auch in Italien und Großbritannien sind Fälle bekannt, allerdings nur bei heimgekehrten Touristen.

Sollten sich die Verdachtsmomente zu den Folgen erhärten, wäre Zika schon jetzt eine internationale und unerwartete Herausforderung – direkt im Anschluss an Ebola. Wie schon bei Ebola gibt es auch gegen Zika derzeit keine Medikamente oder Impfungen, das Virus ist nur wenig erforscht. Um in Zukunft nicht unvorbereitet zu sein, fordern einige Wissenschaftler inzwischen ein Umdenken und mehr Anreize für vorsorgliche Forschung.

Zur Bekämpfung bleiben derzeit nur Insektizide. Übertragen wird das Zika-Virus von einer Mücke, die auf dem gesamten amerikanischen Kontinent verbreitet ist, außer in Chile und Kanada. Infektionen von Mensch zu Mensch sind Forschern zufolge selten.