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Aliza Bin-Noun: "Kein Jude sollte nach Israel gehen, weil er Angst hat."

Viele Juden in Frankreich haben Angst. Die jüdische Gemeinde wurde mehrmals von Islamisten angegriffen. Mohamed Merah erschoss in einer jüdischen

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Aliza Bin-Noun: "Kein Jude sollte nach Israel gehen, weil er Angst hat."

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Viele Juden in Frankreich haben Angst. Die jüdische Gemeinde wurde mehrmals von Islamisten angegriffen. Mohamed Merah erschoss in einer jüdischen Schule drei Kinder. Amedy Coulibaly erschoss Menschen in einem jüdischen Supermarkt in Paris. Immer mehr französische Juden nehmen den israelischen Ministerpräsidenten, Benjamin Netanjahu, beim Wort, und suchen Schutz in Israel.

Meinung

Wir müssen zusammen gegen die Drohungen, gegen den Hass, gegen Antisemitismus und gegen Islamophobie vorgehen.

Lesley Alexander, euronews:
“Wir sprechen mit der israelischen Botschafterin in Frankreich, Aliza Bin-Noun. Sie haben ihren Posten in Paris vor fünf, sechs Monaten angetreten. Was ist das für ein Gefühl als israelische Diplomatin in einem Land zu arbeiten, in dem Synagogen von Soldaten bewacht werden und in dem Menschen angegriffen und sogar getötet werden, nur weil sie Juden sind.”

Aliza Bin-Noun:
“Nun, es freut mich sehr Botschafterin in Frankreich zu sein. Ich bin die erste Botschafterin Israels in Frankreich. Für mich ist ein Traum wahr geworden. Natürlich ist es kein gutes Gefühl überall Soldaten zu sehen. Die Menschen fühlen sich nicht sicher und sind besorgt. Aber für uns Israelis ist das nicht neu. Wir sind das leider gewöhnt. Was die jüngsten Ereignisse anbelangt, war es für mich natürlich schrecklich, zwei, drei Monate nach meiner Ankunft, Zeuge dieser Terrorangriffe in Frankreich zu werden.”

euronews:
“In Paris wurden im November 130 Menschen getötet. Ihr Ehemann wäre fast in dem betroffenen Viertel gewesen, nicht wahr?”

Aliza Bin-Noun:
“Ja, er war auf dem Weg zum Stadion und glücklicherweise hat er in letzter Minute seine Pläne geändert. Aber ich war sehr schockiert, denn ich war zu Hause und ich schaute eine Folge der Serie “Homeland” an, als es in den Nachrichten kam. Ich war verwirrt und fragte mich kurz, ob es Teil der Serie oder Realität war. Leider war es wirklich geschehen.”

euronews:
“Nachdem ein jüdischer Lehrer von einem Mann mit einer Machete angegriffen wurde, fragen sich viele Juden in Frankreich, ob sie ihren Glauben verbergen sollen, d.h. ob sie ihre Kippa lieber nicht in der Öffentlichkleit tragen sollten. Was halten Sie von dieser Debatte?”

Aliza Bin-Noun:
“Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob er eine Kippa tragen will oder nicht. Aber ich finde es sehr traurig, dass Juden überhaupt darüber nachdenken müssen, also, dass sie sich fragen müssen, ob sie damit ein Risiko eingehen oder nicht. Die französische Regierung macht soviel sie kann für die Sicherheit der jüdischen Gemeinden. Polizisten und Soldaten sind im Einsatz, um die Schulen, die Kindergärten und die Synagogen zu schützen. Wir sind der französischen Regierung dafür sehr dankbar."

euronews:
“Ihr Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat gesagt, dass er die französischen Juden mit offenen Armen empfangen werde. Angesichts der jetzigen Stimmung fand sein Vorschlag große Resonanz. Viele Tausende sind bereits nach Israel gezogen. Würden Sie zu einem Umzug raten?”

Aliza Bin-Noun:
“Die Aliyah zu machen, also nach Israel zu ziehen ist eine sehr persönliche Entscheidung. Jeder Jude muss selber entscheiden, wo er leben möchte. Israel ist natürlich ein jüdischer Staat. Er heißt alle Juden, die in Israel leben wollen, willkommen, denn es ist der einzige jüdische Staat weltweit. Aber kein Jude sollte nach Israel gehen wollen, weil er Angst hat. Das sollte niemals der Grund sein.”

euronews:
“Sie waren vorher Botschafterin in Ungarn. Antisemitismus ist in dem Land ein Problem. Wie war es für Sie, dort zu arbeiten? Hat Sie das besonders berührt?

Aliza Bin-Noun:
“Ja. Ich habe ungarische Wurzeln und meine Großeltern wurden im Holocaust ermordet. Mein Vater war ein Holocaustüberlebender. Meine Großeltern wurden von Ungarn nach Auschwitz deportiert. Es war also für mich persönlich eine schwierige Erfahrung. Mir ist es sehr wichtig, alles in meiner Macht stehende zu tun, um Antisemitismus zu bekämpfen und um darüber aufzuklären.”

euronews:
“Frankreich ist das Land in Europa, in dem die meisten Juden und die meisten Muslime leben. Im vergangenen Jahr wurden rund 800 antisemitische Übergriffe gemeldet und die Zahl der antimuslimischen Übergriffe hat sich verdreifacht. Rund 400 Fälle wurden gemeldet. Machen diese beiden Gemeinden genug, um gemeinsam gegen diesen Hass vorzugehen?”

Aliza Bin-Noun:
“Sie machen sehr viel. Der interreligiöse Dialog existiert, hier und überall. Vielleicht sollte noch mehr geschehen. Es ist sehr wichtig, dass sich die Gemeinden kennenlernen und zusammen gegen die Drohungen, gegen den Hass, gegen Antisemitismus und gegen Islamophobie vorgehen. Man muss etwas machen gegen diese Menschen, die die Demokratie und die Menschenrechte bedrohen.”

euronews:
“Israel ist nicht sehr glücklich über die Entscheidung der EU, die Produkte aus den israelischen Siedlungen als solche zu kennzeichnen. Viele halten die israelischen Siedlungen für illegal. Sollten die europäischen Konsumenten nicht das Recht haben zu entscheiden, was sie kaufen?”

Aliza Bin-Noun:
“Ich finde, es ist nicht fair, diesbezüglich Israel zu diskriminieren. Es gibt weltweit mehr als 200 Gebietsstreitigkeiten und die EU hat sich dazu entschieden, sich auf Israel und das Westjordanland zu konzentrieren. Der Konflikt, den wir mit den Palästinensern haben, ist bekannt. Wir können ihn nur lösen, wenn wir uns an einen Tisch setzen und verhandeln.
Die Palästinenser weigern sich zu kommen. Unser Ministerpräsident hat in den vergangenen Monaten mehrmals angefragt. Es gibt also keinen wirklichen Willen zu verhandeln. Tatsache ist, dass Mahmoud Abbas sich vor zwei bis drei Jahren dazu entschieden hat, über die internationale Gemeinschaft Druck auf Israel auszuüben. Er hoffte, dass er von der israelischen Regierung Zugeständnisse erhält, wenn er sie in die Ecke drängt. Es ist aber so, dass die Israelis bei Druck nicht nachgeben und das haben wir auch in der Vergangenheit bewiesen.
Wir waren bereit, territoriale Zugeständnisse mit Ägypten und Jordanien zu machen, weil die Bevölkerung, die Israelis, sahen, dass die andere Seite in gutem Glauben handelt. Wenn wir nicht den Eindruck haben, dass die andere Seite in gutem Glauben handelt, dann sind Zugeständnisse sehr unwahrscheinlich.”

euronews:
“Das ist natürlich Israels Sichtweise und die Palästinenser würden sagen, dass die Friedensverhandlungen wegen Israels Kompromisslosikeit nicht vorankommen. Die Beziehung zwischen Israel und Schweden ist sehr schwierig, seit Schweden den Staat Palästina anerkannt hat. Und jetzt fordert die schwedische Außenministerin die häufigen Erschießungen mutmaßlicher palästinensischer Attentäter gründlich zu untersuchen. Seit dem Beginn der Messeranschläge auf Israelis wurden 150 Palästinenser erschossen. Was ist falsch daran, zu fragen, ob die israelischen Sicherheitskräfte nicht vorsichtiger handeln sollten?”

Aliza Bin-Noun:
“Es ist unerhört. Sich einfach so in interne Angelegenheiten einzumischen, das gibt es nirgendwo sonst in Europa. Ich finde das unerhört.”

euronews:
“Egal, was in Israel geschieht, die Welt hat kein Recht…?”

Aliza Bin-Noun:
“Jeder kann machen, was er will, aber es gibt eine Grenze, wie weit man auf Israel herumhacken sollte. Wir sind schließlich ein demokratisches Land, das sich wirklich für seine demokratischen Werte einsetzt. Es ist das einzige demokratische Land im Nahen Osten. Die Situation, mit der wir derzeit konfrontiert sind, ist sehr besorgniserregend. Die Situation im Nahen Osten verschlechtert sich. Israel ist umgeben von Feinden und jetzt von Israel zu fordern, eine internationale Ermittlung zu eröffnen, aus mangelndem Vertrauen in unser demokratisches System, das ist eine Beleidigung, das ist wirklich eine Beleidigung.”