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Friedensnobelpreis für Flüchtlingshelfer gefordert

Das Leben der Menschen auf den griechischen Inseln hat sich durch die vielen Flüchtlinge und Migranten dramatisch verändert. Nun sollen sie für ihre Hilfe ausgezeichnet werden: mit dem Friedensnobe

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Friedensnobelpreis für Flüchtlingshelfer gefordert

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Das Leben der Menschen auf den griechischen Inseln hat sich durch die vielen Flüchtlinge und Migranten dramatisch verändert. Nun sollen sie für ihre Hilfe ausgezeichnet werden: mit dem Friedensnobelpreis.

Die griechische Akademie der Wissenschaften hat drei Menschen stellvertretend für Tausende Flüchtlingshelfer für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Ausgezeichnet werden sollten die US Schauspielerin Susan Sarandon, eine 85-jährige Griechin und ein 40-jähriger Fischer von der Insel Lesbos. Sie sollten den Preis stellvertretend für die Einwohner der Inseln der Ostägäis und die dort tätigen internationalen Organisationen zugesprochen bekommen, sagte der Präsident der Akademie in Athen, Thanasis Valtinos, am Montag. Die Helfer hätten sich 2015 um Hunderttausende Flüchtlinge
gekümmert.

Sarandon hatte sich als erste international bekannte Persönlichkeit für die Rettung der Menschen eingesetzt. Die betagte Militsa Lamvísi hatte spontan ein Flüchtlingsbaby mit einer Milchflasche gefüttert, damit sich die Mutter von der waghalsigen Überfahrt übers Meer aus der Türkei nach Lesbos etwas erholen konnte. Der Fischer Stratis Valiamós habe Dutzende Menschen aus den Fluten gerettet, schrieb die Akademie.

Die Krise in Zahlen

Im Jahr 2014 kamen ungefähr 41.000 Flüchtlinge und Migranten über die Türkei und das Meer auf die griechischen Inseln. Im Jahr 2015 kamen allein zwischen Januar und August 107.000 Menschen.

In einigen Fällen war die Anzahl der Flüchtlinge, die ankamen, weit größer als die Zahl der Einwohner, zum Beispiel auf kleineren Inseln wie Agathonisi und Leros.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Nach Angaben der griechischen Behörden hat die Krise negative Auswirkungen auf den Tourismus. Allein auf der Insel Kos wurden 178.000 Hotelbuchungen abgesagt; auf Leros und Lesbos würden 30 Prozent aller Buchungen annulliert. Langfristige Buchungen für die Insel Kos sind um 60 Prozent gefallen.

Inselbewohner mit offenem Herzen

Trotz der schwierigen Lage haben die Inselbewohner und freiwillige Helfer alles getan, um die Aufmerksamkeit der Medien positiv zu nutzen, um die Flüchtlinge zu unterstützen.

Stella Nanou vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen sagte gegenüber euronews:
“Die Einwohner auf den griechischen Inseln haben unglaubliche Solidarität gezeigt. Es ist ihnen zu verdanken, dass die Konsequenzen dieser humanitären Krise nicht noch größer sind. Es hätte noch viel schlimmer kommen können.”

Flüchlinge willkommen

Die Inselbewohner und Hilfsorganisationen haben Hand in Hand gearbeitet. Die griechische Hilfsorganisation “Angkalia” war vor zehn Jahren ins Leben gerufen worden, um hilfsbedürftigen Menschen auf Lesbos zu helfen. Als die Flüchtlinge ankamen, war “Angkalia” da und half. Die Lagerhallen der Organisation wurden zu Übergangsunterkünften für die Flüchtlinge umfunktioniert. Mitglieder der Organisation haben in den vergangenen Monaten Nahrung, Medikamente und Kleider an 17.000 Menschen verteilt.

Irene Berteni von “Angkalia” meinte gegenüber euronews: “Wir sind an unsere Grenzen gekommen. Wir bekommen kaum noch Schlaf, aber wir machen weiter. Die Inselbewohner sind gegenüber den Flüchtlingen positiv eingestellt. Obwohl Griechenland selbst eine Krise zu bewältigen hat, helfen uns viele Menschen.”

“Angkalia” wurde kürzlich vom Europarat für seine Arbeit mit den Flüchtlingen ausgezeichnet.

“Nobelpreis für die Helden der Ägäis”

Die Bürgerbewegung Avaaz hatte die Einwohner der griechischen Inseln in der Ostägäis sowie die dort tätigen Flüchtlingshelfer aus aller Welt für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Einen entsprechenden Aufruf hatten bis 1. Februar mehr als 630.000 Menschen online unterzeichnet, stand am Montag auf der Seite der linksliberalen sozialen Bewegung. Auch Mitglieder des Europäischen Parlaments und Universitäten unterstützten den Antrag.

Alkmini Minadaki, ein Mitglied von Avaaz, ist beeindruckt von der Hilfe der Inselbewohner:
“Fischer, Hausfrauen, Rentner, Lehrer, alle haben geholfen und die Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen. Sie sind Ängsten und Rassismus mutig begegnet und haben gezeigt, dass wir alle unsere Menschlichkeit gemeinsam haben.”

Originaltext von dpa und Konstantinos Tsellos