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1 Liter, 500 Kilometer: Ein Motorrad, das auch mit Dreckwasser fährt

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1 Liter, 500 Kilometer: Ein Motorrad, das auch mit Dreckwasser fährt

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Mit etwas technischem Wissen und einer Menge Phantasie hat der brasilianische Hobby-Erfinder Ricardo Azevedo in seiner Garage in São Paulo ein

Mit etwas technischem Wissen und einer Menge Phantasie hat der brasilianische Hobby-Erfinder Ricardo Azevedo in seiner Garage in São Paulo ein sogenanntes Moto Power H2O gebaut. Dafür hat er seine 23 Jahre alte Honda NX 200 in eine Art wasserbetriebenes Motorrad verwandelt. Die Maschine nutzt eine Autobatterie, um Strom zu produzieren. Mittels Elektrolyse entsteht eine Zündung, die die Energie bereitstellt, um das Motorrad anzutreiben.

Azevedo: “Dieses Gerät spaltet die Wassermoleküle in Sauerstoff und Wasserstoff. Dabei entsteht mehr Wasserstoff, und ich nutze ihn, um den Motor des Motorrads anzutreiben.”

Mehrere Monate testete Azevedo sein Gefährt. Jetzt sei es fertig und könne dazu beitragen, die Luftverschmutzung zu senken, sagt er. Statt Kohlendioxid kommt aus dem Auspuff lediglich harmloser Wasserdampf.

Azevedo: “Dieses Motorrad läuft mit Wasserstoff aus normalem Wasser. In einem Test bin ich mehr als 500 Kilometer mit einem Liter Wasser gefahren.”

Azevedo testete verschiedene Wassersorten, etwa destilliertes Wasser oder normales Trinkwasser, aber auch solches aus einem stark verschmutzten Fluss in der Gegend. Das Ergebnis war immer dasselbe.

“Ich habe das verschmutzte Wasser aus dem Rio Tietê. Und zu meiner Überraschung funktionierte es mit diesem Wasser genau so wie mit sauberem Wasser. Ich benutze das Wasser aus dem Fluss nun als Treibstoff für mein Motorrad.”

Sicherlich nicht die einzige Antwort auf die Luftverschmutzung, aber sicher eine interessante mögliche Alternative zu fossilen Brennstoffen. Marcelo Alves ist Ingenieur und Professor an der Uni in São Paulo. Er findet das Konzept gut.

Marcelo Alves: “Jedes neue Gerät oder jede Arbeit verdient Respekt. Ich habe großen Respekt vor solchen Menschen, die sich Gedanken machen und dann mit den Dingen, die sie zu Hause haben, etwas herstellen, was funktioniert.”

Wasserstoff ist das häufigste Element in unserem Universum. Auf der Erdoberfläche kommt reiner Wasserstoff recht selten vor, da er sehr leicht ist. In der Regel ist Wasserstoff mit anderen Elementen verbunden, etwa im Falle von Wasser mit Sauerstoff.

Die Forschung zum Wasserstoffantrieb hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und mehrere Autohersteller sind dabei, Wagen mit diesem Antrieb auf den Markt zu bringen. Der Abschied vom Öl ist aber noch weit entfernt.

Marcelo Alves: “Wir müssen die Öffentlichkeit darüber aufklären, dass es keine Zauberlösung für die Energiefrage gibt. Dies ist ein elektronisches Fahrzeug, es fährt nicht mit Wasser, sondern mit dem Strom der Batterie. Aber wir müssen solche Bemühungen auch von Privatpersonen unterstützen, vielleicht können wir sie auch unterstützen, damit sie wirklich ein Fahrzeug entwickeln können. Das kann dann eine Lösung für jemanden sein, der so etwas nutzen will.”

Ein mit Wasserstoff angetriebener Motor läuft schadstoffrei und stößt kein Kohlendioxid aus, wie das bei regulären Verbrennungsmotoren der Fall ist. Eine Hürde ist die Entwicklung eines sicheren Behälters für den hochexplosiven Wasserstoff.