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Militärische Schlagkraft: Westen schwächelt, Russland rüstet auf

Die militärische Überlegenheit des Westens nimmt offenbar ab.

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Militärische Schlagkraft: Westen schwächelt, Russland rüstet auf

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Der Westen verliert offenbar zunehmend seine militärische Überlegenheit. Davon geht das Londoner Internationale Institut für Strategische Studien in seinem neusten Jahresbericht aus. Grund sei vor allem die Aufrüstung in Russland und China sowie die steigende Verbreitung von High-Tech-Waffen.

Europas militärische Schlagkraft ist dem IISS zufolge wegen der Abrüstungsphase und den reduzierten Verteidigungsausgaben seit dem Mauerfall 1989 deutlich gesunken. So hätten Großbritannien und Frankreich beim Golfkrieg 1991 über 475 bzw. 579 moderner Kampfjets verfügt – heute gebe es nur noch jeweils 194 bzw. 271 Kampfjets. In dieser Zeit hätten Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien sowie die USA in Europa die Zahl ihrer Kampfbataillone von 649 auf 185 reduziert. Gleichzeitig, so das Institut, seien die Bedrohungen und Risiken auch für Europa gestiegen.

USA geben am meisten fürs Militär aus

Nach wie vor haben die USA den weltweit höchsten Verteidigungsetat. Die Staaten geben fast 600 Milliarden Dollar für das Militär aus; und damit in etwa so viel, wie die folgenden 11 Staaten zusammen. An zweiter Stelle folgt China mit rund 150 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien an dritter Stelle steckt knapp 82 Milliarden Dollar in seine Armee, Russland ist mit rund 66 Milliarden auf dem vierten Platz. Deutschlands Etat ist mit rund 37 Milliarden der neunthöchste.

Immer mehr Länder haben High-Tech-Waffen

Die Verbreitung fortgeschrittener militärischen Fähigkeiten führe zu einer “zunehmen komplexeren Balance militärischer Macht” in der Welt. Marschflugkörper, Drohnen und Cyberwaffen seien in den vergangenen Jahren immer mehr Ländern zugänglich geworden als bisher. Dadurch verliere der Westen langsam den seit langem gehaltenen militärischen Vorsprung.

Auch mit Blick auf den Terrorismus heißt es in den Bericht: “Das globale Sicherheits-Umfeld ist heute vielleicht eine größere Herausforderung denn je seit Ende der 80er-Jahre.”

Moskaus Militär zieht Richtung Westen

China und Russland seien dabei, ihre militärischen Arsenale zu modernisieren, so die Denkfabrik. So entwickele China etwa neue hochmoderne Zerstörer vom Typ 052D, zudem habe es den Bau eines Flugzeugträgers angekündigt. Darüber hinaus weite Peking seine militärischen Aktivitäten etwa im Südchinesischen Meer aus.

Russland habe etwa neue Marschflugkörper vom Typ Kh-101 und Kh-555 mit Reichweiten von bis zu 4000 Kilometer in Dienst gestellt. Zudem konzentriere Moskau militärische Kapazitäten zunehmend im Westen, was die Lage in den baltischen Staaten beeinflussen könnte.

Fragezeichen Iran

In der Golfregion könnten sich nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran auch Veränderungen im militärischen Gleichgewicht ankündigen, sollte sich Teheran zu einer Modernisierung seiner Waffensysteme entscheiden.

Ein Ursache der Entwicklung sei es, dass komplizierte Rüstungstechnologie zunehmend im Privatsektor entwickelt werde und nicht länger in staatlich finanzierten Forschungseinheiten. Somit sei es für Regierungen auch schwieriger geworden, die Verbreitung dieser Technologien im Auge zu behalten und zu begrenzen.



IISS zu den Militärausgaben